Interview mit Hanna Stacey, Business Manager im Bereich Service Delivery bei Rackspace EMEA

Women in Tech: „Eine Entscheidung für die Mutterschaft gilt immer noch als Karrierebremse“

Dominik Mohilo
Women in Tech Stacey

In unserer Artikelserie „Women in Tech“ stellen wir inspirierende Frauen vor, die erfolgreich in der IT-Branche Fuß gefasst haben. Heute im Fokus: Hanna Stacey, Business Manager im Bereich Service Delivery bei Rackspace EMEA.

Die Tech-Industrie wird von Männern dominiert – so weit, so schlecht. Doch langsam, aber sicher bekommt der sogenannte Boys Club Gesellschaft von begabten Frauen: Immer mehr Frauen fassen in der Branche Fuß.

Aus diesem Grund wollen wir hier spannenden und inspirierenden Frauen die Möglichkeit geben, sich vorzustellen und zu erzählen, wie und weshalb sie den Weg in die Tech-Branche gewählt haben. Aber auch Themen wie Geschlechtervorurteile, Herausforderungen oder Förderungsmöglichkeiten kommen zur Sprache.

Unser Woman in Tech: Hanna Stacey

Hanna Stacey

Hanna Stacey ist Business Manager im Bereich Service Delivery bei Rackspace EMEA. Gemeinsam mit dem Führungsteam kümmert sie sich um die strategische Planung, die Erstellung von Scorecards und die Steuerung von Projekten. Im letzten Jahr hat Hanna bei Rackspace die Gründung von POWER, einem Karrierenetzwerk für Frauen bei Rackspace mit vorangetrieben. Sie ist außerdem Preisträgerin der Rising Star Awards 2019, einem Award für weibliche Nachwuchskräfte. Mit ihrem MINT-Hintergrund hat sich Hanna schon immer für Wissenschaft und die Zukunft interessiert und ihren Platz schließlich in der Tech-Branche gefunden.

Was hat dein Interesse für die Tech-Branche geweckt?

Als Mentorin habe ich jungen Menschen in der Vergangenheit geraten, Betriebswirtschaftslehre zu studieren. Heute sehe ich das anders, denn Technologie ist heute extrem mächtig und prägt unseren Alltag maßgeblich. Ich war schon immer ein Geek und stolz darauf. Ich habe selbst einen MINT-Hintergrund, habe Biomedizin studiert und wollte mich in Richtung Wissenschaft oder Technologie entwickeln. Meine Faszination begann also schon in jungen Jahren, als ich mehr über das menschliche Gehirn, das Universum und das, was dahinter steckt, lernen wollte.

Vorbilder und Unterstützer

Meine Mutter ist eine leidenschaftliche Feministin und hat mich von klein auf über die Rechte der Frauen aufgeklärt. Von den Suffragetten bis zu Emily Pankhurst – ich kenne die Geschichte des Feminismus in- und auswendig. Meine Mutter hat mich immer ermutigt, wählen zu gehen, damit meine Stimme gehört wird.

Großen Respekt habe ich vor Greta Thunberg. Abgesehen davon, dass sie eine Frau und mit ihren 16 Jahren noch sehr jung ist, bewundere ich ihren sachlichen Ansatz und wie selbstbewusst sie in der Öffentlichkeit spricht. Ihr Mut, sich Gehör zu verschaffen, hat eine Bewegung ins Rollen gebracht, von der ich hoffe, dass sie einen positiven Einfluss auf alle Menschen in dieser Welt haben wird.

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Ein Tag in Hannas Leben

Ich bin Teil des Service Delivery Team bei Rackspace für die EMEA-Region. Dort verwalte ich Projekte und unterstütze unsere Kunden aus operativer und strategischer Perspektive bei der Definition, Bereitstellung und Verwaltung ihrer Multi-Cloud-Strategie. Darüber hinaus erstelle ich Prozess- und Governance-Standards im Team, um unsere Gesamteffizienz und -leistung zu verbessern.

Ich bin ein leidenschaftlicher Macher-Typ. Wenn etwas nicht richtig funktioniert, dann will ich es sofort verändern. Vor diesem Hintergrund habe ich auch die POWER-Gruppe in der EMEA-Region gegründet. Wir setzen uns für Gleichberechtigung am Arbeitsplatz ein und stärken zugleich Frauen in der IT. Seit dem Start zu Jahresbeginn haben wir bereits viele tolle Ergebnisse erzielt und wollen den Status quo weiter hinterfragen.

Wieso gibt es nicht mehr Frauen in der Tech-Branche?

Frauen im erwerbsfähigen Alter stammen aus einer Generation, die noch in männlichen und weiblichen Geschlechterrollen gedacht hat. Frauen wurden schon in der Schule nicht dazu angehalten, sich für Fächer wie Informatik oder Ingenieurwesen zu interessieren. Heute tut sich da etwas.

Die starren Geschlechterrollen weichen von Jahr zu Jahr weiter auf.

Politik, Schulen, Unternehmen und Eltern investieren dahingehend, Kindern und jungen Erwachsenen die Freiheit zu geben, herauszufinden, wofür sie sich begeistern und das auch umzusetzen. Die starren Geschlechterrollen weichen von Jahr zu Jahr weiter auf. Immer mehr Frauen werden in Zukunft an den Hochschulen und Universitäten MINT-Fächer belegen, was wiederum bedeutet, dass Nachwuchs heranreift. In Zukunft werden wir ein ausgewogeneres Verhältnis als das derzeit akzeptierte 80:20 Männer zu Frauen haben, da bin ich mir sicher.

Frauen in MINT-Fächern

Vielfalt kann sich nur positiv auswirken. Vielfalt treibt Innovationen voran. Es gibt unzählige Studien darüber, dass diverse Teams besser arbeiten. Ein Vorstand, der unterschiedliche Stimmen, Lebenserfahrungen und Standpunkte widerspiegelt, erzielt auch bessere Ergebnisse.

Wie lange es dauern wird, bis die Ergebnisse der Diversity-Debatte vorliegen, lässt sich schwer sagen. Denn einen Zeitplan für ein Ziel festzulegen, das seit Generationen geprägte Verhaltensweisen verändern soll, ist schwer. Meiner Meinung nach muss die Debatte fortgesetzt werden. Wir machen zwar Fortschritte, beispielsweise durch Studien über geschlechtsspezifische Lohngefälle und die #metoo-Bewegung. Aber wir sind noch lange nicht perfekt.

Hindernisse

Als ich in den Universitätslaboren arbeitete, habe ich Diskriminierung erlebt. Ich war eine von nur zwei Frauen und es wurde oft thematisiert, wie ungewöhnlich eine Frau im Labor denn wäre. Erfreulicherweise konnte ich das als Mittel nutzen, um zu beweisen, dass Menschen sich irren und so die Klischees durchbrechen.

Glücklicherweise war es sonst eigentlich immer nur ich selbst, die mich gebremst hat. Im Leben einer Frau kommt aber irgendwann der Moment, in dem sie darüber nachdenkt, ob sie Mutter werden will. Eine Entscheidung für die Mutterschaft gilt immer noch als Karrierebremse.

Eine Entscheidung für die Mutterschaft gilt immer noch als Karrierebremse.

Bis vor Kurzem hatte auch ich das Gefühl, dass mich diese Entscheidung davon abhalten würde, Karriereoptionen zu ergreifen – und das hat sie auch. Bis ich „Lean In“ von Sheryl Sandberg las. Das Buch war eine echte Erleuchtung für mich, jede Gelegenheit zu nutzen, die sich bietet, sich immer wieder reinzuhängen und sich weiter zu entwickeln.
 

Tipps & Tricks

Frauen sind in der Regel weniger selbstbewusst als Männer, was sie von Karrieresprüngen und Chancen zurückhält. Mein Rat an die Frauen: Glaubt nie an das Bild der anderen von euch. Glaubt an eure eigene Geschichte.

Mein Rat an die Frauen: Glaubt nie an das Bild der anderen von euch.

Und fallt vor allem nicht auf das „Hochstapler-Syndrom“ herein. Macht euch darauf gefasst, in einer männerdominierten Welt zu arbeiten. Aber lasst euch davon nicht einschüchtern, sucht euch einen Mentor im Unternehmen, egal ob Mann oder Frau, der euch auf eurem Karriereweg begleitet und dabei unterstützt, die sprichwörtliche Glasdecke zu durchbrechen.

Geschrieben von
Dominik Mohilo
Dominik Mohilo
Dominik Mohilo studierte Germanistik und Soziologie an der Goethe-Universität in Frankfurt. Seit 2015 ist er Redakteur bei S&S-Media.
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