JAXenter-Jahresrückblick: Das war Java 2012 [Teil 3]


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November

Auf nach München, hieß es Anfang November! Die W-JAX, die kleine Schwester der JAX, brachte mit ihren 152 Speakern, 13 Workshops, 5 Keynotes und 167 Sessions wieder einen neuen Rekord – auch in Sachen Besucherzahlen. Neu auf dem Programm standen der Android Day, ein UX Day, ein New School Web Development Day, die Big Data Days und ein Continuous Delivery Day.

In ihrer Auftaktkeynote gaben Martijn Verburg (Bild, links) und Kirk Pepperdine (Bild, rechts) von jClarity ihre Version der Herausforderungen des Marktes zum besten, und folgten dabei ganz dem Motto: „It’s the hardware, stupid!“ Die Grundaussage lautete: Java muss mit den Fortschritten in der Hardwareentwicklung – Multicore-Prozessoren, der massiven Vergrößerung des Hauptspeichers, SSD-Karten und dergleichen mehr – Schritt halten.

Virtualisierung sei indes nicht in jedem Fall das Nonplusultra. „There are many reasons to move to the cloud – performance isn’t necessarily one of them“, sagte Pepperdine. Ratsam sei es, Martin Thompsons Prinzip der Mechanical sympathy zu folgen, nach dem Hard- und Software gut aufeinander abgestimmt sein müssen, um eine optimale Performance zu erzielen.

Dem Prinzip Write Once Run Anywhere – genauer: on any hardware – müsse Java jedenfalls treu bleiben, sonst drohe der Plattform das Ende. Neben dieser eindringlichen Mahnung gaben die beiden dem Publikum die drei folgenden Merksätze mit auf den Weg:

Learn about your hardware again!

Virtualise with caution!

Learn to use parallelism in your code!

Alle Berichte zur W-JAX haben wir in der Serie zur Konferenz zusammengefasst. Und dann ging mit der ApacheCon Europe und der devoxx auch so langsam die Konferenz-Saison 2012 zu Ende.

Spannendes brachte die Engineering Task Force (IETF) mit ihrem ersten Entwurf zum neuen HTTP-2.0-Standard hervor. Dabei folgte man fast vollständig dem SPDY-Protokoll aus dem Hause Google. Damit erhielt SPDY sozusagen die offiziellen Weihen und darf als gesetzte Technologie für Http 2.0 gelten – auch wenn noch etliche Änderungen einfließen werden, die Anfang 2013 zu einem weiteren Entwurf führen sollen, der dann auch für Test-Implementierungen freigegeben wird. Bis Juni 2013 will die Arbeitsgruppe „HTTP Bis“ der IETF den HTTP-2.0-Entwurf einem Konsens annähern.

Apache veröffentlichte mit dem CloudStack 4.0.0 ihre Version der Wolkentechnologie, während RedHat mit seiner PaaS-Lösung OpenShift Enterprise konterte. Das Agile-Tool JimFlow wurde Open Source. Eclipse RAP wurde ob seiner neuen Ausrichtung in „Remote Application Platform“ umbenannt. Neben anderen Java-EE-Specs wurden die Entwürfe für CDI 1.1 und JAX-RS 2.0 verfügbar. Die London Java Community und CloudBees wurden in das JCP-Exekutiv-Komitee gewählt.

Der Duke’s Choice Award ging 2012 an Level One, einem Java-basierten Programm, das zum ersten Mal im Niger eingesetzt wurde, um grundlegende Informationen über Flüchtlinge wie Name, Herkunft und Gründe für die Flucht zu registrieren. Level One ermöglicht es, in Krisensituationen schnell und übersichtlich auf die zentralen Informationen von Hilfsbedürftigen zuzugreifen. Ein würdiger Preisträger!

In einem populären Quickvote fragten wir auf JAXenter, ob Sie JavaFX, Swing, SWT oder HTML5 favorisieren. 42% meinten, HTML5 gehöre die Zukunft. Danach folgte schon JavaFX (36%) vor Swing (10%) und SWT (5%).

Den JAXenter-Artikel des Monats steuerte Nils Wloka mit „Codequalität: „Funktioniert“ ist nicht genug. Über den bewussten Umgang mit technischer Qualität“ bei. Am meisten gelesen wurde der Beitrag „Was Entwickler motiviert – Tipp: Geld ist es nicht.“ Interessanterweise haben Untersuchungen nämlich ergeben, dass statt Geldprämien die folgenden Faktoren motivierend auf das Entwicklergemüt wirken:

  • Autonomie – statt fremdbestimmt seine tägliche Bugliste abzuarbeiten, ist selbstbestimmtes Arbeiten weitaus nachhaltiger
  • Meisterschaft – bezeichnet das Streben, in etwas besser zu werden
  • Übergeordneter Zweck – wenn die Arbeit einem inspirierenden, übergeordneten Ziel dient, wird sie als sinnstiftend empfunden
Dezember

Irgendwie wollte im Dezember die Welt doch nicht so richtig untergehen. Vorsorglich hatten wir Sie aber mit unseren „Top 10 der Software-Katastophen“ in Weltuntergangsstimmung versetzt – und mit dem Beitrag den JAXenter-Artikel des Monats geschrieben.


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Zu Gast hatten wir in der Frankfurter JAXenter-Redaktion Ed Burns (Bild) von Oracle. Ed plauderte aus dem Nähkästchen der JSF-Entwicklung: JSF 2.2 sei zwar kein Blockbusterrelease wie die 2.0, bringe aber inkrementelle Verbesserungen in mindestens sechs Punkten: HTML5 friendly Markup Support, Faces Flows, Cross Site Request Forgery Protection, Loading Facelets via ResourceHandler, File Upload Component und Multi-Templating (bzw. „Resource Library Contracts“). Das komplette Video-Interview ist im Beitrag „JSF 2.2 und die Highlights in Java EE 7“ zu finden.

Ansonsten war der Dezember der Monat von IntelliJ IDEA. Die Entwicklungsumgebung von JetBrains erschien in der lang erwarteten Version 12, die Neuerungen wie Java-8-Support, einen Android UI Desinger und eine Live-Edit-Funktion einführte. Außerdem wurde IntelliJ IDEA in unserem Quickvote zur IDE des Jahres 2012 gewählt: IntelliJ IDEA (38%), Eclipse (36%) und NetBeans (25%).


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Als Terminator liegengebliebener Eclipse-Projekte machte Eclipse Foundation Community Director Wayne Beaton (Bild) Schlagzeilen. Projekte wie Eclipse Pave, Eclipse PMF, EMFT Temporality oder Eclipse TMF TCS wurden aufgrund mangelnder Aktivitäten archiviert. Grund dafür war die Einstellung des CVS-Supports für Eclipse-Projekte auf der Eclipse-Foundation-Infrastruktur. Am 21. Dezember wurden alle CVS-Repositorys auf Read-only gestellt. Die Community nahm es gelassen hin – die Zeichen stehen bei Eclipse ohnehin schon seit langem auf Git.

Als Reaktion auf die anhaltenden Sicherheitsprobleme in Java brachte das Java 7 Update 10 neue Sicherheitsoptionen. Etwa können Java-Anwendungen über eine Einstellung im Java Control Panel nun daran gehindert werden, im Browser ausgeführt zu werden. Zudem wurden für unsignierte Applets, Java-Web-Start-Applikationen und eingebettete JavaFX-Anwendungen vier verschiedene Sicherheitsstufen eingeführt.

Der Video-Verleih- und Streaming-Dienstleister Netflix beglückte die Java-Community das ganze Jahr über schon mit der Open-Source-Stellung von Komponenten seiner IT-Infrastruktur. Im Dezember kamen Hystrix, eine Code-Bibliothek zur Optimierung von verteilten Anwendungen auf Basis der Amazon Web Services (AWS), und das Logging-Framework Blitz4j hinzu.

Das JDK 8 erreichte den Milestone 5 – mit nützlichen Verbesserungen wie Unicode 6.2, DocTree API und die Erweiterung des Java-Kommandozeilen-Launcher, um JavaFX-Anwendungen starten zu können. Neue Releases gab es in From von GPars 1.0, DataFX 1.0, Virgo 3.6.0, Dolphin 0.4 und Couchbase Server 2.0. So gut wie fertig wurde auch Scala 2.10.0 – mit Neuerungen wie Value Classes, Implicit Classes, String Interpolation, Akka-Aktoren, experimentelle Scala Reflections und Macros (das endgültige Release kam dann in der ersten Woche 2013).


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Gavin King (Bild), der Vater des Persistenz-Frameworks Hibernate und aktuell mit der Programmiersprache Ceylon beschäftigt, outete sich auf seinem Blog als ausgesprochener Methodologien-Hasser. Statt lange darüber zu reden, wie ein Softwareprojekt umgesetzt werden sollte, solle man besser einfach ans Werk gehen. Sein Plädoyer für ein unbürokratisches Entwickeln im Sinne von „Getting things done!“ wurde von anderen Persönlichkeiten der Szene unterstützt. Etwa kritisierte JetBrains‘ Hadi Hariri auf unserer BASTA!-Konferenz die ausschweifende Agile-Industrie, bei der agile Werte allzu oft verabsolutiert werden. Im Beitrag „Wider den agilen Schwachsinn“ lautete Hadis Ratschlag:

Entwickler, lasst Euch nicht für dumm verkaufen! Findet zurück zu Euren Werten und genießt das, was Ihr tut! Denn letztlich ist Software-Entwickler einer der besten Berufe, die ihr haben könnt!

Auf JAXenter wurde der Beitrag „Schwafelt nicht, Ihr Narren – schreibt endlich Code!“ kontrovers diskutiert.

Und dann war ja auch schon wieder Weihnachten! Zur Unterhaltung an den Feiertagen öffneten wir unser Entwicklernähkästchen und fragten unsere 10 Entwickler u.a., was 2012 der Java-Welt brachte. Exemplarisch greifen wir die schöne Antwort von Bernhard Löwenstein heraus:

Hinsichtlich Entscheidungen war meiner Meinung nach von großer Bedeutung, welche Features und Technologien nun tatsächlich mit den beiden neuen Editionen kommen bzw. nicht kommen werden. So wurden die Themen Modularität (Java SE 8) und Cloud (Java EE 7) nochmals aufgeschoben. Das werden wir zwar verkraften, bezüglich Modularität wird es nun aber definitiv Zeit, den Java-Standard entsprechend zu erweitern. Das Thema steht nämlich seit Jahren an. Aus technischer Sicht habe ich die Entwicklung der unterschiedlichen Java-PaaS- sowie NoSQL-Systeme mit großem Interesse verfolgt. Es ist jedenfalls interessant zu beobachten, wie unterschiedlich diese Begriffe von den verschiedenen Herstellern interpretiert werden. Bernhard Löwenstein, selbstständiger IT-Trainer und Consultant

Jeder wird wohl seine eigenen Highlights im Java-Jahr 2012 zu finden haben.

Auf JAXenter ging das Jahr mit unserem Twitter-Countdown der 100 populärsten JAXenter-Beiträge 2012 zu Ende. Als meist gelesener Artikel im Jahr 2012 kristallisierte sich schließlich der satirische Beitrag „Top 15 der Entwicklerlügen“ heraus – eine Sammlung an typischen Flunkereien aus dem Entwickler-Alltag („Gestern lief es noch!“, „Ich weiß, was der Kunde will“, „Natürlich wird das gut skalieren!“), die unter Beweis stellt, dass es der Java-Community auch nicht an Humor mangelt!

JAXenter freut sich auf ein mindestens ebenso ereignisreiches Java-Jahr 2013!

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