Mit Daten, Notebookes und Formeln laborieren

JupyterLab Beta: Frische User Interfaces für Projekt Jupyter

Marcel Richters

© Shutterstock.com / Vadim Sadovski

 

Mit JupyterLab geht das Projekt Jupyter einen Schritt weiter in Richtung kooperative Programmierung. Das jetzt als Beta erschienene Web Interface JupyterLab soll Usern mehr Möglichkeiten zur Anpassung, Erweiterung und Interaktion bieten. Daneben unterscheidet sich das User Interface in einigen wesentlichen Punkten von der gewöhnlichen Benutzeroberfläche des Jupyter Notebooks.

Nach rund drei Jahren Entwicklungszeit, über 11.000 Beiträgen und 2.000 Package Releases ist JupyterLab ab sofort in der Betaversion verfügbar. Obwohl noch nicht in der finalen Ausführung, soll sich das Programm bereits jetzt für den alltäglichen Gebrauch eignen. JupyterLab ist eine „interaktive Entwicklungsumgebung, welche mit Notebooks, Code und Daten arbeitet“. Auch die grafische Darstellung von verarbeiteten Daten und Formeln lässt sich mit JupyterLab realisieren.

Die Besonderheit von Projekt Jupyter generell ist die Möglichkeit, interaktiv mit mehreren Personen gleichzeitig an einem Projekt zu arbeiten. Gegenüber dem klassischen Jupyter Notebook soll sich mit JupyterLab allerdings der Vorteil ergebn, dass das Interface sehr viel einfacher anzupassen und zu erweitern ist, wie die Entwickler bekannt geben. Außerdem können neben Jupyter Notebooks auch Texteditoren, Terminals, Dateianzeige und andere Komponenten gleichzeitig in Tabs angezeigt und bearbeitet werden. Entwickelt wurde JupyterLab mithilfe der JavaScript-Library PhosphorJS, die bei der Konstruktion erweiterbarer desktopartiger Web-Apps hilft.

Zusätzlich zum Funktionsumfang des Basisprogramms bietet JupyterLabs eine ganze Reihe von Erweiterungs- und Anpassungsmöglichkeiten. Mit Hilfe von Extensions können neue Themes, Editoren und Viewer sowie Renderer hinzugefügt werden. Außerdem können Menüpunkte, Shortcuts und erweiterte Optionen implementiert werden. Nicht zuletzt können durch Extensions APIs zur Verfügung gestellt werden, um mit anderen Erweiterungen zusammenzuarbeiten. Es gibt bereits einige Erweiterungen auf GitHub, zum Beispiel Dateibetrachter (GeoJSON, FASTA, etc.) und Integrationen von Google Drive, für das durchsuchen von GitHub und die Unterstützung von ipywidgets.

Ein wichtiger Unterschied zum klassischen Jupyter Notebook sind die Tabs / Quelle: Project Jupyter

Die Entwicklung eigener Erweiterungen ist ebenfalls möglich. Allerdings ist das entsprechende API nach Angabe der Entwickler noch nicht im finalen Stadium, wird es aber mit JupyterLab 1.0 sein. Die Veröffentlichung der entsprechenden Version ist noch im Laufe des Jahres 2018 geplant. Für die finale Veröffentlichung seien laut einem Blogpost Verbesserungen des UIs und zusätzliche Kern-Features vorgesehen.

Jupyter Notebook gehört bald der Vergangenheit an

Hervorgegangen ist das JupyterLab aus dem 2014 gergründeten Project Jupyter, welches wiederum vom Kommandozeileninterpreter IPython aus dem Jahr 2011 abstammt. Während IPython – wie der Name schon sagt – auf die Arbeit mit Python ausgelegt war, ist bei Jupyter auch die Arbeit mit verschiedenen Programmiersprachen möglich, über 100 werden bereits unterstützt.

Ziel des Projekts ist es, den gesamten Programmierprozess abzubilden: Von der Entwicklung und Dokumentation über das Ausführen von Code bis zur Kommunikation über die Ergebnisse. Da JupyterLab nicht nur eine bessere, interaktivere und vernetztere Entwicklung gestattet als Jupyter Notebook, sondern auch im Hinblick auf die Möglichkeiten zur Erweiterung und Anpassung mit modernen Technologien konzipiert wurde, soll JupyterLab das Notebook auf lange Sicht ablösen. Bis es soweit ist, werden aber sowohl Jupyter Notebook als auch JupyterLab das Notebook-Dokumentenformat unterstützen.

Wer sich gerne genauer mit Jupyter bzw. JupyterLab auseinandersetzen möchte, der findet weitere Informationen auf der offiziellen Homepage von Projekt Jupyter. Auf dem Blog gibt es einen tieferen Einblick in JupyterLabs und die entsprechenden Pläne.

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Marcel Richters
Marcel Richters
Marcel hat Soziologie an der Goethe-Universität in Frankfurt am Main studiert und danach als E-Commerce-Manager gearbeitet. Seit Februar 2018 unterstützt er das Team von JAXenter als Redakteur. Daneben arbeitet er als freier Journalist in der Mainmetropole.
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