Interview mit Christina Hans

Women in Tech: „Ich habe die (Tech-)Branche sehr offen und einladend erlebt.“

Dominik Mohilo

In unserer Artikelserie „Women in Tech“ stellen wir inspirierende Frauen vor, die erfolgreich in der IT-Branche Fuß gefasst haben. Heute im Fokus: Christina Hans, Lead Teacher für das Data Analytics Bootcamp bei Ironhack und Data Scientist bei Eyeo in Berlin.

Die Tech-Industrie wird von Männern dominiert – so weit, so schlecht. Doch langsam, aber sicher bekommt der sogenannte Boys Club Gesellschaft von begabten Frauen: Immer mehr Frauen fassen in der Branche Fuß.

Aus diesem Grund wollen wir hier spannenden und inspirierenden Frauen die Möglichkeit geben, sich vorzustellen und zu erzählen, wie und weshalb sie den Weg in die Tech-Branche gewählt haben. Aber auch Themen wie Geschlechtervorurteile, Herausforderungen oder Förderungsmöglichkeiten kommen zur Sprache.

Unsere Woman in Tech: Christina Hans

Christina hat ihre Promotion im Fach Finanzen an der Universitat Pompeu Fabra in Barcelona gemacht. Anschließend hat sie ihre wissenschaftliche Laufbahn fortgesetzt und war Professorin für Global Economics, bzw für Economics and Data Science am Parami Institute of Liberal Arts and Sciences. Gleichzeitig war Christina beim Startup Cien angestellt, das mit Künstlicher Intelligenz arbeitet, um die Produktivität von Sales-Teams zu erhöhen. Im Moment arbeitet sie Teilzeit als Lead Teacher für das Data Analytics Bootcamp bei Ironhack in Berlin und gleichzeitig als Data Scientist bei Eyeo, dem führenden Anbieter von Adblockern. Bei Ironhack berät sie eine Reihe von Tech-Unternehmen im Bereich Data Science.

Wie entstand dein Interesse an der Tech-Branche?

[…] letzten Endes haben alle kleinen Teile ein wichtiges Puzzle ergeben.

Mein Einstieg in die Tech Branche verlief ehrlich gesagt relativ langsam und graduell! Mein erster Kontakt war ein Praktikum während meines Bachelorstudiums – mein Schwerpunkt war an sich internationale Betriebswirtschaft, aber irgendwie bin ich dann in einem kleinen IT-Startup in Barcelona gelandet, [project-open]. Das fand ich dann erstmal ganz spannend und auch die Lernkurve bei dem Einarbeiten in neue Technologie und die logischen Denkansätze waren genau mein Ding.

Wie für vermutlich viele in der Branche war mein anschließender Weg nicht ganz linear, aber letzten Endes haben alle kleinen Teile ein wichtiges Puzzle ergeben. In meinem Studium habe ich mit Betriebswirtschaft angefangen und bin darüber zu Volkswirtschaft und Finanzen an der Barcelona Graduate School of Economics gekommen. Dies hat mein Interesse an quantitativem Denken gefördert und irgendwie bin ich dann in einem PhD-Programm in Finanzen gelandet – hier fand dann der erste Kontakt mit Big Data statt. Zum Ende meines Doktors hin, in einer Zeit der Seelensuche nach dem, was ich denn danach gerne anpacken würde, bin ich mit einem Startup in Kontakt gekommen, Cien, was sich gerade in der Stadt angesiedelt hat. Die Gründer hatten die Vision einer App, welche Verkaufsproduktivität mithilfe von künstlicher Intelligenz vorhersagt und erhöht – nach ein paar Gesprächen haben sie mich als ersten Data Scientist in einem Startup von damals nur 4 Personen angestellt. Das wär zunächst eine ganz schöne Mammutaufgabe, aber auch etwas, wodurch ich sehr schnell sehr viel gelernt habe. Hiermit habe ich dann den Finanzen den Rücken gekehrt und bin in der Tech-Branche geblieben!

Unterstützung

In allen Tätigkeiten hat mein Geschlecht bisher, ehrlich gesagt, keine Rolle gespielt […]

Ich habe in meiner Karriere viel Unterstützung gefunden. Ich hatte das große Glück, einen super Doktorvater zu haben und in jeder Firma, in der ich bisher gearbeitet habe, hatte ich großartige Chefs, Mentoren und Team Leads! Mir wurde sehr oft die Gelegenheit gegeben, mich in neue Themen einzuarbeiten und große Aufgaben anzugehen, die mich sehr gefordert aber auch gefördert haben. In allen Tätigkeiten hat mein Geschlecht bisher, ehrlich gesagt, keine Rolle gespielt – mir wurde viel Vertrauen entgegengebracht und ich habe immer die Gelegenheit bekommen, mich zu beweisen. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass meine Leistung immer gezählt hat und auch gewürdigt wurde. Das spannende an der Tech-Branche ist, dass Teams oft sehr eng zusammenarbeiten, die Beiträge von einzelnen Personen viel zu einem großen Gesamtbild beitragen und dass es auch oft sehr messbar ist, wieviel Herzblut und Energie man investiert. Ich habe die Branche daher sehr offen und einladend erlebt.

Wie sieht dein Arbeitsalltag aus?

Momentan habe ich tatsächlich zwei Jobs in Tech! Zum einen bin ich Lead Teacher für das Data Analytics Bootcamp (part-time) bei Ironhack in Berlin. Das Bootcamp ist ein sechsmonatiger Intensivkurs, in dem Studenten Kenntnisse in Programmiersprachen wie Python, statistischer Datenanalyse und maschinellem Lernen erwerben, mit sehr vielen Übungen und realitätsnahen Projekten. Dazu habe ich vor kurzem noch eine Position als Data Scientist bei Eyeo angefangen, dem führenden Anbieter von Adblockern.

Hindernisse für Frauen in der Tech-Branche

Ich glaube, eines der Hindernisse für Frauen ist der leider oft noch geringe Anteil von Frauen in der Branche im Allgemeinen. Wenn Vorbilder fehlen, kann das schon mal ganz schön schwierig sein, an sich selbst und seine Chancen zu glauben. Traditionelle Branchenklischees suggerieren auch oft eine “Tech Bro Culture”, welche einen exklusiven Eindruck erwecken kann – glücklicherweise habe ich das in der Praxis jedoch nicht so erfahren!

Ich glaube eines der Probleme ist, dass wir als Gesellschaft oft annehmen: Männer sind gut in quantitativem Denken, Frauen haben gute “Softskills”. Daraus ergibt sich eine Negativspirale: Wenn ich als Person glaube, dass ich in etwas nicht gut bin oder nicht die nötigen Fähigkeiten habe, dann kann das ganz schnell in Angst und einer mentalen Blockade resultieren – und dann schaffe ich es auch einmal tatsächlich nicht! Wenn wir von diesem Denkvermögen wegkommen, dann wäre auch die Verteilung in die Berufe hoffentlich eher gemäß dem, was sich die einzelnen Personen tatsächlich wünschen.

Warum sollten mehr Frauen in der Tech-Branche arbeiten?

Ich glaube jeder Lebens- und Arbeitsbereich profitiert von Repräsentation. Wenn Politik nur von alten Männern mit weißen Haaren gemacht wird, dann wird sich eine junge, diverse Generation nicht repräsentiert fühlen. Und wenn Software nur von Männern entwickelt wird oder auch andere Forschung nur von Männern vorangetrieben wird, dann haben wir hier auch ein Problem der Repräsentation!

Wie sieht die Zukunft aus – wird die Diversity-Debatte bald Geschichte sein?

Ich hoffe, dass wir als Gesellschaft irgendwann an einen Punkt angelangen, an dem jede Person – unabhängig von Geschlecht, sexueller Orientierung, sozialem Hintergrund und mehr – die gleichen Wahlmöglichkeiten zur Verfügung und die gleichen Chancen offenstehen. Davon sind wir leider in verschiedener Hinsicht noch weit entfernt!

Tipps & Tricks

Mein Tipp wäre: glaube an dich selbst und an das, woran du Interesse hast! Ich mochte als Kind schon lieber Mathematik und Physik als Deutsch und Bildende Kunst – na und? Es gibt keinen Grund warum solche Interessen und Tätigkeiten, die man damit ausüben kann, einer Männerwelt vorbehalten sind 🙂

Geschrieben von
Dominik Mohilo
Dominik Mohilo
Dominik Mohilo studierte Germanistik und Soziologie an der Goethe-Universität in Frankfurt. Seit 2015 ist er Redakteur bei S&S-Media.
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