Interview mit Chloe Alpert, CEO und Mitbegründerin von Medinas, Inc

Women in Tech: „Unbewusste Vorurteile sind ein reales und konstantes Problem“

Chris Stewart

In unserer Artikelserie „Women in Tech“ stellen wir inspirierende Frauen vor, die erfolgreich in der IT-Branche Fuß gefasst haben. Heute im Fokus: Chloe Alpert, CEO und Mitbegründerin von Medinas, Inc.

Die Tech-Industrie wird von Männern dominiert – so weit, so schlecht. Doch langsam, aber sicher bekommt der sogenannte Boys Club Gesellschaft von begabten Frauen: Immer mehr Frauen fassen in der Branche Fuß.

Aus diesem Grund wollen wir hier spannenden und inspirierenden Frauen die Möglichkeit geben, sich vorzustellen und zu erzählen, wie und weshalb sie den Weg in die Tech-Branche gewählt haben. Aber auch Themen wie Geschlechtervorurteile, Herausforderungen oder Förderungsmöglichkeiten kommen zur Sprache.

Unsere heutige Woman in Tech: Chloe Alpert, CEO and Mitbegründerin von Medinas, Inc


Chloe Alpert ist CEO und Co-Gründerin von Medinas, Inc., dessen Aufgabe darin besteht, einen der Teil der jährlich anfallenden Abfälle des US-Gesundheitswesens in Höhe von 765 Milliarden Dollar durch ihre
technologiegestützte Vermögensverwaltungs- und Wiedervermarktungssoftware für Krankenhäuser zu reduzieren. In den ersten 18 Monaten seines Bestehens bis heute, hat Medinas Krankenhäusern dabei geholfen, über 70 Millionen Dollar an Umsatzäquivalenten einzusparen und über 15.500 Kilogramm an Geräten von Deponien umzuleiten.

2019 gewann Chloe den Hauptpreis in Höhe von 1 Million Dollar bei den Global Creator Awards Finals. 2018 gewann sie den Hauptpreis in Höhe von 360.000 Dollar bei den Regional San Francisco Creator Awards. 2017 gewann sie zudem den Forbes-Wettbewerb der “Forbes Under 30 Global Change The World” in Höhe von 500.000 US-Dollar und wurde in die Forbes-Liste “30 under 30 2020 Healthcare” aufgenommen. Sie ist außerdem Mitbegründerin der Women’s Founder Community, der größten Onlinegemeinschaft für Unternehmerinnen.

Was hat dein Interesse für die Tech-Branche geweckt?

Als ich sechs Jahre alt war, wurde meiner Mutter Adobe Photoshop auf ihrem Bürocomputer installiert und sie zeigte mir ein paar Dinge, die man damit machen kann. Es war letzten Endes das perfekte kreative Ausdrucksmittel, was mich dazu veranlasste, mit dem Computer zu arbeiten.

Im Laufe der Jahre habe ich mir diese Fähigkeiten angeeignet und auf die gesamte Creativ Suite ausgeweitet, einschließlich Dreamweaver und Flash, wo ich begann, in Actionscript zu „programmieren“. In der Mittelstufe bemerkte meine Informatiklehrerin, dass ich extrem gut mit Computern umgehen konnte, und so wurde ich in ein außerschulisches Programm namens „Technology Student Association“ einbezogen, das mein Interesse an Computern und Technologie wirklich förderte.

Wie verlief dein Weg bis zum jetzigen Beruf? Welche Hindernisse musstest du überwinden?

Ich wusste immer, dass ich Unternehmerin werden würde. Meine Mutter war Unternehmerin und gründete mit mir ein Geschäft, als ich noch ein Kind war. Es war ein Online-Seifenhändler mit zwei Geschäften. Ich bin im Familienunternehmen aufgewachsen und hatte immer eine problemlösungsorientierte Denkweise. Ich hatte ziemliches Glück, dass zu meinen prägenden Jahren eine starke Frau wie meine Mutter gehörte, denn ich hatte nie den Gedanken gehabt, dass ich, als Frau, etwas “nicht” hätte machen können. Ich war besser gerüstet, um mit echtem Sexismus und Vorurteilen umzugehen, als mir diese begegneten.

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Vorbilder und Unterstützer

Das Unternehmertum ist einsam. Die Menschen können sich nicht wirklich in das einfühlen, was man gerade durchmacht, es sei denn, sie haben es auch erlebt. Außerdem sind Startups oft Opfer sozialer Verstrickungen. Solange alles gut läuft, will jeder an deiner Seite sein, doch sobald für nur eine Sekunde etwas schief geht, verschwinden sie alle.

Meine Mutter ist definitiv eines meiner Vorbilder, ebenso wie Dame Steve Shirley. In den 1960ern baute sie ein Programmierungsunternehmen (Xansa) auf, dass zu 100% von Frauen geleitet wurde. Sie änderte sogar ihren Namen und nannte sich nun Steve, sodass Männer sich auf ihre Meetings einlassen würden. Steve ließ sich nicht von Voreingenommenheiten zurückhalten, stattdessen fand sie heraus, wie sie sich durchsetzen konnte.

Ich hatte Glück, dass eine starke Frau wie meine Mutter, Teil meiner prägenden Jahren war, denn ich dachte nie daran, dass ich als Frau etwas “nicht” erreichen könne.

Wurden dir in deiner Karriere auch bewusst Steine in den Weg gelegt?

Ja, ich musste mir von einem Investor sagen lassen, dass er mich nicht als Mentor betreuen könne, da ich eine Frau sei und er sich nicht darum sorgen wollte, dass etwas schief geht.

Ein Tag in Chloes Leben

Heute bin ich der CEO von Medinas Health, einer Cloud-basierten Vermögensverwaltungs- und Wiederverkaufsplattform für Krankenhäuser. Wir helfen Krankenhäusern bei der effektiven Verwaltung ihres Inventars und ermöglichen es ihnen, ihre gebrauchten klinischen Vermögenswerte sicher, schnell und effektiv weiterzuverkaufen. Mein typischer Arbeitstag beginnt damit, dass ich um etwa 06:00 Uhr morgens aufwache und normalerweise sofort auf E-Mails und wichtige Nachrichten reagiere. Ich versuche dann noch einen Workout einzuplanen und zu duschen, um schließlich gegen 08:30 Uhr ins Büro zu kommen. Der Rest des Tages ist eine wilde Mischung aus Besprechungen und Arbeit bis etwa 20:00 oder 21:00 Uhr. Dann gehe ich nach Hause, lese ein Buch und gehe schlafen. Manchmal nehme ich an einem Geschäftsessen teil und mache mich dann auf den Weg dorthin, aber ansonsten habe ich 12-Stunden-Arbeitstage.

Auf bist du am meisten stolz in deiner Karriere

Das Scheitern zu überwinden. Mein erstes risikokapitalfinanziertes Start-Up scheiterte kläglich und stürzte mich in Schulden und eine tiefe Depression. Vier Jahre später habe ich mich finanziell und emotional vollständig aus diesem Loch herausgegraben und arbeite jetzt an einem Unternehmen mit erstaunlichen Mitbegründerinnen. Ich kann ehrlich sagen, dass ich mich freue, jeden Tag zur Arbeit zu gehen.

Wieso gibt es nicht mehr Frauen in der Tech-Branche?

Ich denke, dass es eine Mischung aus Interesse und gesellschaftlichen Druck ist. Ich hatte das Glück, dass meine kreative Seite eine Ausdrucksform in der Technologie gefunden hat, aber es hätte sehr wohl auch das Malen, Zeichen oder ein anderes Medium werden können.
Außerdem ist die Tech-Branche immer noch nicht der frauenfreundlichste Ort. Ich habe gesehen, dass es in den letzten fünf Jahren viel besser geworden ist, dank Frauen wie Susan Fowler, die sich zu Wort gemeldet haben, aber die Tech-Branche hat noch einen langen Weg vor sich, bis Frauen wirklich aufblühen können.

Welche Hürden müssen Frauen heute immer noch überwinden?

Unbewusste Vorurteile sind ein reales und konstantes Problem. Ich kann nicht zählen, wie oft ich einen Raum betreten habe und einer der Investor dachte, dass einer meiner männlichen Mitbegründer der eigentliche CEO sei. Außerdem kommt noch hinzu, dass es nicht so viele Frauen in Führungspositionen innerhalb des technischen Bereichs gibt. Das macht es schwieriger für Frauen, weibliche Mentorinnen zu finden. Die meisten — wenn nicht sogar alle — meiner Mentoren waren Männer und ich bin ihnen auch sehr dankbar, aber sie können die Vorurteile nicht verstehen, die ich zu überwinden habe.

Würde unsere Welt anders aussehen, wenn mehr Frauen im MINT-Bereich arbeiten würden?

Die Welt wäre auf jeden Fall ein besserer Ort! Studien belegen, dass Unternehmen mit diversifizierten Vorständen durchweg besser abschneiden als Unternehmen mit rein männlichen Vorständen. Frauen machen 50% der Bevölkerung aus und bringen eine Perspektive ein, die dazu beitragen kann, entscheidende wegweisende Erkenntnisse zu gewinnen. Mehr Frauen in MINT bedeutet, dass mehr Frauen ein Mitspracherecht haben, was wiederum dazu beitragen kann, die Weichen für den Weg eines Unternehmens zu stellen.

Die Diskussion über Diversität nimmt Fahrt auf. Wie lange wird es dauern, bis wir Ergebnisse der aktuellen Debatte sehen?

Ich glaube, dass Diversität in mehreren Wellen kommen wird. Ich habe heute Chancen, wegen den Frauen, die vor mir kamen. Und jetzt bin ich an der Reihe, die Fackel zu tragen und mein Bestes zu geben, um einen weiteren Schritt nach vorne zu machen, damit ich den Frauen, die nach mir kommen werden, eine bessere Zukunft erbauen kann.

Tipps & Tricks

Der beste Zeitpunkt, um loszulegen, ist genau jetzt. Der beste Weg, um in die Tech-Branche einzusteigen, ist mit dem Aufbaus eines Netzwerks im technischen Bereich zu beginnen. Sprecht mit so vielen Menschen wie möglich, um eine Richtung für eure Karriere zu finden. Sobald ihr eine eindeutige Richtung gefunden habt, gibt es eine Menge großartiger Programme, die euch helfen können, die technischen Fähigkeiten aufzubauen, die es euch ermöglichen, in den Tech-Bereich vorzudringen.

Geschrieben von
Chris Stewart
Chris Stewart
Chris Stewart is an Online Editor for JAXenter.com. He studied French at Somerville College, Oxford before moving to Germany in 2011. He speaks too many languages, writes a blog, and dabbles in card tricks.
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