Diamonds are forever

Jewelbots und Co.: Für mehr Frauen in der IT

Kypriani Sinaris

©Shutterstock/Kakigori Studio

„72% der Entwickler gaben an, entweder gar keine weiblichen Kolleginnen zu haben oder dass höchstens zehn Prozent der Teamkollegen Frauen sind“, so eine Studie. Würden Sie diese Einschätzung bestätigen? Tatsächlich ist der Frauenanteil unter Entwicklern auffällig gering. Die Industrie reagiert auf diesen Umstand, in den letzten Monaten häufen sich die Angebote für Frauen, das Programmieren zu erlernen und Teil dieser großen Industrie zu werden. Ein sehr aktuelles Beispiel spricht schon die ganz kleinen an: Jewelbots.

Jewelbots ist ein junges Kickstarter-Projekt. Hinter dem Ganzen steckt ein „smartes“ Freundschaftsarmband für Mädchen, welches diese zum Coden animieren soll. Die Bänder können per Bluetooth mit dem Smartphone verbunden werden, auf dem die entsprechende Jewelbot App installiert wird. In dieser App können die jungen Benutzer die Reaktion ihrer Jewelbot-Armbänder modifizieren. Die Verbindung mit einem Smartphone ist für die Verwendung der Armbänder allerdings nicht zwingend notwendig.

Die Entwickler stellen simple Code Snippets in Form von if/then-Befehlen zur Verfügung, die die User dann für ihre Zwecke modifizieren können. Sobald der Jewelbot mittels Micro-USB an einen Computer angeschlossen wird, kann es mit dem Coden losgehen. Und so können sie unter Verwendung der Arduino IDE programmiert werden, beispielsweise aufzuleuchten, wenn eine Freundin, die auch im Besitz eines Jewelbots ist, in der Nähe ist. Auch ein neuer Instagram-Like kann bei entsprechender Kodierung das Armband zum Leuchten bringen.

Die Forschung für das Open-Source-Projekt Jewelbot begann im September 2014, seit seiner Veröffentlichung auf Kickstarter im Juli 2015 konnte es bereits etwa 140.000 $ sammeln.

Spotlight auf Frauen

Wenn sogar schon ein Victoria-Secret-Engel mit dem Coden beginnt, dann wird Coden ja schon richtig attraktiv: Das Model Karlie Kloss teilt via YouTube, Instagram und Co. nicht nur seine eigene Erfahrung mit dem Programmieren, es wirbt sogar mit einem eigenen Stipendium für Mädchen, damit diese die gleichen Programmierkurse besuchen können wie sie. Und auch die Elle, eigentlich bekannt für Hochglanz-Modestrecken, präsentiert „Elle`s 2015 Women in Tech“. In dieser Übersicht präsentiert Elle 10 bemerkenswerte Frauen in der Technik-Branche, unter anderem Julia Hartz, Cofounder von Eventbrite, ein globale Plattform zum Finden und Erstellen von Events, und Tracy Chou, Software Engineer bei dem sozialen Netzwerk Pinterest.

Es haben sich auch lokale Gruppen gebildet, die Frauen auf dem Weg in die IT unterstützen wollen. So haben sich die Techettes Frankfurt mit dem Ziel formiert, Frauen das kreative Potential von technischen Berufen aufzuzeigen. Women in Tech hat eine ähnliche Mission und bietet Konferenzen in Stockholm an, bei denen Frauen der Eintritt in ein Netzwerk von bereits erfolgreichen Frauen und Männern in der IT ermöglicht werden soll.

Zahlen bestätigen den Eindruck

Eine Studie zum Status von Frauen in der IT der Developer Week hat gezeigt, dass 72% der befragten Entwickler angeben, keine oder weniger als zehn Prozent weibliche Kollegen zu haben. 78% sind der Meinung, dass Mädchen und junge Frauen schon früh gefördert werden sollten, damit eine Karriere in der IT nicht mehr so einschüchternd auf sie wirkt, 69% der Befragten glauben nämlich, dass gerade gesellschaftliche Vorurteile an diesem Eindruck Schuld sind.

Im Rahmen der Studie wurden die Befragten außerdem gefragt, worin ihrer Meinung nach die Ursachen dafür liegen, dass die IT von Männern dominiert wird. Folgende Grafik visualisiert das Ergebnis:

Abb.1: Die Softwarebranche ist dafür bekannt, dass sie von Männern dominiert wird. Wo liegen Ihrer Meinung nach die Ursachen? Quelle: Developer Week 2015: Umfrage zu Fachkräfte-Mangel und Women in Tech (www.developer-week.de)

Abb.1: Die Softwarebranche ist dafür bekannt, dass sie von Männern dominiert wird. Wo liegen Ihrer Meinung nach die Ursachen? Quelle: Developer Week 2015: Umfrage zu Fachkräfte-Mangel und Women in Tech (www.developer-week.de)

Fazit

Das Projekt Jewelbot mag auf den ersten Blick sehr viele Klischees bedienen: Braucht man denn erst ein fröhlich blinkendes Freundschaftsband, damit Mädchen eine Leidenschaft fürs Programmieren entwickeln? Aber wenn man dem Projekt einen zweiten Blick schenkt, so kann man sich auch fragen: Warum eigentlich nicht? Das Projekt vereint wichtige Aspekte moderner Technologien: Es ist Open Source, es vermittelt durch seine Vernetzung den grundlegenden Gedanken des IoT, es lässt sich programmierend modifizieren: Alles Dinge, mit denen junge Mädchen ohne einen solchen spielerischen Ansatz möglicherweise nicht in Berührung kommen würden.

Die Bänder sind übrigens auch in grün und gleich zwei Blautönen zu bekommen – man ist also gar nicht so nah an dem Klischee, oder?

Aufmacherbild: Hacker woman von Shutterstock / Urheberrecht: Kakigori Studio

Verwandte Themen:

Geschrieben von
Kypriani Sinaris
Kypriani Sinaris
Kypriani Sinaris studierte Kognitive Linguistik an der Goethe Universität Frankfurt am Main. Seit 2015 ist sie Redakteurin bei JAXenter und dem Java Magazin.
Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar

avatar
4000
  Subscribe  
Benachrichtige mich zu: