JSF in der Cloud – oder warum JSF einen so schlechten Ruf hat

Judith Lungstraß

Mitunter muss man sich als JSF-Entwickler so einiges anhören. Umständlich sei das Web-Framework, hinke dem Fortschritt hinterher, sei von einem praxisfernen Komitee entworfen worden und so weiter und so fort. Um effektiv arbeiten zu können, solle man lieber ein anderes, „modernes“ Framework wie Wicket, Vaadin oder Play! benutzen…

Doch woher kommt dieser schlechte Ruf? Basiert er auf Tatsachen oder handelt es sich um leeres Gemunkel? Thomas Asel jedenfalls findet, dass mit der Promotion von JSF als Universallösung allzu oft Erwartungen geweckt werden, die das Framework unmöglich erfüllen kann.

So werden Leute, die JSF für eine Art „Swing für´s Web“ halten, unweigerlich enttäuscht werden, da der JSF-Lebenszyklus ein völlig anderer ist.

Auch habe sich Oracle mit seiner jüngsten JSF-Werbeaktion als Technologie für die Cloud selbst ein Bein gestellt. Mit falschen Marketing-Argumenten habe man ebenso falsche Erwartungen geweckt. Im Oracle Technology Network wurde im April diesen Jahres ein Artikel namens JSF 2.0 for the Cloud veröffentlicht. Der Autor Deepak Vohra versucht hier zu beschreiben, warum sich JSF ideal für die virtualisierten Computing-Ressourcen in der Cloud eignet. Leider schafft er das nicht so ganz.

Asel beschreibt den Oracle-Artikel als eine Aneinanderreihung von Features, die man von einem Java Web Framework ohnehin erwarten würde und die keineswegs für eine Bevorzugung von JSF gegenüber anderen Frameworks sprechen. Nicht ein einziger Punkt habe direkt mit den Anforderungen an Cloud-basierte Anwendungen zu tun.

So heißt es hier, JSF könne REST-basierte GET Requests nutzen. Schön und gut, aber welches Web Framework kann das nicht? Auch das Argument, dass viele Cloud-Anbieter JSF Support zur Verfügung stellen, sei wenig überzeugend. Manche tun es, manche nicht – die GAE bietet z.B. Unterstützung für JSF, aber genauso für andere Webframeworks, sodass sich kein Plus für JSF ergibt.

Das Vorhandensein von Annotations als Vorteil in der Cloud? Annotations sind sicherlich praktisch, wo ist aber die Relevanz, wenn es um Architekturen geht?

Dabei ist Asel selbst JSF gegenüber nicht feindlich gesinnt. Umso mehr ärgert es ihn, dass Anfänger durch reine Marketing-Strategien womöglich davon abgehalten werden, sich überhaupt erst auf JSF einzulassen. So nennt der Autor des Oracle-Network-Artikels ein Code-Beispiel, mit dem man einen Einstieg in JSF finden könnte. Doch um das Beispiel nachzubauen, muss man „nur“ knapp 1.5 Gigabyte an schwergewichtigen Komponenten herunterladen, vom Oracle JDeveloper 11g bís zur Oracle Database 11g. Dabei könnte man die JSF-Features doch auch mit einem einfachen Servlet Container demonstrieren?!

Asel´s Fazit:

Wer JSF als Cloud-Technologie promotet, muss wirklich Cloud-relevante Fragen wie Skalierbarkeit oder Mehrmandantenfähigkeit beantworten. Wer das nicht tut und eine Technologie als „Cloud ready“ bezeichnet, die (noch) nichts in der Cloud zu suchen hat, weckt falsche Erwartungen und trägt damit zum schlechten Ruf von JSF bei.

Im Umkehrschluss bedeutet das aber: Würde man die richtigen Argumente für die Java Server Faces bringen und sich mit dem Erzeugen falscher Erwartungen zurückhalten, könnte JSF heute einen wesentlich besseren Ruf genießen, oder?

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Judith Lungstraß
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