Konferenzstart

JAX 2019 eröffnet: Was kommt nach dem Java Application Server?

Hartmut Schlosser

Die JAX 2019 ist eröffnet. In seiner Begrüßungskeynote diskutierte Program Chair Sebastian Meyen mit Mitgliedern des JAX Advisory Boards die Themen der Konferenz. Dabei standen Microservices, Kubernetes und die Cloud im Vordergrund. Die zentrale Frage: Wie gut ist Java für das Cloud-Zeitalter gewappnet?

Nach wie vor steht auf der JAX die Java-Plattform im Zentrum. Doch ist der Kontext, in dem sich Java befindet, ein ganz anderer als noch vor 10 Jahren. Themen wie die Cloud, Microservices, Continuous Delivery, Container drängen in den Vordergrund und sind dabei, die gesamte IT zu revolutionieren.

Das Dilemma: Während neue Technologien speziell für diesen Kontext entwickelt werden – Stichwort „Cloud-native“ -, müssen sich traditionelle Technologien anpassen. So auch Java.

Nun galten im Java-Universum jahrelang Werte wie Langlebigkeit, Abwärtskompatibilität, hohe Verfügbarkeit, Standardisierung als wichtig – darauf hin wurden zahlreiche Frameworks, Tools und Sprachkomponenten optimiert. Im Cloud-Paradigma sind nun plötzlich andere Dinge gefragt: schnelle Startup-Zeiten, geringer Speicherverbrauch, verteilte, resiliente Strukturen.

Deshalb ist Sebastian Meyens Frage im Eröffnungspanel der JAX durchaus berechtigt: „Ist Java angesichts der neuen Herausforderungen überhaupt zukunftsfähig?“

JAX-Eröffnungspanel: Sebastian Meyen, Eberhard Wolff, Lars Röwekamp, Arno Haase (v.l.n.r.)

Java im Cloud-native-Zeitalter

Eberhard Wolff (INNOQ) beantwortet die Frage mit einer charakteristischen Eigenschaften der Java-Community: der ungebrochenen Innovationskraft. Java wird momentan aktiv an das Cloud-native-Modell herangeführt. So verabschiedet man sich derzeit etwa mit der GraalVM vom Zwang der Just-in-Time-Kompilierung und umgeht den Laufzeitoverhead, den Java etwa gegenüber Sprachen wie Go ins Hintertreffen geraten lässt. Lars Röwekamp (OPEN KNOWLEDGE GmbH) führt neue (Micro-)Frameworks wie Micronaut oder Quarkus ins Feld, die ebenfalls auf die Anforderungen von Microservices optimiert sind.

„Wir müssen unser Wissen, das wir in den letzten Jahren aufgebaut haben, nicht wegschmeißen“, konkludiert Röwekamp.

Eine andere Frage ist allerdings, ob nun wirklich alle auf den Microservices-Zug aufspringen müssen.

Microservices – warum eigentlich?

Wer das unreflektiert tut, hat schon verloren, so Eberhard Wolff. Man müsse sich zunächst in Erinnerung rufen, dass Microservices eine Lösung für ein Problem darstelle: Es hat sich als vorteilhaft erwiesen, Software schnell ausliefern zu können: Neue Features kommen schneller auf den Markt, Fehler werden schneller erkannt, Probleme können schneller behoben werden – das zeigen mittlerweile zahlreiche Studien aus dem DevOps-Umfeld.

Wenn das Ziel also ist, Software mehrfach am Tag neu zu deployen, so wird das mit einem zusammenhängenden Software-Monolithen schwierig, so Wolff. Es braucht kleinere Einheiten, die möglichst unabhängig deployt werden können. Microservices bieten dafür eine Lösung.

Lars Röwekamp bringt einen weiteren Treiber für Microservices ins Spiel: Wir müssen die Fachlichkeit in den Griff bekommen. Wird die gesamte Logik der fachlichen Domäne in einem großen Software-Monolithen implementiert, führen Änderungen oft zu unsauberem Code mit unbeherrschbaren Seiteneffekten. Microservices zwingen uns dazu, über eine sinnvolle Gliederung der Fachlichkeit nachzudenken. Ein Mittel zu diesem Zweck ist Domain-driven Design, mit dessen Ideen sich jeder auseinandersetzen sollte.

Application Server?

Und der gute alte Java Application Server? Spielt in diesem neuen Kontext tatsächlich keine Rolle mehr. An die Stelle des App Servers tritt in gewisser Weise Kubernetes als Standard zur Orchestrierung und zum Betrieb von Microservices-Anwendungen.

Dennoch kann es eine Strategie sein, so Wolff, weiterhin auf die traditionellen, App Server basierten Modelle zu setzen. Insbesondere dann, wenn die erwähnten Probleme mit Monolithen nicht bestehen, oder wenn schnelle Time-to-Market-Zyklen nicht im Fokus stehen.

Doch selbst dann, so lautet die Empfehlung der Panelisten, sollte man die Grundprinzipien von Kubernetes, Container & Cloud verstanden haben. Denn nur so kann eine fundierte Architektur-Entscheidung für oder gegen Microservices getroffen werden.

Unter der Haube

Das Programm der JAX wurde in diesem Jahr noch um eine weitere Facette ergänzt, die Advisor Arno Haase vorstellte. Unter dem Hashtag #underthehood wurden Sessions ins Programm aufgenommen, die sich dezidiert mit den Hintergründen einer Technologie beschäftigen.

„Es ist wunderbar, Vorträge über Dinge zu hören, die man selbst im Alltag anwenden kann“, so Haase. „Als Geek interessiere ich mich aber auch für die Hintergründe. Ich will nicht nur wissen, wie ich ein API nutzen kann, sondern manchmal auch verstehen, warum das API funktioniert – bis runter zum Prozessor.“

Und so finden sich Vorträge wie die unteren im Programm:

Die JAX findet vom 6. bis 10. Mai in Mainz statt. JAXenter ist dabei und berichtet live vor Ort.

W-JAX 2019 Java-Dossier für Software-Architekten

Kostenlos: 30+ Seiten Java-Wissen von Experten

Sie finden Artikel zu EnterpriseTales, Microservices, Req4Arcs, Java Core und Angular-Abenteuer von Experten wie Uwe Friedrichsen (codecentric AG), Arne Limburg (Open Knowledge), Manfred Steyer (SOFTWAREarchitekt.at) und vielen weiteren.

 

Geschrieben von
Hartmut Schlosser
Hartmut Schlosser
Content-Stratege, IT-Redakteur, Storyteller – als Online-Teamlead bei S&S Media ist Hartmut Schlosser immer auf der Suche nach der Geschichte hinter der News. SEO und KPIs isst er zum Frühstück. Satt machen ihn kreative Aktionen, die den Leser bewegen. @hschlosser
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