Neues Lizenzmodell für die JetBrains Toolbox noch immer umstritten

JetBrains vs. Microsoft – Weiter Diskussionen um Lizenzmodelle

Moritz Hoffmann

Nach Jetbrains Ankündigung, ab November 2015 auf ein neues Lizenzmodell für seine Toolbox zu setzen, ließen die empörten Reaktionen nicht lange auf sich warten. Während Mike Milinkovic (Eclipse) in seinem Blogpost „We told you so“ noch einmal kräftig nachgetreten hat, lässt auch ein aktiver Teil der JetBrains-Kunden ihrer Wut im Netz freien Lauf. Nun hat sich ein weiterer IT-Blogger zu Wort gemeldet. Er meint: Im Vergleich mit Microsofts Lizenzmodell für Office ist JetBrains an der entscheidenden Stelle falsch abgebogen.

In seinem Blog-Beitrag erläutert Dmitry Leskov, wie er zu einem zahlenden und dennoch zufriedenen Nutzer von Microsofts Office-Paket wurde. In Russland stand die Single-PC-Lizenz für Office 2013 nämlich zu einem wesentlich höheren Preis zur Verfügung als die Lizenz für eine einjährige 365-Office Home-Lizenz, die wesentlich mehr Nutzungsmöglichkeiten (u.a. Word, Excel, PowerPoint, OneNote und Outlook,) sowie einen technischen Support für bis zu fünf Nutzer zuließ.

Während Microsoft also ein ganzes Paket an Anwendungen im Wert von über 400 US-Dollar in einer verhältnismäßig günstigen Lizenz gleich mitlieferte und so ein bündiges Modell der Lizenz und der Preisstruktur seiner Produkte anbot, stünden JetBrains-Kunden mit dem neuen Lizenzmodell für die Toolbox vor einem Problem:

It [JetBrains] completely overhauled the pricing and licensing models, but the costs remained more or less the same to customers that used to upgrade regularly, and went up quite a bit for those that only upgraded once in a while.

Zusätzlich müssten sich JetBrains-Kunden in Zukunft selbst darum kümmern, regelmäßige Lizenz-Checks durchzuführen und ihre Kreditkarte für einen weiteren Anbieter freizuschalten.

Es geht auch anders…

Leskov’s Alternative sieht folgendermaßen aus: JetBrains solle die laufende Lizenz weiter kostenpflichtig anbieten, die Toolbox im Vergleich zu einer mehrjährigen Lizenz aber radikal billiger zur Verfügung stellen. Die Lizenz solle dann aber eine Mischung von zusätzlichen Anreizen enthalten. Als Beispiel nennt er den Zugang zu betreuten Versionen von JetBrains-Server-Produkten. Sicher, so Leskov, hätten die JetBrains-Kunden eine solche Lösung sogar begrüßt. Zumindest aber sollte JetBrains darauf verzichten, langjährige Kunden mit in das neue Lizenzmodell zu zwingen:

It [JetBrains] even could have got away with raising substantially the prices of the perpetual licenses for new customers, especially if it grandfathered its existing customers by letting them upgrade at the old prices indefinitely or for several years.

Microsoft, Eclipse, Komodo – Was machen die Anderen?

Der Vergleich von JetBrains mit Microsoft hat indes Wellen geschlagen. Nicht nur hat sich Komodo mit seinem Modell zur Lizensierung von Software in die Diskussion eingeschaltet. Leskov’s Blogbeitrag hat auch umgehend eine Diskussion auf Reddit losgetreten, in der JetBrains nicht nur MS, sondern auch Microsofts Lösung für die Visual-Studio-IDE positiv gegenüber gestellt wird:

They [Microsoft] have made great strides with their Visual Studio products in recent years. They have created Visual Studio Code, which is free available across platforms. They have Visual Studio Community Edition, which is the full version of Visual Studio (sans some professional-level features like a testing suite, I believe), and that’s free for up to 5 users under an organization that makes less than a million dollars a year.( vwthing88)

Noch, so hat JetBrains zuletzt verlauten lassen, sei nichts entschieden. Man nehme die Reaktionen der Community ernst. Klar aber ist, dass die Bewegung vieler Anbieter hin zu einer Kombination von Open-Source und kostenpflichtigen Lizenzen oder kompletten Open-Source-Lösungen wie Eclipse die JetBrains-Entscheidung bei vielen Kunden in einem schlechten Licht erscheinen lässt. Für nächste Woche wird eine weitere Stellungnahme von JetBrains erwartet.

Aufmacherbild: Law concept: pixelated words Licensing on digital background, 3d render von Shutterstock
Urheberrecht: Maksim Kabakou

 

 

Geschrieben von
Moritz Hoffmann
Moritz Hoffmann
Moritz Hoffmann hat an der Goethe Universität Soziologie sowie Buch- und Medienpraxis studiert. Er lebt seit acht Jahren in Frankfurt am Main und arbeitet in der Redaktion von Software und Support Media.
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