Jetty unterstützt SPDY – Googles "Revolution des Web"

Hartmut Schlosser

Http wird bald als primäres Web-Protokoll abgelöst – schreibt Greg Wilkins, Chefentwickler des Java-Web-Containers Jetty. Eine Revolution sieht Greg gar am Horizont aufziehen, eine Revolution des Webs, die dazu führen wird, die Geschwindigkeit von Webseiten bis um den Faktor 10 zu erhöhen.

Das Wundermittel, von dem Greg Wilkins hier spricht, ist SPDY, Googles Sitzungsprotokoll mit dem sprechenden Namen [ˈspiːdi] – und Greg berichtet dabei auch, dass Jetty mit seiner neuen SPDY-Unterstützung die Revolution zu unterstützen gedenkt.

SPDY ist ein TCP-Protokoll und sorgt derzeit im Chrome-Browser, in Amazons Kindle sowie optional im Firefox 11 für beschleunigtes Serven. Der Geschwindigkeitszuwachs wird durch die sogenannte Multiplex-Technik erzielt, bei der eine einzige TCP-Verbindung gleichzeitig mehrere Dokumente übertragen kann.

SPDY ersetzt dabei Http nicht und macht beispielsweise weiterhin von Http Get- und Post-Anweisungen Gebrauch. Die Http-Semantik wird indes über ein effizienteres Wire-Protokoll zugänglich gemacht und erlaubt obendrein die Erweiterung dieser Semantik, etwa um Server Push-Aktionen.

Serverseitig unterstützt Google SPDY bereits in allen seinen wichtigen Diensten, und auch Twitter hat seit letztem Monat SPDY-Support mit an Bord. Und seit dem aktuell erschienenen Jetty 7.6.2/8.1.2 unterstützt auch Jetty den Google-Standard.

Wie Jetty-Entwickler Simone Bordet berichtet, können existierende Jetty-Webanwendungen bereits ohne Codeänderungen von vielen der SPDY-Features profitieren. Jetty übernimmt mit seiner SPDY-Implementierung die Anpassungslast. Aus der SPDY-Implementierung ist auch ein weiteres Projekt hervorgegangen, eine Java-Variante der Next Protocol Negotiation (NPN) TLS Extension, die sich Interessierte auf einer Eclipse-Wiki-Seite ansehen können.

Zum Beweis der Machbarkeit wurde auch sogleich die eigene Jetty-Seite bei Webtide auf SPDY umgestellt – wenn Ihr Browser es unterstützt, läuft also SPDY jetzt auf https://www.webtide.com/.

Einige gängige Kritikpunkte am SPDY-Protokoll diskutiert Greg Wilkins auf seinem Blog:

  • Hat Google seine Marktmacht missbraucht, um allen einen neuen Standard aufzuzwingen?
  • Ist die nun obligatorische TLS-Verschlüsselung ein Problem?
  • Ist eine SPDY-Version denkbar, die ohne TLS auskommt?

Gregs Antworten: Google ist bei der Entwicklung von SPDY stets offen vorgegangen und hat explizit eine Community-Beteiligung eingefordert. TLS-Verschlüsselung bedeutet für die meisten Webseiten einen Sicherheits-Fortschritt. Admins könnten indes Probleme bekommen, da keine Firewall-Filter auf einkommenden Traffic mehr greifen. Der TLS-Standard hängt indes nicht per se mit SPDY zusammen – TLS wurde nicht aus technologischen Beweggründen ausgewählt. Greg scheint sich auch Alternativen vorstellen zu können.

Was halten Sie von der SPDY-fizierung des Web ? Wird es tatsächlich eine Revolution oder bleibt es bei einer Revolte?

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Hartmut Schlosser
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