Feedback geben – aber richtig!

Karriere-Check: Feedbackkultur 2.0

Matthias Stöcklein

©Shutterstock / fear1ess

Wie erreicht man eine gesunde Feedbackkultur, in der Feedback nicht als Deckmantel für unverhohlene Kritik genutzt wird?

Zwei Dinge passieren häufig im Umgang mit Feedback: auf der einen Seite wird Feedback oft mit Kritik gleichgesetzt oder als solche (miss-)verstanden. Auf der anderen Seite wird „Feedback geben“ im Berufsalltag aber auch häufig als Feigenblatt genutzt, um in Wirklichkeit unverhohlen Kritik zu üben. Wie ist die Mechanik dieser Ereignisse und wie kommen wir zu einem guten, positiven Umgang mit Feedback, der zu einer Feedbackkultur führen kann?

Feedback im Alltag

Schauen wir uns einmal unseren Berufsalltag an: 90 Prozent der Dinge funktionieren, die Prozesse laufen sauber durch. Nur mit den zehn Prozent der nicht funktionierenden Dinge – den Problemen – beschäftigen wir uns zu 90 Prozent unserer Zeit. Damit ist es kein Wunder, dass wir, wenn wir Feedback geben, den Finger in die Wunde legen und Probleme ansprechen, nicht aber die positiven Aspekte und Leistungen entsprechend würdigen, weil wir sie als selbstverständlich ansehen.

Feedbackkultur 2.0

Ein paar Regeln können uns helfen, um aus diesem Bewusstsein heraus professionell mit Feedback umzugehen. Die meisten davon kennen Sie sicher schon, doch ist es hilfreich, sich diese immer wieder ins Gedächtnis zu rufen:

  1. Beginnen Sie das Gespräch mit positiven Aspekten. Das schafft eine entspannte Grundstimmung auf beiden Seiten.
  2. Formulieren Sie das Feedback so, wie Sie es selbst gerne bekommen würden. Eine wertschätzende Art und Weise der Formulierung sollte selbstverständlich sein.
  3. Machen Sie konkrete Vorschläge, was Ihr Gegenüber besser machen könnte. Vermeiden Sie Verallgemeinerungen und geben Sie spezifisches Feedback, das nachvollziehbar ist. Betonen Sie auch die Stärken.
  4. Verwenden Sie Ich-Botschaften statt anklagenden Du-Botschaften.
  5. Signalisieren Sie, dass auch Sie bereit für Feedback sind und dies ein wechselseitiger Prozess ist.
  6. Beide Gesprächspartner sollten genau zuhören und den anderen ausreden lassen.

Diese Regeln lassen sich natürlich auch auf die Feedbackkultur in der digitalen Welt anwenden. Vom Pennäler bis zum Präsidenten nutzen immer mehr User den Schutz der Anonymität des World Wide Web – oder bekennen sich sogar öffentlich, wenn sie andere kritisieren und diffamieren. Wäre hier nicht auch ein respektvollerer Umgang miteinander angesagt?

Zu guter Letzt …

Zum Schluss noch eine „Aufgabe“ und ein Rat. Getreu dem Motto „It’s the little things in life“ sollte man jeden Tag nutzen, um kleines, bestärkendes und positives Feedback zu geben. Oft reicht ein „Gut gemacht!“ oder „Ich habe mich gefreut, dass Du …“. So ein Feedback kann durchaus mal die Sonnenblume auf der Arbeitswiese sein. Sie werden sicher mit einem Lächeln belohnt.

Schließlich noch ein Rat, den ich als Praktikant vor vielen Jahren einmal von einer erfahrenen Kollegin aus dem HR-Bereich bekommen habe, und den ich gerne weitergebe: „Hören Sie sich das Feedback an, reflektieren Sie es und wenn Sie für sich entscheiden, dass Sie das Feedback nicht annehmen möchten, dann müssen Sie das nicht tun.“

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Geschrieben von
Matthias Stöcklein
Matthias Stöcklein
Matthias Stöcklein begann seine Karriere 2005 bei der cirquent GmbH. Als Senior Consultant war er dort für die Beratung und Projektleitung in Fach- und Softwareprojekten zuständig. Zudem gehörte die Neukundenakquise zu seinem Aufgabenbereich. Im Jahr 2008 kam der diplomierte Wirtschaftsinformatiker zur mobileX AG, wo er zunächst als Projektmanager für die Durchführung von Kundenprojekten verantwortlich war. Seit 2010 leitet er die Professional Services-Abteilung und hat zudem als Prokurist rechtsgeschäftliche Befugnisse. Als COO der mobileX AG ist er seit Januar 2015 zudem für den Bereich Human Resources verantwortlich. http://www.mobilexag.de
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