Mit Vollgas in die JAX!

JAX-Blog: Technik versus Faktor Mensch

Marc Teufel

Wenn man ankommt, endlich wieder Konferenzluft schnuppert, sich innerlich freut, obwohl die Schlangen am Check-In wieder mal lang sind. Wenn Sebastian Meyen dann zur Eröffnung auf die Bühne kommt und über die anstehenden Themen und neuen Superlative der kommenden Tage spricht. Wenn Keynotes witzig, unterhaltsam und informativ zugleich vorgetragen werden. Wenn so viele Sessions angeboten werden, dass die Auswahl der einzelnen Slots richtig schwer fällt. Wenn gutes Essen in ausreichendem Maße vorhanden ist. Wenn sich Konferenzbesucher, obwohl noch nie gesehen, auf Anhieb duzen und miteinander ins Gepräch kommen, diskutieren, Ideen austauschen und sich wohlfühlen. Wenn am Abend eigentlich keiner gehen will, weil’s so schön ist und so viel Spaß hier macht. Wenn einem soviel Gutes widerfährt, dann ist das den Besuch auf der JAX in jedem Fall wert!

Die JAX-Konferenz ist bekannt und sicherlich auch berühmt geworden, weil die Sessions hier so viele unterschiedliche Themen behandeln. Damit hat man als Besucher die Möglichkeit, sich einen Überblick über aktuelle Entwicklungen und Bewegungen in unserer Branche zu verschaffen. Was mir auf der JAX immer besser gefällt ist, dass neben dem hohen Anteil technischer Sessions zunehmend Vorträge angeboten werden, die sich mehr mit dem großen Ganzen beschäftigen. Vorträge, die aufzeigen wie man Zusammenarbeit im Team besser organisieren kann, denn leider scheitern zu viele Projekte eben gerade nicht an der Technik sondern am Faktor Mensch.

Judith Andresen fasst dies in Ihrer Session „Mit Vollgas an die Wand“ auch unter dem Begriff weiche Faktoren zusammen. Klare Botschaft hier: Viele Projekte geraten in Schieflage weil die Anforderungen nicht klar kommuniziert sind oder unvollständig sind oder sich ständig ändern. Oder weil nach der SWBLM-Methode vorgegangen wird: So Wie Beim Letzten Mal – da hat’s ja auch funktioniert, dann wird das dieses Mal auch wieder gut gehen. Und das sei eben genau falsch. Was tun? Einfach Antwort: Miteinander sprechen. Alles hinterfragen und zu Beginn des Projekts den Projektauftrag mit allen Projektbeteiligten absprechen und formulieren. Viele Projekte scheitern auch, weil sie zu groß sind oder im Laufe des Projekts größer und komplexer werden, weil zusätzliche Anforderungen entstehen. Beispiel: Maske X soll migriert werden, dann machen wir gleich noch ein Re-Design beziehungsweise optimieren Funktionalität Y und fügen die neue Funktion Z hinzu. Daher sollte man ein Projekt in Teilprojekte aufgliedern wenn notwendig, denn kleine Projekte sind nachweislich erfolgreich als große. Aufeinander zugehen, andere Team-Mitglieder akzeptieren, nicht selbst zur Überschätzung neigen, das sind ebenfalls alles wichtige Faktoren die zum Erfolg eines Projekts beitragen. So bringt es nichts, wenn jedes Team-Mitglied „sein eigenes Ding“ durchzieht, vielmehr sollte man aufeinander zugehen, Team-Mitglieder bewusst loben und motivieren.

Das wissen wir eigentlich, aber warum läuft es in der Praxis dann so oft genauso anders? Teamleiter sollten hier eine Vorbildfunktion übernehmen, dann sei schon ein gutes Fundament gelegt, so Judith Andresen. Wer noch mehr erfahren möchte, warum Projekte scheitern und wie man gegensteuern kann, den möchte ich an diese Stelle (1) empfehlen, hier finden sich die Folien zu dem wirklich gelungenen und informativen Vortrag von Judith Andresen.

Ein weiteres Highlight war sicherlich der letzte Vortrag des Tages, nämlich Arno Haases Java-Kuriositäten. Amüsant war es eigentlich schon, bevor diese Session losging. Zuvor fand eine Keynote im großen Kongressaal statt, Arnos Session sollte direkt im Anschluss in einem kleinerem Saal stattfinden. Nach der Keynote sind nun die Massen vom Kongressaal zu Arno gewandert und der Raum füllte sich zunehmend und platzte schließlich aus allen Nähten. Schlussendlich hat man sich dann entschieden, die Räume zu tauschen, so dass die Massen wieder zurück in den Kongressaal pilgerten währenddessen eine kleinere Gruppe vom Kongressaal auszog – witzige Situation.

Apropos witzig, Arnos Session schließlich – übrigens eine sehr, sehr technische Demonstration – war dann ebenfalls sehr amüsant und kurzweilig. Ohne Folien – direkt in der IDE – wurden Dinge gezeigt, die viele im Raum so sicherloch noch nie gesehen haben dürften.  So gibt es im JDK eine Klasse (sun.misc.Unsafe) im JDK, die von den JDK-Entwicklern als Singleton implementiert aber für uns Otto-Normal-Entwickler eigentlich gesperrt ist. Das hielt Arno aber nicht davon ab, sich diese Klasse mit Hilfe von Reflection trotzdem zu besorgen und uns allerlei verrückte Spielereien mit direkten,  low-level Speicherzugriff zu zeigen. Wer sich hier für die technischen Details interessiert, der sei auf diesen Blog verwiesen. Kopfschüttel im positiven Sinne. Insgesamt eine sehr kurzweilige, wirklich witzige Session, die mittlerweile Kult-Charakter auf der JAX hat.

Geschrieben von
Marc Teufel
Marc Teufel
Marc Teufel arbeitet als Projektleiter und Softwarearchitekt bei der hama GmbH & Co KG und ist dort für die Durchführung von Softwareprojekten im Bereich internationale Logistik zuständig. Er ist Autor zahlreicher Fachartikel im Web-Services- und Eclipse-Umfeld. Er hat drei Bücher zu Web Services veröffentlicht, sein aktuelles Buch „Eclipse 4 – Rich Clients mit dem Eclipse 4.2 SDK“ ist kürzlich bei entwickler.press erschienen.
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