Interview mit Nune Darbinyan, Technical Teamlead bei VOLO

Women in Tech: „Der IT-Bereich verlangt viel Energie und Willenskraft“

Chris Stewart

In unserer Artikelserie „Women in Tech“ stellen wir inspirierende Frauen vor, die erfolgreich in der IT-Branche Fuß gefasst haben. Heute im Fokus: Interview mit Nune Darbinyan, technische Teamführung bei VOLO

Die Tech-Industrie wird von Männern dominiert – so weit, so schlecht. Doch langsam, aber sicher bekommt der sogenannte Boys Club Gesellschaft von begabten Frauen: Immer mehr Frauen fassen in der Branche Fuß.

Aus diesem Grund wollen wir hier spannenden und inspirierenden Frauen die Möglichkeit geben, sich vorzustellen und zu erzählen, wie und weshalb sie den Weg in die Tech-Branche gewählt haben. Aber auch Themen wie Geschlechtervorurteile, Herausforderungen oder Förderungsmöglichkeiten kommen zur Sprache.

Unsere Woman in Tech: Nune Darbinyan, Technical Teamlead bei VOLO

Ich bin Technical Teamlead bei VOLO und teile inzwischen bereits 10 Jahre meines Berufsleben mit der Firma. Bei meiner Arbeit ist es mir am wichtigsten erfolgreiche Projekte durchzuführen, Arbeitskolleginnen in ihrer beruflichen Entwicklung zu unterstützen und selbst in den schwersten Situationen zusammenzuhalten. Als ehemalige Schachspielerin glaube ich daran, dass Menschen, die ein paar Schritte vorausdenken, die aktuelle Lage immer im Griff haben.

Was hat dein Interesse für Technik zuerst entfacht?

Ich komme aus einer Familie von Schachspielerinnen und Programmierinnen und nahm während meiner Schulzeit — zusätzlich zu meinem außerschulischen Informatikunterricht — immer an Schachtrainings und -wettbewerben teil. Das eine ergänzte das andere. Als ich 12 Jahre alt war, schrieb ich mein erstes Programm in C++. Das war auch der Punkt, an dem meine Leidenschaft für das Programmieren zu wachsen begann und schließlich keinen Platz mehr für etwas anderes ließ.

Anschließend machte ich dann meinen Abschluss an der Nationalen Polytechnischen Universität von Armenien in angewandter Mathematik und Informatik.

Hattest du Unterstützung? Wie sieht es mit Vorbildern aus?

Ich hatte das Glück gehabt, dass ich stets die Unterstützung meiner Familie spüren konnte. Sie waren dazu in der Lage, mir zu verstehen zu geben, dass es in diesem Bereich keine Grenze nach oben hin gibt, wenn es um persönliche Erfolge und Wachstum geht. Mein Vater hatte uns schon seit frühster Kindheit beigebracht, dass nur harte Arbeit zu erfolgreichen Ergebnissen führen kann – Glück und Talent machen lediglich einen kleinen Teil davon aus.

Meine Vorbilder sind Elon Musk und Alexis Ohanian. Um ehrlich zu sein, fällt mir aktuell keine Frau in der Tech-Branche ein, die ich als ein Vorbild betrachte. Und ich denke, dass das schon eine ganze Menge über die Rolle der Frauen in der Technik aussagt. Ich möchte aber wie Elon Musk sein. Definitiv.

Hat man dir bewusst Steine in den Weg gelegt?

Ich kann mich an nichts dergleichen erinnern, möglicherweise war ich zu zielstrebig, um es zu bemerken. Ich hatte mich ganz einfach dafür entschieden, einer Karriere in einem Bereich nachzugehen, den ich mochte und bei dem sich herausstellte, dass Frauen eine Minderheit sind. Die Wahrheit ist, dass es dadurch noch erstrebenswerter wurde.

Viele Menschen müssen ihren Arbeitsplatz wechseln, wenn sie etwas Neues machen und erlernen wollen, ich hatte das Glück, all dies in einem Unternehmen zu haben[…]

Ein Tag in Nunes Leben

Mein Beruf als Technical Teamlead bei Volo erfordert nicht nur eine solide Fachkompetenz, sondern auch einen recht starken Emotional Quotient (EQ). Denn man ist nicht nur diejenige, die das Team in technischen Fragen führt, sondern auch in Fragen der effizienten Zusammenarbeit, der Schaffung einer gesunden Teamatmosphäre und der Sorge darum, dass sich jedes Teammitglied auf dem Pfad der persönlichen Entwicklung befindet.

Ein typischer Tag besteht bei mir aus Besprechungen, Fachgesprächen, diesen unvermeidlichen, emotionalen Auseinandersetzungen (manchmal mit sich selbst), Problemlösungen und dem Versuch, mich aus den stressigsten Situationen herauszuscherzen.

DYF

Worauf bist du am meisten in deiner Karriere stolz?

Ich bin sehr stolz darauf, dass ich einen Beruf mit unbegrenzten Möglichkeiten gewählt habe – man kann immer weiter vorwärts kommen, wenn man den Willen und die Einstellung dazu hat. VOLO ist das erste und einzige Unternehmen, in dem ich gearbeitet habe und mein berufliches Wachstum war hier von Anfang an konstant. Ich weiß, dass viele Menschen müssen ihren Arbeitsplatz wechseln müssen, wenn sie etwas Neues machen und erlernen wollen. Ich hatte aber das Glück, all dies in einem Unternehmen zu haben, wofür ich sehr dankbar bin.

Der Grund dafür ist, dass VOLO immer wieder neue Herausforderungen annimmt und sie an das Team delegiert, so dass man sich ständig mit neuen Dingen und neuen Problemen beschäftigt. Ich bin stolz darauf, ein Teil des Weges zu sein, den VOLO eingeschlagen hat.

Warum gibt es nicht mehr Frauen in der Tech-Branche?

Meiner Meinung nach ist die größte Herausforderung für eine Frau, die in die Tech-Branche einsteigen will, die Mentalität. Viele Menschen denken immer noch, dass dieser Bereich nicht für eine Frau geeignet ist, sondern assoziieren diesen eher mit einigen superschlauen, geekigen Jungs. Mit Brillen. Und wilden Bärten.

Der andere Grund ist der, dass das Studium in einem Bereich wie diesem nicht einfach ist und starke analytische Denkfähigkeiten und einen starken Willen erfordert, der historisch gesehen bei Männern besser entwickelt und kultiviert wurde.

Welche Hindernisse müssen Frauen in der Tech-Branche überwinden?

Als Technical Teamlead kann ich sagen, dass dies eine Arbeit ist, die an und für sich schon mit vielen Herausforderungen und Schwierigkeiten verbunden ist. Man sollte sich sowohl technisch als auch in Bezug auf die Softskills auszeichnen.

Sich technische Fähigkeiten anzueignen, ist für Frauen nicht schwieriger als für Männer. Selbst wenn man davon ausgeht, dass Männer mehr Vorteile haben, wenn es um analytisches Denken geht, so tendieren Frauen dazu, härter zu arbeiten. Letztendlich sind sie also in der Lage, dasselbe Qualifikationsniveau zu erreichen – es gleicht sich alles aus.

Bei den Softskills sieht die Sache schon anders aus. Die Leitung eines Teams, insbesondere eines Teams, das hauptsächlich aus erwachsenen Männern besteht, muss sehr sorgfältig erfolgen. Es ist schwieriger, Respekt und Autorität zu erlangen, wenn man eine Frau ist, was meiner Meinung nach nicht nur in diesem Bereich, sondern auch überall sonst gilt. Man muss einfach professionell bleiben. In Fällen, in denen uns die Fähigkeiten fehlen, über die Männer verfügen, setzen wir die Waffen ein, die nur wir haben und mit denen wir in der Regel die gleichen Ergebnisse erzielen können wie Männer. Im Großen und Ganzen sehe ich im Vergleich zu Männern keine besonderen Schwierigkeiten für Frauen als Tech Leads.

Würde unsere Welt eine andere sein, wenn mehr Frauen im MINT-Bereich arbeiten würden?

Mehr Frauen in MINT-Bereich zu haben, würde wiederum noch mehr Frauen dazu inspirieren, dem Beispiel zu folgen und MINT-Fächern nachzugehen. Irgendwann wird es so normal werden, sodass solche Fragen altmodisch und unnötig werden.

Es ist schwieriger, Respekt und Autorität zu erlangen, wenn man eine Frau ist, was meiner Meinung nach nicht nur in diesem Bereich, sondern überall sonst gilt.

Global betrachtet glaube ich nicht, dass es bahnbrechende Veränderungen geben wird. Allerdings können wir uns auch noch nicht sicher sein, zu welchen Endprodukten die Vorstellungen einiger Frauen führen werden. Ich kann jedoch definitiv sagen, dass es mit mehr Frauen in MINT eine einfühlsamere Welt wäre. Während Männer im Allgemeinen eher stoisch und pragmatisch sind, bringen Frauen mehr Energie und Emotionen in diese Welt ein. Wir haben einen großen Einfluss auf die Teamarbeit, die ohnehin meist eine der wichtigsten Voraussetzungen für den Erfolg eines Projekts ist. Und wir bringen Süßigkeiten mit.

Die Diversitätsdebatte gewinnt an Aufwind. Wie lange wird es dauern, bis man Erfolge sieht?

Hoffentlich nicht lange! Meine persönliche Meinung ist, dass Diversität die Situation verbessert, weil sie die Dynamik des gesamten Teams interessanter und die Arbeit, die sie leisten, abenteuerlicher macht. Für mich ist es das, was die Leute dazu bringt, jeden Tag zur Arbeit zu gehen.

Und eigentlich sind die Ergebnisse schon spürbar. Immer, wenn wir erstaunliche Ideen oder Produkte sehen, steht fast immer ein Team dahinter, das aus ganz unterschiedlichen Menschen besteht. Vielfalt kann zu unerwarteten und unkonventionellen Ergebnissen führen.

Kannst Du Frauen, die eine Tech-Karriere anstreben, einen Rat geben? Was sollten sie über die Branche wissen?

Der IT-Sektor erfordert viel Kraft und Entschlossenheit – es ist kein Ort, um die Zeit totzuschlagen und nach Hause zu gehen, sobald der Arbeitstag vorbei ist. Wenn man eine Karriere mit Leidenschaft verfolgt, dann sehe ich keinen Grund, der groß genug wäre, um euch davon abzuhalten, dieses Gebiet zu betreten.

Und für die Frauen, die sich um die Vereinbarkeit von Berufs- und Privatleben oder um die Familiengründung sorgen, seid euch versichert – es gibt viele Frauen, die hier ihre Familie und ihre Karriere perfekt miteinander vereinbaren können.

Geschrieben von
Chris Stewart
Chris Stewart
Chris Stewart is an Online Editor for JAXenter.com. He studied French at Somerville College, Oxford before moving to Germany in 2011. He speaks too many languages, writes a blog, and dabbles in card tricks.
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