Interview mit Emily Jiang, Java Champion und Senior MicroProfile Lead

Women in Tech: „Die eigene Erfolgsbilanz ist Beweis genug, um die Wahrheit zu zeigen“

Madeleine Domogalla

In unserer Artikelserie „Women in Tech“ stellen wir inspirierende Frauen vor, die erfolgreich in der IT-Branche Fuß gefasst haben. Heute im Fokus: Emily Jiang, Java Champion und Senior MicroProfile Lead.

Die Tech-Industrie wird von Männern dominiert – so weit, so schlecht. Doch langsam, aber sicher bekommt der sogenannte Boys Club Gesellschaft von begabten Frauen: Immer mehr Frauen fassen in der Branche Fuß.

Aus diesem Grund wollen wir hier spannenden und inspirierenden Frauen die Möglichkeit geben, sich vorzustellen und zu erzählen, wie und weshalb sie den Weg in die Tech-Branche gewählt haben. Aber auch Themen wie Geschlechtervorurteile, Herausforderungen oder Förderungsmöglichkeiten kommen zur Sprache.

Unsere Woman in Tech: Emily Jiang, Java Champion und Senior MicroProfile Lead

Emily Jiang ist Java Champion, Senior MicroProfile Lead und arbeitet seit 2016 bei MicroProfile. Sie leitet die Spezifikationen für MicroProfile Config, Fault Tolerance und Service Mesh. Sie ist Config JSR Co-Spec Lead und Mitglied der CDI-Expertengruppe.
Als Liberty Architect für MicroProfile und CDI bei IBM arbeitet sie seit 2006 im IBM-Labor in Hursley, Großbritannien, am WebSphere Application Server. Dabei ist sie stark in die Implementierung von Java EE in Liberty-Versionen involviert.
Zudem nimmt sie regelmäßig als Speakerin an Konferenz teil, wie z. B. Code One, DevNexus, JAX London, Voxxed, Devoxx US, Devoxx Belgium, Devoxx UK, Devoxx France, Eclipse Con und weitere. Auf Twitter ist sie unter @emilyfhjiang zu finden.

Was hat dein Interesse für die Tech-Branche geweckt?

Ich interessierte mich schon in der Grundschule für Technik. Lerntechnisch war ich sehr gut, insbesondere in Mathematik und ich hatte Vertrauen in die Technik. Schon früh war ich von Computern fasziniert, deshalb entschied ich mich für ein Informatikstudium an der Universität. Seitdem habe ich mich auf die Informatik konzentriert und es macht mir immer noch Spaß.

Emilys Karriereweg

Nach meinem Abschluss an der Shanghai University of Finance and Economics in China, erhielt ich eine Stelle als Dozentin an einer anderen Universität, an der ich Computer- und Programmiersprachen wie C, Visual Basic, Pascal etc. lehrte. Nach einige Jahren des Lehrens, beschloss ich, ins Ausland zu gehen, um meine Studien fortzusetzen. 2000 kam ich schließlich nach Großbritannien und studierte an der University of Reading, an der ich Java, objektorientierte Konzepte , Virtual Reality usw. lernte. Ich stellte fest, dass Java die mächtigste und einfachste Sprache ist. Als ich 2006 zu IBM kam, hatte ich täglich mit Java gearbeitet. Ich bin sehr glücklich, dass ich 2009 als Java-Champion nominiert wurde.

Was meinen Karriereweg betrifft, so war ich sehr froh darüber, bei IBM gelernt zu haben und in meiner technischen Laufbahn weit kommen zu sein, auch ohne Managerin zu werden. Aufgrund meiner bedeutenden technischen Beiträge zu den Projekten, an denen ich gearbeitet habe, wurde ich in ein spezielles Programm für fortgeschrittene technische Eminenz aufgenommen, in dessen Rahmen mir zwei leistungsstarke Mentoren zur Seite gestellt wurden, die mich auf meinem Weg unterstützen. Im vergangenen Jahr wurde ich zum Senior Technical Staff Member (STSM) befördert, was ein bedeutender technischer Titel ist.

Was die Hindernisse angeht, die ich zu überwinden hatte, denke ich, dass viele Frauen mit etwas Ähnlichem konfrontiert sind: Einige voreingenommene Meinungen, wie zum Beispiel, dass Frauen nicht technisch veranlagt sind oder dass Frauen nicht so gut wie Männer coden können und so weiter. Lasst euch davon nicht entmutigen und in eurer beruflichen Entwicklung behindern. Ihr müsst es nicht nicht immer wieder erklären. Eure Erfolgsbilanz ist Beweis genug, um die Wahrheit zu zeigen.

Die Botschaft, die ich meinen Lesern vermitteln möchte ist die, dass ihr euch nicht von den Hindernissen aufhalten lassen sollt, sondern diese zu einer Gelegenheit macht und als Energie für euren eigenen Fortschritt nutzt.

Vorbilder und Unterstützer

Meine Familie unterstützt mich enorm. Da ich häufig als Speakerin auf Konferenzen spreche, reise ich ich auch sehr viel. Mein Mann war immer dazu bereit, die Betreuung der Kinder zu übernehmen, damit ich zu den verschiedenen Konferenzen reisen kann und meine Kinder hatten viel Verständnis dafür. Eines Tages fragte ich meine 13 jährige Tochter, Emma, ob sie eher einer Mutter haben wollte, die zu Hause bleibt. Emma sagt, dass sie froh darüber ist, dass ihre Mutter erfolgreich und glücklich ist und dass das was sie tut, ihr Mut macht und Inspiration gibt, weit zu kommen. Sowohl meine Tochter Emma als auch mein Sohn Adam lieben Technologie und würden gerne meinem beruflichen Weg folgen. Ich begann, sie zu Kinderkonferenzen mitzunehmen und plane, sie in Devoxx UK für 4Kids anzumelden.

Was Vorbilder angeht, so habe ich habe ich eine ganze Reihe von Vorbildern, mit denen ich von Zeit zu Zeit chatte. Bei IBM habe ich zudem sehr hilfsbereite Manager, von denen einige Frauen sind. Ich habe das Glück, von weiblichen Managern aus den Higher-Ups umgeben zu sein, die mich unterstützen.

Die Botschaft, die ich meinen Lesern vermitteln möchte ist die, dass ihr euch nicht von den Hindernissen aufhalten lassen sollt, sondern diese zu einer Gelegenheit macht und als Energie für euren eigenen Fortschritt nutzt.

Hat jemals jemand versucht, dich vom Lernen oder deinem beruflichen Weg abzuhalten?

Ich werde mich nicht von anderen aufhalten lassen. Setzt euch ein klares Ziel und arbeitet einen Plan aus. Lasst euch nicht entmutigen! Glaubt immer an euch selbst.

Ich möchte sagen, dass niemand euch aufhalten kann, außer euch selbst. Es gibt keinen Geschlechtsunterschied, wenn es um Technologie geht. Frauen können genauso viel erreichen wie Männer. Lasst euch nicht von anderen Menschen davon abhalten, zu lernen und eure berufliche Karriere voranzutreiben.

Ein Tag in Emilys Leben

Ich arbeite als Liberty Microservice Architect und Developer Advocate, außerdem bin auch ein Java Champion. Ich arbeite für IBM, wo mein Hauptaugenmerk liegt auf MicroProfile und Open Liberty – beides sind Open-Source-Projekte. MicroProfile soll sich zum besten Programmiermodell für die Entwicklung von Microservices entwickeln und Open Liberty ist ein leichtgewichtiger Open-Source-Anwendungsserver, der sowohl die MicroProfile- als auch die Jakarta EE-Technologie unterstützt. Open Liberty ist sehr schnell und kann in etwa 1 Sekunde gestartet werden. Ich empfehle euch dringend, unter https://openliberty.io, mehr darüber zu lernen.

Mein typischer Arbeitstag besteht daraus, an Problemen zu arbeiten und mit der Community Lösungen in MicroProfile-Spezifikationen zu finden. Ich entwerfe auch die Implementierung und stelle sicher, dass Open Liberty einfach zu benutzen ist und eine großartige Benutzererfahrung bietet. Ich spreche häufig auf internationalen Konferenzen, so dass ich jeden Monat zu verschiedenen Konferenzen reisen kann. Daher habe ich einige Zeit damit verbracht, Vorträge vorzubereiten und Blogs über die Technologie zu schreiben, die mich begeistert und in der ich mich engagiere.

Hier könnt ihr euch einige davon ansehen:

Worauf bist Du in Deiner Karriere besonders stolz?

Letztes Jahr wurde ich als Java Champion in der Oracle Java Community ausgezeichnet und ich wurde zum Senior Technical Staff Member (STSM) bei IBM ernannt. Beide Leistungen sind sehr bedeutsam und ich freue mich sehr über die Anerkennung meiner Arbeit.

Warum gibt es so wenige Frauen in der Tech-Branche?

Man dachte, dass Mädchen von klein auf weniger technisch veranlagt seien. Sie werden als nicht so gut wie Jungs eingestuft. Diese, und weitere, voreingenommene Auffassung halten Mädchen davon ab, technikbezogene Fächer zu wählen.

Welchen Herausforderungen müssen sich Frauen in der Tech-Industry stellen?

In jungen Jahren erhalten Mädchen weniger technisches Spielzeug. In Schulen werden Mädchen als weniger technisch versiert gebrandmarkt. Wenn sie zur Universität gehen, wird von ihnen weniger erwartet. Am Arbeitsplatz sind sie wieder eine Minderheit und es ist wirklich schwierig etwas zu bewirken, aber mit dem Lauf der Zeit machen Frauen Karriere im Management.

Der Mutterschaftsschutz und die Verantwortung der Kinderbetreuung sind das andere Hindernis. Einige Frauen haben sich selbst aus dem technischen Bereich herausgenommen und würden eher eine Zurückstufung vornehmen, um etwas weniger Anspruchsvolles zu machen. Die andere Sache ist, dass es weniger unterstützende Programme gibt, wie z.B. zur die Rückkehr an den Arbeitsplatz nach dem Mutterschaftsurlaub. Vielleicht ist ihre hart erarbeitete Position an jemand anderen übergeben worden.

Sähe die Welt mit mehr Frauen in MINT-Berufen anders aus?

Es gibt keinen Geschlechtsunterschied, wenn es um Technologie geht.

Die Welt wird anders aussehen, wenn mehr Frauen in MINT arbeiten. Die Gesellschaft wird ausgewogener sein und die Belegschaft wird effizienter arbeiten.

 

Die Diskussion über Diversität nimmt Fahrt auf. Wie lange wird es dauern, bis wir Ergebnisse der aktuellen Debatte sehen?

Immer mehr Unternehmen haben das Thema Diversität erkannt. Es ist ein echtes Problem mit der stark unausgewogenen Belegschaft in der IT und immer weniger Frauen kamen in die IT. Zudem verlassen immer mehr Frauen die IT, aufgrund der eingeschränkten Karriereentwicklung.

Darüber zu reden hilft, aber es wird sich nicht viel ändern, wenn es kein praktisches Programm gibt. Beispielsweise könnten weibliche IT-Berufe in der Lage sein, ein unterstützendes Netzwerk aufzubauen, damit sie sich gegenseitig helfen können. In Unternehmen sollte es ein spezielles Programm geben, das ihre technische Karriere unterstützt.

Tipps & Tricks

Lasst euch nicht von anderen Menschen einschränken. Glaubt an euch selbst. Ihr könnt so gut sein wie die Männer und Frauen können technisch genauso viel erreichen wie Männer. Baut euch ein unterstützendes Netzwerk mit euren weiblichen Kollegen auf. Findet ein weibliches Vorbild und bitten sie darum, eure Mentorin zu sein.

Geschrieben von
Madeleine Domogalla
Madeleine Domogalla
Madeleine Domogalla ist seit 2018 Redakteurin bei S&S-Media. Vorher studierte sie Germanistik an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn.
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