Interview mit Ash Finnegan, Digital Transformation Officer bei Conga

Women in Tech: „Verwandelt einen guten Tag in eine Gelegenheit, einer anderen Frau zu helfen“

Dominik Mohilo

In unserer Artikelserie „Women in Tech“ stellen wir inspirierende Frauen vor, die erfolgreich in der IT-Branche Fuß gefasst haben. Heute im Fokus: Ash Finnegan, Digital Transformation Officer bei Conga.

Die Tech-Industrie wird von Männern dominiert – so weit, so schlecht. Doch langsam, aber sicher bekommt der sogenannte Boys Club Gesellschaft von begabten Frauen: Immer mehr Frauen fassen in der Branche Fuß.

Aus diesem Grund wollen wir hier spannenden und inspirierenden Frauen die Möglichkeit geben, sich vorzustellen und zu erzählen, wie und weshalb sie den Weg in die Tech-Branche gewählt haben. Aber auch Themen wie Geschlechtervorurteile, Herausforderungen oder Förderungsmöglichkeiten kommen zur Sprache.

Unsere Woman in Tech: Ash Finnegan


Als Digital Transformation Officer arbeitet Ash Finnegan mit Kunden und Partnern an deren Transformationsprogrammen. Mit mehr als 20 Jahren Erfahrung im digitalen Bereich beschäftigt sie sich in Zusammenarbeit mit den Vertriebs- und Marketingteams mit der Positionierung der Conga-Suite und untersucht Congas interne Betriebsabläufe auf Optimierungspotenziale. Mit Ashs Leidenschaft, reale Probleme aufzugreifen und technische Lösungen darauf anzuwenden, identifiziert sie operative Hindernisse, um diese zu beseitigen, das Unternehmenswachstum zu unterstützen und die Rentabilität zu steigern.

Was hat dein Interesse für die Tech-Branche geweckt?

Ich hatte einen Job als Marketingassistentin bei einem globalen Unternehmen für Geschäftsreisemanagement, das gerade ein umfangreiches Transformationsprogramm durchlief. Zu dem Zeitpunkt mussten sie auf Online-Reisebüros reagieren, die zu einer echten Bedrohung für das Geschäftsmodell wurden.

Ich bekam die Gelegenheit, im Team das papiergebundene Reiseprogramm in ein Online-Buchungssystem umzuwandeln. Ich hatte großes Glück, weil ich einem Vice President unterstellt war, der ein globales Team leitete, das die Bereiche IT, Vertrieb und Marketing abdeckte. Er hatte viele starke Frauen in seinem Team und ermöglichte mir, mich in das Projekt einzubringen, ohne meine Leistung aufgrund meines Geschlechts, Alters oder der Tatsache, dass ich eine alleinerziehende Mutter war, in Frage zu stellen.

Er gab mir die Möglichkeit, hart zu arbeiten, weshalb ich im Alter von 26 Jahren zum Global Advertising Manager befördert wurde. Mein damaliger Vorgesetzter war grundlegend dafür, dass ich eine Karriere in der Tech-Branche anstrebte.

Ich habe stets „on-the-Job“ gelernt, was dazu führte, dass ich verschiedene Fähigkeiten erlernte. Das größte Hindernis dabei war, dass ich sehr jung in einem von Männern dominierten Unternehmen anfing, das von Ergebnissen getrieben wird, da Technologie entweder richtig oder falsch ist. Ich musste also hart arbeiten, um mir den Respekt meiner Kollegen zu verdienen, die meist die Rolle des Vice President innehatten.

Ein Starkes Unterstützernetzwerk

Als junge alleinerziehende Mutter bekam ich Unterstützung von meiner Familie. Sie waren allerdings besorgt und der Meinung, es wäre besser, weniger zu arbeiten. Ich wusste jedoch immer, was ich vom Leben erwarte und welches Leben ich meinem Sohn ermöglichen wollte. Nachdem sein Vater verstarb, war für mich klar, dass ich diejenige sein würde, die immer für ihn sorgt, egal, was meine eigene Zukunft bringen würde. Deswegen habe ich trotzdem weiter in Vollzeit gearbeitet, da die Arbeit von zu Hause aus in meinem Bereich schon vor 20 Jahren möglich war. Nach einer Weile hat das auch meine Familie nachvollziehen können und jetzt bekomme ich von ihnen und meinen Kollegen massive Unterstützung.

Meine Vorbilder sind weibliche als auch männliche Führungskräfte, die jungen Leuten, unabhängig vom Geschlecht, dabei unterstützen ihren Wert zu erkennen und ihren Beitrag zu leisten.

Meine Vorbilder sind weibliche als auch männliche Führungskräfte, die jungen Leuten, unabhängig vom Geschlecht, dabei unterstützen ihren Wert zu erkennen und ihren Beitrag zu leisten.

Ich bin stolz darauf wo ich jetzt bin, besonders, wenn ich bedenke, wo mein Weg begonnen hat: Ich bin in einer rauen Gegend in Irland mit sechs Geschwistern aufgewachsen. Es hat viel Disziplin und Motivation erfordert, in die Position zu gelangen, in der ich mich heute befinde. Das ist aber nicht alles. Die Tatsache, dass ich mein Wissen weitergeben darf und meine eigene SaaS-Plattform mit Schülern aufbauen konnte, die ihnen bei Universitätsbewerbungen geholfen hat, macht mich sehr stolz.

Bildung ist ein enorm wichtiger Baustein. Vor allem auch, wenn es darum geht, Frauen weiterzubringen. Deshalb habe ich, als ich die Idee für eine eigene Plattform hatte, diese in einer Schule mit Studenten aufgebaut. Sie sollten verstehen, wie die Plattform von einer Idee zu einer voll funktionierenden App wurde. Daran haben männliche und weibliche Studenten zusammengearbeitet. Ich glaube, dass Frauen mehr Informationen brauchen, die ihnen früh in ihrer Karriere zur Verfügung gestellt werden sollten, jungen Männern muss aber auch die starke Rolle, die Frauen in der diesem Bereich haben sollten, gezeigt werden.

Hat dir jemals jemand in deinem beruflichen Leben Steine in den Weg gelegt?

Ich habe in einigen Positionen gearbeitet, in denen die Führung wechselte. Dadurch hatte ich das Gefühl mich immer wieder aufs Neue beweisen zu müssen. Dabei habe ich meine Konzentration darauf gelenkt, was ich gerne tue und immer hart gearbeitet.
Ich habe immer versucht die Dinge nicht persönlich zu nehmen, gute Arbeit zu leisten und mich von Menschen zu umgeben, die einem helfen. Das ist nicht immer einfach, aber man kann die Denkweise anderer nicht ändern. Die eigene kann man hingegen anpassen, und hoffentlich spricht die Arbeit dann für sich selbst.

Ein Tag in Ashs Leben

In meinem Job geht es darum zu verstehen, an welcher Stelle sich ein Unternehmen in seiner digitalen Transformation befindet. Dafür arbeite ich mit zahlreichen Schnittstellen auf Kundenseite und mit Partnern zusammen und schlage die Brücke zwischen Marketing-, Vertriebs- und IT-Teams.

Dadurch, dass ich in meiner Karrierelaufbahn so viele unterschiedliche Perspektiven eingenommen habe, fällt es mir heute leichter ganzheitlich zu denken und zu verstehen, wie die Prozesse miteinander zusammenhängen. Diese Aufgabe ist sehr komplex, weil jedes Unternehmen anders funktioniert. Es erfordert viel Austausch mit meinen Kunden, den unterschiedlichen Abteilungen und mir. Bei der digitalen Transformation hilft es nicht mehr in Silos zu denken. Teilbereiche, die früher eigenständig funktionierten, werden zunehmend vernetzter. Es muss jedes Detail beachtet werden. Um diese Komplexität jedoch so einfach wie möglich für andere verständlich zu machen, arbeiten wir gerade an einem Reifegradmodell, das die einzelnen Prozesse möglichst simpel darstellt. Daran wird ermittelt, wie die Prozesse im Unternahmen aktuell zusammenhängen, wie sie zusammenhängen sollten, um ein bestimmtes Geschäftsziel zu erreichen und an welchem Punkt die Technologie dafür eingesetzt werden muss. Zur Ausarbeitung dieses Modells arbeite ich eng mit unserem CEO Noel Goggin zusammen.

Wieso gibt es nicht mehr Frauen in der Tech-Branche?

Es sollte mehr Männer geben, die Frauen fördern, und mehr Wissensaustausch zwischen Frauen stattfinden, die eine Karriere in der Technologie-Branche anstreben.

Es liegt eindeutig an mangelnder Ausbildung in diesem Bereich. Frauen werden in der Schule nicht ausreichend mit technischen Themen konfrontiert und es halten sich hartnäckige Stereotypen, dass das Feld nicht für sie geeignet ist. Gleichermaßen sollte es mehr Aufklärung darüber geben, dass eine Karriere in der Tech-Branche nicht gleich bedeutet, sich ausschließlich mit Technik zu beschäftigen. Es kann auch den kommerziellen und geschäftlichen Bereich abdecken. Es sollte mehr Regierungsinitiativen geben, um diese Herausforderung zu überwinden. Ebenso sollte es mehr Männer geben, die Frauen fördern, und mehr Wissensaustausch zwischen Frauen stattfinden, die eine Karriere in der Technologie-Branche anstreben. Mangelnde Anerkennung sind ebenfalls eine große Herausforderung für Frauen in der Tech-Branche, deshalb werden sie oft nicht zu Meetings eingeladen. Es ist unterm Strich ein Balanceakt: Männer müssen Frauen aufwerten und Frauen müssen an sich selbst glauben.

Unsere Welt würde ganz klar anders aussehen, wenn es mehr Frauen in der Tech-Branche gäbe. Es würde sich einiges ändern, weil unterschiedliche Perspektiven miteinander verschmelzen. Auf der einen Seite haben wir das analytische Denken und auf der anderen die emotionale Intelligenz. Jeder kann natürlich beides vereinen, ob Mann oder Frau, aber es wird Frauen nachgesagt, dass sie oft empathischer sind, und das stimmt auch. Dadurch arbeiten sie kollaborativer und können zu einer besseren Transformation beitragen, die ein Zusammenwirken von Menschen, Prozessen und Technologie erfordert.

Die Diskussion über Diversity gewinnt an Fahrt. Wie lange wird es dauern, bis Sie Ergebnisse der aktuellen Debatte sehen?

Ich hasse das Wort Debatte, weil es bedeutet, dass wir immer noch reden. Ergebnisse werden erst sichtbar, wenn das Reden aufhört und gehandelt wird. Es muss aufgeklärt und Verantwortung übernommen werden. Männer sollten Frauen verstärkt einbinden. Frauen sollten andere Frauen unterstützen. Es sollte eine Zusammenarbeit zwischen beiden Geschlechtern entstehen.
Dass noch von Geschlechtern gesprochen wird und nicht von der Qualität der Arbeit auf Basis von Kollaboration, verdeutlicht, wie viel Arbeit noch vor uns liegt.

Tipps & Tricks

Konzentrier Dich auf das, was Du liebst. Hör auf Deine innere Stimme, finde gleichgesinnte Frauen und gib nie auf. Verwandle einen schlechten Tag in eine Gelegenheit zum Lernen und einen guten Tag in eine Gelegenheit, einer anderen Frau zu helfen. Leiste einfach großartige Arbeit! Geh als Beispiel voran. Frauen sollten ihren Töchtern die Möglichkeit geben große Führungspersönlichkeiten zu werden und ihren Söhnen beibringen, Töchter niemals zurückzuhalten.

Und zu guter Letzt: Geh nicht davon aus, zu wissen, was Du tun willst, bevor Du nicht alles gesehen hast.

Geschrieben von
Dominik Mohilo
Dominik Mohilo
Dominik Mohilo studierte Germanistik und Soziologie an der Goethe-Universität in Frankfurt. Seit 2015 ist er Redakteur bei S&S-Media.
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