Jedes sechste IT-Projekt läuft außer Kontrolle

Hartmut Schlosser

IT-Projekte sprengen verhältnismäßig oft das vorgesehene Budget. In einer der größten Studien ihrer Art, durchgeführt von der University of Oxford, wurden 1.500 weltweite Projekte untersucht, die in den letzten 10 Jahren ihre Informationssysteme erneuert haben. Ergebnis: Jedes sechste Projekte hat das Budget um durchschnittliche 200 Prozent überzogen.

Zwei Jahre lang wurden sowohl kommerzielle als auch Projekte der öffentlichen Einrichtungen mit einem durchschnittlichen Budget von 170 Millionen US-Dollar unter die Lupe genommen. Im Vergleich zu gängigen Risiko-Management-Modellen gerieten IT-Projekte 20mal häufiger außer Kontrolle als erwartet. Unzureichende Risikokalkulation, Probleme der Software-Kompatibilität, mangelnde Kenntnisse bei der Implementierung einer neuen Technologie waren laut Studie häufig Grund für die zusätzlichen Ausgaben. Das Risiko des Scheiterns stieg dabei proportional zu der Größe und der wachsenden Komplexität der Projekte an.

Als Beispiel nennt die Studie ein Projekt des National Health Service (NHS) in Großbritanien zur Digitalisierung der Patientendaten. Die Software wurde für 7 Milliarden Pfund entwickelt, die Pläne dann aber nach öffentlichem Druck vom Parlament ad acta gelegt. Ein ähnliches Lied kann auch Deutschland singen.

Die Studie zieht das Fazit, dass scheiternde IT-Projekte Investoren wie Steuerzahler regelmäßig Milliarden kosten und ganze Unternehmen in die Pleite führen. IT-Projekte stellten demnach eine völlig neue Herausforderung für Top-Manager dar, die noch nicht hinreichend berücksichtigt werde. Es sei vonnöten, die Durchführung großer IT-Projekte auf eine neue Ebene der Professionalität zu stellen.

The results are a wake-up call for top managers considering significant IT projects. Our experience shows that IT projects are often not managed the right way. The new research tells us why, so we can fix the problem and take IT project management to a new, more professional level. Jürgen Laartz, Direktor McKinsey and Company

IT Projekt-Manager seien verhältnismäßig oft von einer sogenannten „Black swan blindness“ geschlagen und gäben dem unwahrscheinlichen Fall des sofortigen Erfolges größere Beachtung als einer realistischen Einschätzung der Möglichkeit des Scheiterns. Unterschiede zwischen privat-wirtschaftlichen und öffentlichen Projekten waren in dieser Hinsicht nicht auszumachen.

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Hartmut Schlosser
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