Bruno Georges über den JBoss AS7

JBoss AS7: Das Leichtgewicht der Enterprise-Java-Entwicklung

Nach einem Jahr intensiver Entwicklungsarbeit wurde am 12. Juli der JBoss Application Server 7 (AS7) mit dem Codename „Lightning“ freigegeben. Wir sprachen mit Bruno Georges, Leiter der Red Hat Enterprise Application Platforms Engineering Group, über das neue Release und die nächsten Entwicklungsschritte hin zur vollständigen Java-EE-Zertifizierung.

JAXenter: JBoss AS7 wurde vor kurzem veröffentlicht. Wie unterscheidet sich AS7 von anderen derzeit erhältlichen Application Servern, wie WebLogic, GlassFish oder WebSphere?

Bruno Georges: Es gibt sehr viele Unterschiede zwischen AS7 und seinen Mitstreitern auf dem Markt, vor allem in den Bereichen Performance, Modularität und Flexibilität. AS7 präsentiert eine neue modulare Architektur, die extrem schnelle Start-up-Zeiten ermöglicht. Er unterstützt auch viele unserer innovativen APIs, wie Weld, HornetQ und Infinispan.

Von diesen Technologien profitiert nicht nur JBoss, sie sind vor allem darauf ausgelegt, ein breites Spektrum von Entwicklungen zu erreichen, von traditionellen Hardware-Servern bis zu Mobile und PaaS-Umgebungen. Bei der Entwicklung kam es uns insbesondere auf hohe Verfügbarkeit, gute Anpassbarkeit und Leichtgewichtigkeit an. Man kann sagen, dass wir diese Technologien schon für morgen und nicht nur für heute designt haben.

Zur Flexibilität: Die Konkurrenz bietet große Stacks, unsere Kunden suchen nicht nur nach Enterprise-Fähigkeit, sondern vor allem nach einem leichtgewichtigen Ansatz an die Enterprise-Java-Entwicklung, bei gleichzeitigem Erhalt der Enterprise-Anforderungen und der Betriebsfähigkeiten. Mit JBoss „Open Choice“ bieten wir Entwicklern und Administratoren die Möglichkeit auszuwählen, was sie brauchen, ohne sich an einen Hersteller binden zu müssen.
Für Entwickler unterstützen wir eine Vielzahl von Sprachen in derselben Laufzeitumgebung, vor allem für Applikationen, die auf Spring, Struts und Ruby on Rails basieren.

Open Source und JBoss sind nicht nur die richtige Lösung hierfür, sondern auch entscheidend, um die wichtigen Prinzipien zu bewahren.

JAXenter: Welchen Herausforderungen musste sich das Team stellen, um die Kompatibilität zwischen dem AS und dem Java EE 6 Web Profile herzustellen?

Georges: Java EE6 hat den Begriff der Profile eingeführt, wobei das Web Profile als erstes standardisiert wurde. Da die Vorschriften für die Zertifizierung von ergänzenden Technologien zu verschiedenen Interpretationen führen können, hatten wir einige Iterationen zu bewältigen, bevor wir eine genaue Web-Profile-Implementierung zertifizieren konnten, die mit weiteren Komponenten wie JCA angereichert wurde.

Positiv ist, dass die Modularität unseres neuen Kernels uns vor Compliance-Problemen schützte, die nicht explizit vom TCK abgedeckt werden.

JAXenter: JBoss AS7 beinhaltet einen eingebauten OSGi-Support. Auf welche Weise können die derzeitigen JBoss-AS-User davon profitieren?

Georges: Indem sie OSGi in ihre JavaEE-Systeme integrieren können. Dadurch können sie beim Gebrauch von OSGi Services die Vorteile der dynamischen Fähigkeiten in ihren JavaEE-Komponenten nutzen. OSGi Services werden via OSGi Bundles bereitgestellt, und beide haben einen dynamischen Lebenszyklus. Sie können während der Laufzeit hinzugefügt oder weggenommen werden. Dadurch erhalten Applikationen die auf OSGi Services basieren die Fähigkeit, gepatcht oder upgedatet zu werden, ohne die laufende Applikation zu unterbrechen.
JBoss-AS-User können durch den OSGi-Support auch Funktionalität anwenden, die womöglich als existierende OSGi Bundles in ihren JavaEE-Deployments verfügbar ist. Organisationen haben eventuell eine OSGi-Infrastruktur, die sie im JavaEE-Umfeld nutzen möchten. JBoss AS7 bietet diese Möglichkeit.

Ein Vorteil besteht darin, dass die nativen Module und Service Layers uns mehr Möglichkeiten zum Performance-Tuning geben. Andere App-Server bauen entweder auf Eclipse Equinox oder Apache Felix auf, was bedeutet, dass sie in ihrer Performance von diesen Projekten abhängig sind.
Die JBoss-Community ist eine enthusiastische und sehr dynamische Community und daher werden sich die Leute sicher für OSGi im AS7 entscheiden.

JAXenter: Was sind die nächsten Schritte um den JBoss AS an das komplette EE-Profil anzupassen?

Georges: Am 12. Juli haben wir JBoss AS7.0.0.Final abgeliefert, eine zertifizierte JavaEE 6 Web-Profile-Implementierung.

Wir haben zwei Releases erstellt, jedes mit zusätzlichen Komponenten. Zunächst das Web-Profile, das mit Iron Jacamar (JCA1.6) und RESTEasy (JAX-RS) kam, und die Full EE6 Preview, die den vorherigen Stack plus HornetQ (JMS) und JBoss WS-CXF/Apache CXFs JAX-WS beinhaltet.
In diesem Jahr werden wir noch JBoss AS7.1 fertigstellen, das auf das Full Java EE6 Profile abzielt.
Die zusätzlichen Technologien, die in AS7.1 integriert werden, sind:

Enterprise Application Technologies

  • JSR 318 : Enterprise JavaBeans 3.1 (Note: AS7.0 unterstützt EJB3.1 Lite wie im Web Profile definiert)

Web Services Technologies

  • JSR 109: Implementing Enterprise Web Services 1.3
  • JSR 181: Web Services Metadata for the Java Platform
  • JSR 101: Java APIs for XML based RPC 1.1
  • JSR 93: Java API for XML Registries 1.0 (JAXR)

Sonstige:

  • JSR 196: Java Authentication Service Provider Interface for Containers 1.0
  • JSR 115: Java Authoriation Contract for Containers 1.4
  • JSR 77: J2EE Management 1.1
  • JSR 88: Java EE Application Deployment 1.2

Mit der Enterprise Application Platform, der von Red Hat voll supporteten Version, ist übrigens im ersten Quartal 2012 zu rechnen, und es gibt auch ein Early Access Programm dafür unter http://www.jboss.com/eap6-early-access/

JAXenter: Vielen Dank für dieses Gespräch!

Mehr zum Thema JBoss AS7 lesen Sie im Schwerpunkt des kommenden Java Magazins 10.2011!

Stay tuned!

Bruno Georges leitet derzeit die Red Hat Enterprise Application Platforms Engineering Group. Davor war er APAC/Japan Middleware Solutions Director bei JBoss, einem Unternehmensbereich von Red Hat. Bruno verfügt über mehr als 20 Jahre IT-Erfahrung bei Banken, Versicherungen sowie Handels- und Telekommunikationsunternehmen, wo er in erster Linie mit der Architektur von eCommerce-Lösungen und dem Management von Softwareentwicklungsteams betraut war.

Seit 2001 hat Bruno auf zahlreichen internationalen Konferenzen Vorträge über Web-Services-Standards, Enterprise-Application-Integration, SOA und den Einsatz von Open-Source-Technologien gehalten.

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