Digital Natives wollen traditionelle Berufe

OECD-Studie: Digitalisierung zeigt sich nicht beim Berufswunsch von Schülern

Katharina Degenmann

© Shutterstock / Rawpixel.com

Schon die Kleinsten wischen auf diversen Displays, die Größeren können sich ein Leben ohne Smartphone nicht mehr vorstellen. Doch trotz künstlicher Intelligenz und sozialer Medien – Teenager hegen traditionelle Berufswünsche. Das fand die OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) nun in einer Studie mit rund 500.000 Schülern raus.

Die Digitalisierung ist in vollem Gange und macht selbst vor den Jüngsten keinen Halt. Bereits Kinder im Grundschulalter beherrschen den sicheren Umgang mit Alexa, Tablet und Smart TV – meist sogar besser als die eigenen Eltern. Das Smartphone surrt nicht nur beim Mittagessen und leuchtet abends im Bett, sondern bestimmt unseren Alltag beinahe gänzlich.

Allerdings hat sich durch die Digitalisierung und die Automatisierung nicht nur unser Alltag, sondern auch die Berufswelt verändert. Berufe wie Youtube/Vlogger oder Influencer sind bei Jugendlichen schwer angesagt. Doch gerade bei älteren Generationen werden diese Berufe ziemlich belächelt – sowas sei doch kein Beruf, sondern lediglich ein Hobby. Und obwohl 15-jährige Digital Natives, die mit Künstlicher Intelligenz und Smartphones aufgewachsen sind, Influencer als ihre Idole ansehen, wollen sie es ihnen nicht gleichtun. Denn Teenager träumen weiterhin von traditionellen Berufen: Ärztin, Lehrerin, Anwalt oder Polizist.

Keine Lust auf Digitalisierung

Die OECD hat weltweit rund 500.000 Schüler nach ihrem Berufswunsch befragt, darunter knapp 5000 Schülerinnen und Schüler im Alter von 15 Jahren in Deutschland. Wie die Studie, die gleichzeitig mit dem Pisa-Test 2018 durchgeführt wurde, zeigt, sehen viele Jugendliche ihre Zukunft nach wie vor in einem traditionellen Beruf.

Berufswünsche nach Geschlecht

Die Mehrheit der Mädchen in Deutschland (10,4 Prozent) sieht sich im Alter von 30 Jahren wieder in der Schule:, nämlich als Lehrerin. Aber auch Ärztin (10), Erzieherin (6,4) und Psychologin (4,5) zählen zu den Top-Berufswünschen.

Quelle: OECD-Studie

Bei den Jungen in Deutschland sieht das Ganze – wäre hätte es gedacht – etwas technischer aus. So streben 6,7 Prozent der 15-jährigen Jungs an, mit 30 Jahren IT-Spezialist zu sein. Aber auch Berufe wie Industrie- und Automechaniker (5,2 und 5,1), Polizist (4,5) oder Lehrer (3,8) sind auf den oberen Plätzen des Rankings vertreten.

Quelle: OECD-Studie

Zudem seien die beruflichen Ambitionen der deutschen Schüler genau wie in Österreich und der Schweiz insgesamt deutlich diverser als im OECD-Durchschnitt. Schließlich streben die Teenager hierzulande auch eine Karriere als Profisportler oder Designer an.

Und die Digitalisierung?

Zwar wird das Interesse an Digitalisierung im Zusammenhang mit Jugendlichen meist als Risiko- bzw. Suchtfaktor wahrgenommen, doch scheinbar fehlt es nun in der Berufswelt. Denn wie die OECD im Rahmen der Studie deutlich darauf hinweist, schlägt sich die Digitalisierung kaum in der Liste der Berufswünsche der Schülerinnen und Schüler nieder.

Das sei allerdings ein Nachteil, denn laut Schätzungen der OECD wird es in einzelnen Berufsfeldern etwa 40 Prozent der Stellen, in zehn bis 14 Jahren, nicht mehr geben. Vor allem werden im Zuge der Digitalisierung viele Bürojobs wegfallen. Allerdings befindet sich die Büroangestellte immerhin auf Platz acht der Top Ten bei den Mädchen. „Das sind Jobs, die in Zukunft hochgradig automatisiert werden“, sagt Bildungsdirektor der OECD Armin Himmelrath.

Vor allem Schulen müssen deshalb besser über künftige Berufe und Berufswelten informieren. Dazu gehört auch, Kompetenzen zu vermitteln, statt auf klassische Berufe vorzubereiten.

Geschrieben von
Katharina Degenmann
Katharina Degenmann
Katharina ist hauptberuflich hilfsbereite Online- und Print-Redakteurin sowie Bücher- und Filme-Junkie. Nebenbei ist sie Möchtegern-Schriftstellerin, die heimlich hofft, eines Tages ihr Geld als Kaffee-Testerin zu verdienen. Seit Februar 2018 arbeitet sie als Redakteurin bei der Software & Support Media GmbH, davor hat sie Politikwissenschaft und Philosophie studiert.
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