Interview mit Katharina Ruhmer, Data Scientist bei the tean.

Women in Tech: „Wenn du an der Tech-Branche interessiert bist, dann rein mit dir!“

Dominik Mohilo

In unserer Artikelserie „Women in Tech“ stellen wir inspirierende Frauen vor, die erfolgreich in der IT-Branche Fuß gefasst haben. Heute im Fokus: Katharina Ruhmer, Data Scientist bei the tean.

Die Tech-Industrie wird von Männern dominiert – so weit, so schlecht. Doch langsam, aber sicher bekommt der sogenannte Boys Club Gesellschaft von begabten Frauen: Immer mehr Frauen fassen in der Branche Fuß.

Aus diesem Grund wollen wir hier spannenden und inspirierenden Frauen die Möglichkeit geben, sich vorzustellen und zu erzählen, wie und weshalb sie den Weg in die Tech-Branche gewählt haben. Aber auch Themen wie Geschlechtervorurteile, Herausforderungen oder Förderungsmöglichkeiten kommen zur Sprache.

Unsere Woman in Tech: Katharina Ruhmer

Katharina arbeitet seit Ende 2020 als Data Scientist für die Digitalisierungsberatung the tean. Ihren Weg dorthin fand sie über ein Studium der Mathematik an der Technischen Universität Wien, bzw. über einen Erasmusaustausch an der Stockholm University. Erste berufliche Erfahrungen sammelte Katharina als Pricing Analyst bei einem großen Versicherungsunternehmen.

Seit wann interessiert Du dich für die Tech-Branche?

Soweit ich mich erinnern kann, besteht das Interesse für Tech schon seit meiner Kindheit, was teilweise meinem technologiebegeisterten Vater und unseren unzähligen Ausflügen zu Energiesparmessen geschuldet ist. Statt mit Puppen zu spielen, habe ich schon immer lieber Puzzles zusammengebaut. Dass dieses Interesse tatsächlich ausreichen würde, auch beruflich in diese Richtung zu gehen, wusste ich lange nicht. Ich wollte mich eher dem Berufszweig Sprachen widmen: Das fand ich damals viel “cooler”.

Alles lässt sich abstrahieren und in klare, definierte, mathematische Formeln packen.

Mein Karriereweg ist noch relativ kurz und verlief bislang ziemlich geradlinig. Von meiner Grundschullehrerin wurde ich in das Gymnasium geschickt, was für mich als „echtes Bauernkind“ aus dem Mühlviertel eher ungewöhnlich war. Danach hatte ich keine Ahnung, was aus mir werden soll. Ich fand (und finde) viele verschiedene Dinge interessant, aber nichts davon weckte die erhoffte Leidenschaft in mir… bis mir der Gedanke an Mathematik und die dadurch verbunden Möglichkeiten kam: Mathematik steckt einfach in allem. Es ist das Grundwerkzeug für die Wissenschaft und eine universell einsetzbare Sprache. Egal wohin man blickt, alles lässt sich abstrahieren und in klare, definierte, mathematische Formeln packen.

Daher beschloss ich Mathematik zu studieren und absolvierte meinen Bachelor und Master an der Technischen Universität Wien. Fun Fact: Rein durch mein Mathematikstudium konnte ich auf meinem Griechenlandurlaub auf einmal Griechisch lesen: All diese Theorie mit griechischen Variablen hat auch nette Nebeneffekte :D.

Ich habe danach auch bezüglich eines Ph.D. überlegt, aber wollte erstmal Mathematik „live in action“ erleben. Unmittelbar nach dem Studium wurde ich Pricing Analyst bei der Allianz Versicherung.

Inzwischen bin ich als Data Scientist für die Digitalisierungsberatung the tean tätig, die sich auf Data Analytics und Künstliche Intelligenz (KI) fokussiert. Besonders spannend finde ich hier, dass wir für und mit Unternehmen sogar neue digitale Geschäftsmodelle entwickeln.

Unterstützung und steinige Wege

Durch mein Mathematikstudium konnte ich auf meinem Griechenlandurlaub auf einmal Griechisch lesen

Ich kann mich hier glücklich schätzen, da ich viel Unterstützung – vor allem in den richtigen Momenten – erhalten habe. Hierzu fällt mir besonders meine Mathematiklehrerin im Gymnasium ein: eine echte Powerfrau und mittlerweile sogar Bürgermeisterin. Auch Professorinnen im Studium dienten mir als Vorbilder.

Große Steine per se wurden mir nicht in den Weg gelegt, aber einfach war es definitiv nicht. Es waren vor allem kleinere Kommentare und unterschwellige Botschaften, die sich mit der Zeit anhäufen und nicht unbemerkt an mir vorübergehen. Mein Sturkopf hat mir aber in vielen Fällen geholfen.

Ein Tag in Katharinas Leben
Derzeit bin ich als Data Scientist bei der Digitalisierungsberatung the tean tätig. Hier arbeite ich gerade mit meinem tollen Team daran, Rechnungsprüfungen (u. a. für Versicherungen, Immobilienverwaltungen, Leasinggesellschaften und Fuhrparkmanagement) von vorne bis hinten mittels KI zu automatisieren. Das beinhaltet das Ausprobieren vieler verschiedener Methoden, um beispielsweise Texte besser verstehen und verarbeiten zu können. Zudem überlege ich mir mathematische Lösungsansätze für verschiedenste Fragestellungen, die dabei auftauchen.

Warum gibt es so wenige Frauen in der Tech-Branche? Welche Hürden müssen Frauen heute immer noch überwinden?

Ich bin mir sicher, dass durch Diversität selbst Innovationen angekurbelt werden.

Darüber könnte ich eine eigene Abhandlung schreiben. Ich denke, es steckt dieses klassische Familienbild von der Hausfrau bei den Kindern und dem hart arbeitenden Mann einfach noch in den meisten Köpfen, wenn auch oft nur unbewusst. Das ist auch völlig legitim, wenn man bedenkt, dass dieses Bild hunderte Jahre alt ist und jeder Mensch durch die Gesellschaft maßgeblich geprägt wird, ob man nun will oder nicht. Dieses Bild führt aber dazu, dass Mädchen in einer rosa Hausfrauenerwartung aufwachsen und das wiederum an deren Kinder weitergeben, da es wenige Ausreißer gibt: Ein Teufelskreis, wodurch klassische Stereotypen von Women in Tech nur verstärkt werden. Die wenigen Frauen, die diesen Kreis durchbrechen, haben dann vor allem das Problem, nicht ernst genommen, ignoriert oder ins Lächerliche gezogen zu werden.

Das größte Problem, das ich sehe, ist, dass man sehr häufig nicht ernst genommen und abgewimmelt wird. Man habe „ja keine Ahnung, wie dieses und jenes funktioniert“, auch wenn man sich lange mit genau diesem Thema auseinandergesetzt hat. Vor allem bei älteren Männern scheint es schwierig, als junge Frau Gehör zu finden, wobei beide Parteien von der anderen Seite profitieren könnten.

Des Weiteren wird man auf sein Aussehen reduziert. Mir wurde zum Beispiel zu verstehen gegeben, dass die Aussage „gar nicht wie eine Mathematikerin auszusehen“ als Kompliment zu sehen ist: völlig absurd, wenn man darüber nachdenkt.

Würde unsere Welt anders aussehen, wenn mehr Frauen in STEM arbeiten würden?

Es würden alle Ebenen davon profitieren. Mehr Frauen in der Tech-Branche würde bedeuten, dass unnötige Stereotype und Vorurteile gegenüber Frauen verschwinden oder zumindest weniger werden würden. Frauen würden in vielen Fällen endlich ernst genommen werden. Es gäbe mehr Vorbilder für junge Frauen, die es den Women in Tech gleichtun würden. Die Tech-Branche per se würde davon profitieren, da es zu mehr Diversität von Ideen und Ansichten kommen würde. Ich bin mir sicher, dass dadurch selbst Innovationen angekurbelt werden. All das lässt sich natürlich auch auf Männer in eher von Frauen dominierten Branchen umlegen. Mehr Diversität würde generell keiner Branche schaden.

Wie sieht die Zukunft aus – wird die Diversity-Debatte bald Geschichte sein?

Sie wird definitiv Geschichte sein, die Frage ist nur, wann. Ich finde, wir sind auf einem guten Weg. Nur wird es dauern, bis sich unsere Gesellschaft dahingehend wirklich geändert hat.

Tipps & Tricks

Es zahlt sich definitiv aus!

Frauen sollten wissen, dass sie sich vor nichts zu fürchten haben. Wenn du an der Tech-Branche interessiert bist, dann rein mit dir! Vergiss all die Vorurteile und Stereotypen! Herablassende Kommentare gibt es überall, denen kann man nicht entkommen, aber das soll dich nicht an deinen Interessen hindern! Die Tech-Branche bietet so viele verschiedene und spannende Möglichkeiten. Die Arbeit beinhaltet viel Kommunikation und Zusammenarbeit und ich habe mich darin mit meinen Kolleg*innen immer sehr wohlgefühlt. Auch wenn es am Anfang vielleicht etwas Überwindung kostet: Es zahlt sich definitiv aus!

Geschrieben von
Dominik Mohilo
Dominik Mohilo
Dominik Mohilo studierte Germanistik und Soziologie an der Goethe-Universität in Frankfurt. Seit 2015 ist er Redakteur bei S&S-Media.
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