JAX-Blog: Bitte mehr davon!

Marc Teufel

Die JAX zeigt ja jedes Jahr immer ganz deutlich, welche Technologien gerade besonders angesagt sind. Vor einigen Jahren war alles was mit Eclipse zu tun hatte groß angesagt, dann folgte eine Zeit in der zuerst Groovy und danach Scala großes Interesse weckten. Und aktuell mobilisieren die Themen JavaFX, JavaScript und neuerdings auch das Internet of Things (IoT) die Massen. Die Vortragsräume zu den letztgenannten Themen waren in diesem Jahr jedenfalls durchweg alle sehr gut gefüllt. Leider wird aber in vielen Beiträgen die jeweilige Technologie zu oft nur durch die rosarote Brille gesehen. Es wird gelobt und auf die positiven Aspekte hingewiesen. Was mir in vielen Beiträgen fehlte war, dass zu wenig auf die Grenzen und auf Probleme eingegangen wurde. Meiner Meinung nach wird viel zu selten kritisch hinterfragt und stattdessen Lobeshymnen auf die gerade präsentierte Technologie ausgesprochen. Hiervon bitte weniger!

JavaFX ist hier ein gutes Bespiel. Im letzten und auch in diesem Jahr ein ganz großes Thema auf der JAX. In welche Session man auch hineinstolperte – meistens nur Lobeshymnen. Für mich stand fest, JavaFX – das muss es sein! Doch dann kam Karsten Lentzsch auf die Bühne und machte alles ganz anders. Er fing nämlich an, die Technologie kritisch zu hinterfragen und benannte klar, wo die Grenzen sind und was man gerade eben nicht oder nur schwer mit JavaFX machen kann. Ein sehr mutiger Schritt, der notwendig war und daher den allerhöchsten Respekt verdient. Bei mir führte dies zu einem Umdenken, ich bin JavaFX zwar nicht völlig abgeneigt, doch ist mir nun schon viel klarer geworden, wie ich diese neue Oberflächentechnologie einordnen muss. Bitte mehr davon!

Das nächste Beispiel ist JavaScript. Natürlich waren auch in diesem Bereich alle Sessions gut besucht. Ich möchte hier nochmal kurz auf die Session „Sind ernsthafte JavaScript-Projekte möglich“ eingehen. Oliver Zeigermann hat die Session gut gemeistert: Locker gehaltener Vortrag, viele Beispiele gezeigt, sehr gut vorbereitet und auf Fragen eingegangen und seine Session hatte einen erkennbar roten Faden mit vielen kritischen Fragen.

Ziel von Oliver war es, dem Publikum deutlich zu machen, dass man JavaScript nicht nur im Browser sondern auch auf dem Server einsetzen kann und wie das funktioniert. Es war durchaus erkennbar, dass der Speaker ein JavaScript-Freund ist, doch im Gegensatz zu vielen anderen Speakern hat er auch Skeptiker wie mich abgeholt, in dem er immer wieder darauf hingewiesen und aufgezeigt hat, wo genau es drückt und klemmt mit JavaScript.

Die Session hat zum Beispiel gezeigt, dass man auch mit JavaScript Einfachvererbung machen kann, dass man Konstruktoren haben kann, ja sogar ein Typensystem lässt sich nachbauen. Dazu haben sich Best-Practices etabliert, die in der Session erklärt wurden und auch in den Vortragsfolien eingesehen werden können. Mir wurde während der Session klar, dass man mit JavaScript sicherlich eindrucksvolles machen kann und es viele Methoden und Tools gibt, die mich dabei unterstützen, der JavaScript-Code der am Ende des Tages entsteht aber dennoch nur JavaScript-Code bleibt der durch die vielen ineinander geschachtelten Funktionen schwer zu lesen ist und schwer zu lesen bleibt. Kann ich eine Programmiersprache wirklich ernstnehmen, in denen ich Best Practice-Pattern brauche um Muster zu implementieren, die ich in anderen Programmiersprachen mit deutlich geringerem Aufwand und viel ausdruckstärkerem Code auch haben kann? Soll ich im Jahr 2014 eine Programmiersprache wirklich ernst nehmen, bei der ich die Typen und Konstruktoren in einen Kommentar schreiben muss, damit meine IDE sie auch erkennt? Kann ich mir wirklich sicher sein, dass eine Bibliothek oder ein Framework aus dem JavaScript-Umfeld auch noch in einem Jahr Bestand hat? Oliver hat es am Ende zwar nicht geschafft mich davon zu überzeugen, JavaScript auch auf dem Server einzusetzen aber die Session hat mir geholfen viele meiner Fragen zu beantworten weil eben genau die richtigen Fragen schon vom Speaker gestellt und als Grundlage für die Session genommen wurden. Bitte mehr davon!

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Marc Teufel
Marc Teufel
Marc Teufel arbeitet als Projektleiter und Softwarearchitekt bei der hama GmbH & Co KG und ist dort für die Durchführung von Softwareprojekten im Bereich internationale Logistik zuständig. Er ist Autor zahlreicher Fachartikel im Web-Services- und Eclipse-Umfeld. Er hat drei Bücher zu Web Services veröffentlicht, sein aktuelles Buch „Eclipse 4 – Rich Clients mit dem Eclipse 4.2 SDK“ ist kürzlich bei entwickler.press erschienen.
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