Kaizen – die effektivste Methode der Softwareentwicklung?

Astrid Spier

Ob Wasserfallmodell oder agile Softwareentwicklung – es gibt viele Vorgehensweisen und Methoden, die Entwickler dabei unterstützen sollen, das Coding zu optimieren.  Klar ist, dass allein Übung und Ausdauer zum Erfolg führen, doch ist eine effektive Planung der Vorgehensweise selbst für Entwickler mit langjähriger Erfahrung nicht immer leicht. Derzeit macht eine neue Methode unter dem Namen „Kaizen“ die Runde – doch was ist dran am japanischen System?

Kaizen lässt sich in die Komponenten Kai (Wandel) und Zen (Gut) unterteilen. Abgeleitet bedeutet es also nicht weniger als „Wandel zum Guten“ – ein Begriff, der ursprünglich in der Wirtschaft Verwendung fand und dort zu einem Managementsystem weiterentwickelt wurde. Neben Ausdauer ist auch Teamfähigkeit gefragt, während direkte Kritik oder Schuldzuweisungen in den Hintergrund rücken müssen.

Wie Zac Gery von DZone berichtet, liegt der Fokus ähnlich wie bei der agilen Softwareentwicklung auf einem schlankeren und flexibleren Softwareentwicklungsprozess und so kann auch Kaizen als Gegenbewegung zu traditionellen und bürokratischen Softwareentwicklungsprozessen gesehen werden, zu denen der Rational Unified Process oder das V-Modell zählen.

Wie bei der agilen Softwareentwicklung steht das zu erreichende Ziel im Vordergrund. Auch hierbei wird großer Wert auf Tests und Überarbeitungen gelegt, um überflüssigen Code zu beseitigen, und schließlich die besten und effektivsten Lösungen für Probleme zu finden. Dies klingt leichter als es ist, denn die Implementierung fordert neben einer anderen Herangehensweise auch eine andere Denkweise.

Viele Wege führen nach Rom

So ist es vor allem eine mentale Herausforderung, nicht die bekannten Wege zu gehen und in eingefahrenen Bahnen zu denken, sondern stets offen für neue Wege und Methoden zu bleiben. Auch ist es wichtig, sich bewusst zu machen, dass es mehrere Wege zum Ziel gibt und sich selbst ein scheinbar perfektes Programm verbessern lässt.

Je klarer ein Programm strukturiert ist, desto leichter lässt es sich durchblicken und desto leichter lassen sich Fehler, Verbesserungsmöglichkeiten in Form von überschüssigen oder unnötigen Code-Schnipsel entdecken. Anders als bei der agilen Softwareentwicklung verfolgt Kaizen dabei eine ganzheitliche Ordnung, sodass das Effektivitäts-Prinzip auf alle Vorgänge in einem Unternehmen oder einem Team übertragen werden. Gibt es zum Beispiel zu lange Befehlsketten, dauern Entscheidungsprozesse zu lange und kosten neben Zeit auch noch unnötige Energie der Entwickler, müssen entsprechende Anpassungen folgen. Zu diesem Zweck werden neben den Codes also auch Meetings und andere Vorgänge in einem Unternehmen analysiert, um sie zu optimieren. Werden unproduktive Bereiche gefunden, werden diese zugunsten des Gesamtvorgangs beseitigt oder durch effektivere Systeme, Codes oder Abteilungen ersetzt. Das Leitprinzip lautet jedoch: so viel wie nötig, so wenig wie möglich.

Insgesamt setzt Kaizen ein immerwährendes Monitoring und Hinterfragen voraus, was in vielen Unternehmen bereits selbstverständlich ist. Doch neben Code Reviews und Meetings versucht man auch an anderer Stelle das Potenzial der Entwickler zu fördern. So besteht zum Beispiel die Möglichkeit, einen gewissen Prozentsatz der Arbeitszeit für Erfindungen und Experimente zu gewähren, die schließlich in die festen Abläufe des Unternehmens und des Codings aufgenommen werden können.

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Astrid Spier
Astrid Spier
Astrid Spier arbeitet seit Juli 2012 als Redaktionsassistentin bei S&S Media. Im Mai 2011 hat sie ihren Master in Germanistik in den Vereinigten Staaten erhalten. Durch die enge Verbindung von Journalismus und Germanistik hat sie in den USA journalistische Erfahrungen sammeln können und Artikel zur interkulturellen Verständigung für den Blog der Universität geschrieben. Im März 2013 hat sie ihr Staatsexamen mit den Fächern Englisch und Deutsch in Mainz abgeschlossen.
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