Interview mit Milecia McGregor, Senior UI Engineer bei Mediavine

Women in Tech: „Es ist eine schwierige Branche, aber nichts, das man nicht bewältigen könnte“

Madeleine Domogalla

In unserer Artikelserie „Women in Tech“ stellen wir inspirierende Frauen vor, die erfolgreich in der IT-Branche Fuß gefasst haben. Heute im Fokus: Milecia McGregor, Senior UI Engineer bei Mediavine.

Die Tech-Industrie wird von Männern dominiert – so weit, so schlecht. Doch langsam, aber sicher bekommt der sogenannte Boys Club Gesellschaft von begabten Frauen: Immer mehr Frauen fassen in der Branche Fuß.

Aus diesem Grund wollen wir hier spannenden und inspirierenden Frauen die Möglichkeit geben, sich vorzustellen und zu erzählen, wie und weshalb sie den Weg in die Tech-Branche gewählt haben. Aber auch Themen wie Geschlechtervorurteile, Herausforderungen oder Förderungsmöglichkeiten kommen zur Sprache.

Unsere Woman in Tech: Milecia McGregor, Senior UI Engineer bei Mediavine

Milecia ist Senior UI Engineer bei Mediavine und hat einen Masterabschluss in Maschinenbau sowie Luft- und Raumfahrttechnik. Zudem hat sie Forschungsbeiträge zu maschinellem Lernen und Robotik publiziert. Sie hat das Projekt „Flipped Coding“ gestartet, um Menschen beizubringen, wie man in realen Projekten programmiert. Sie veröffentlicht ebenfalls Artikel, die sich mit Themen rund um Software beschäftigen.

Was hat dein Interesse für die Tech-Branche geweckt?

Mein Interesse an Technologie entstand eigentlich eher versehentlich. Als ich noch jung war, habe ich zusammen mit meinem Großvater an Autos gearbeitet und ich dachte, dass eine Maschinenbauingenieurin so etwas wie eine besondere Mechanikerin sein. Also fing ich an, zu studieren, um Maschinenbauingenieurin zu werden, und fand heraus, dass es rein garnichts mit der Arbeit an Autos zu tun hatte. Zu diesem Zeitpunkt hatte sich aber schon herausgestellt, dass ich gut darin war und deswegen blieb ich einfach dabei! Dann begann ich mich für Robotik und Programmierung zu interessieren und legte einen Karrierewechsel in die Technik ein. Ich habe mir meinen Weg in die Tech-Branche irgendwie zusammengetüftelt und der Weg dorthin war alles andere als eindeutig.

Wie verlief Dein Weg bis zum jetzigen Job?

Die Tech-Branche wird den meisten aufwachsenden Mädchen nicht einmal als Option angeboten, so dass viele von uns nicht wissen, dass es sie überhaupt gibt.

Ich landete in meiner jetzigen Laufbahn, nachdem ich vom Maschinenbau und der Luft- und Raumfahrttechnik gewechselt hatte. Ich kam in meiner alten Karriere an einen Punkt, an dem ich einige persönliche Entscheidungen treffen musste und das führte zu meinem Wechsel zur Technik. Zunächst habe ich mir selbst das Programmieren beigebracht, dann habe ich freiberuflich gearbeitet, um etwas Erfahrung zu sammeln und schlussendlich habe ich den Schritt zu meinem ersten Vollzeitjob gemacht! Das größte Hindernis war das Gefühl, dass ich nicht wusste, was ich tat. Es hat Jahre gedauert, bis ich das überwunden habe und erst jetzt beginne ich, wirklich darüber hinwegzukommen.

Vorbilder und Unterstützer

Meine Familie hatte keine Ahnung von dem, was ich machte und ich bin mir immer noch nicht ganz sicher, ob es sie es wissen. Aber sie standen bei jedem meiner Schritt hinter mir. Egal ob es darum ging, Verständnis dafür zu zeigen, dass ich extrem lange arbeiten musste, um Coden zu lernen oder mir einfach Mut zu machen, wenn es nicht wie geplant lief. Sie waren immer für mich da und sind es auch jetzt noch.

Gab es Versuche, dich vom Lernen oder beruflichen Weiterkommen abzuhalten?

Es gab Menschen, die abfällige Bemerkungen mir gegenüber gemacht hatten oder mir vom Weitermachen abrieten, aber niemand hat je versucht, mich aufzuhalten. Allgemein habe ich viele Menschen getroffen, die anderen wirklich helfen wollten.

Ein Tag in Milecia Leben

Eigentlich habe ich gerade einen neuen Job als Senior UI Engineer bei Mediavine angefangen! Ich arbeite mit meinem Remote-Team im React-Ökosystem. Mein typischer Tag besteht darin, meine Aufgabenliste abzuarbeiten und zu versuchen, mich nicht im Debugging zu verlieren sowie mein gif-Game zu verbessern, da meine Mitarbeiter beindruckend darin sind.

Worauf bist du besonders stolz in der Karriere?

Im letzten Jahr habe ich zum ersten mal wirklich etwas über Tech-Konferenzen gelernt und konnte bereits auf sechs von ihnen sprechen!

Wieso gibt es nicht mehr Frauen in der Tech-Branche?

Ich denke, das liegt daran, dass wir gewöhnlich auf andere Karrierwege gelenkt werden. Die Tech-Branche wird den meisten aufwachsenden Mädchen nicht einmal als Option angeboten. Viele wissen also gar nicht, dass es die Branche überhaupt gibt. Ich weiß, dass das bei mir der Fall war.

Welche Hindernisse müssen Frauen in Tech überwinden?

Viele Frauen haben das Gefühl, dass sie in der Tech-Branche nicht willkommen sind und dass sie nicht die gleichen Chancen wie Männer haben, wenn sie erst einmal in der Branche sind.

Würde unsere Welt anders aussehen, wenn mehr Frauen in MINT-Feldern arbeiten würden?

Es würde vieles ändern, wenn es mehr Frauen im MINT-Bereich geben würde, beginnend mit so einfachen Dingen, wie dem Entwerfen eines Wasserhahns, der tatsächlich bis über den Rand des Waschbeckens hinausreicht, bis hin zu dem Punkt, dass man mehr Frauen in Entscheidungspositionen hat. Es gibt so viele Dinge, die nur im Hinblick auf Männer entworfen werden, hauptsächlich weil keine Frauen im Raum anwesend sind. Die Sachen wären wesentlich benutzerfreundlicher in der Anwendung.

Die Diversitätsdebatte gewinnt an Aufwind. Wie lange wird es dauern, bis man Erfolge sieht?

Es wird noch Jahre dauern, bis wir die Ergebnisse aus der Debatte sehen können. Das Problem sitzt sehr viel tiefer als Diversität und Inklusion in der Tech-Brance. Die Probleme beginnen in ganz anderen Teilen der Gesellschaft. Es freut mich aber, dass es sehr viel mehr Aufmerksamkeit für das Fehlen von Diversität in der Tech-Branche gibt. Das ist ein guter Start. Es wird aber einfach Zeit brauchen, bevor sich die Diskussion hin zu einem echten Umbruch wandelt.

Tipps & Tricks

Viele Dinge werden nur im Hinblick auf Männer entworfen, da keine Frau im Raum anwesend ist.

Macht es einfach. Vielleicht fühlt ihr euch alleine, aber das seid ihr nicht. Es ist eine schwierige Branche, und es gibt ein paar verrückte Erwartungen, aber das ist nichts, was ihr nicht bewältigen könnt. Wenn ihr versucht, in die Tech-Branche einzusteigen, dann fangt mit kleinen kreativen Projekten an und stellt sie auf GitHub ein. Das gibt euch Übung im Coden und im Umgang mit GitHub sowie vielleicht auch mit der Befehlszeile. Die letzten beiden Dinge sind Fertigkeiten, die euch niemand beibringen wird, aber von denen erwartet wird, dass ihr sie kennt. Eine andere Sache, über die ihr Bescheid wissen sollten, ist, dass es viel mehr Leute gibt, die bereit sind, euch zu helfen, als Leute, die versuchen, euch zu behindern. Ihr dürft nicht einfach aufgeben. Es kann ein bisschen mühsam sein, aber es ist die ganze Arbeit wert!

Geschrieben von
Madeleine Domogalla
Madeleine Domogalla
Madeleine Domogalla ist seit 2018 Redakteurin bei S&S-Media. Vorher studierte sie Germanistik an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn.
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