Simon Wardleys Keynote "Why the Fuss about Serverless"

JAX 2018 eröffnet: Warum der ganze Rummel um Serverless?

Hartmut Schlosser

Die JAX 2018 ist eröffnet. Eine Konferenz-Woche lang dreht sich wieder alles um die Themen Java, Architektur und Software-Innovation.

Über 2000 Besucher werden sich auf der JAX 2018 einfinden, die am Dienstag Morgen von Program Chair Sebastian Meyen eröffnet wurde. Nach einem kleinen Ausblick auf aktuelle Themen der Java Community – Oracles neue Release-Politik für Java und die Übertragung von Java EE an die Eclipse Foundation – leitete Meyen über zur ersten Keynote des Tages. Diese griff ein weiteres aktuelles Buzzword auf: Serverless Programming.

Warum Serverless?

Was soll dieser ganze Rummel rund um Serverless eigentlich? Diese Frage stellte Simon Wardley (Leading Edge Forum) in seiner Eröffnungskeynote der JAX 2018. Die Idee, Funktionen von einem externen Cloud-Service wie AWS Lambda, Azure Functions oder Google Functions ausführen zu lassen,

Sebastian Meyen eröffnet die JAX 2018

stellt für ihn nichts Geringeres als die nächste Evolutionsstufe der IT dar.

Wardley sieht Serverless an der Spitze einer langen Entwicklungslinie der Beherrschung von Rechner-Hardware durch Software-Ingenieure:

  • Mussten früher riesige Maschinen individuell konfiguriert werden, brachten Betriebssysteme und General Purpose Programmiersprachen eine erste Abstraktionsebene zwischen Hardware und Software.
  • Mussten Anwendungen früher in vielen Details individuell geschrieben werden, führten Frameworks, Libraries, Application Server, Architektur-Pattern wiederverwendbare Rahmenwerke ein, in die Anwendungen eingebettet werden konnten.
  • Stellte die Cloud schließlich die Notwendigkeit ab, selbst Server-Hardware anzuschaffen und zu betreiben, führt Serverless die Abstraktion konsequent weiter in die kleinteilige Welt der Entwicklung und des Anwendungsbetriebs.

Wardley bemüht zur Erklärung einen Vergleich: Genauso wie sich heute niemand, der einen Toast essen will, dafür interessiert, wie die Elektronik des Toasters genau funktioniert – geschweige denn auf die Idee käme, sich für jeden gewünschten Toast einen eigenen Toaster zusammenzubasteln -, genauso wird für Serverless-Entwickler die gesamte Ebene der Hardware- und Software-Infrastruktur selbstverständlich.

Simon Wardley auf der JAX 2018: Why the Fuss about Serverless

Mit Serverless entfällt somit ein großer Bereich dessen, womit sich traditionell arbeitende IT-Abteilungen auseinandersetzen mussten. Für Wardley wird dadurch selbst die DevOps-Idee überholt, da ein komplett abstrahierter Software-Betrieb eigentlich keine abteilungsübergreifende Abstimmung benötigt.

Doch warum sollte man sich in diesem neuen Paradigma einfinden? Warum die gerade eben mühsam in die Cloud portierte Anwendungslandschaft erneut über den Haufen werfen?

Innovationsdruck

Weil Serverless Druck erzeugt. Wer Serverless programmiert, so argumentiert Wardley, wird effizienter Software ausliefern und betreiben. Unternehmen kommen in die Lage, schneller Wertschöpfung zu erzeugen, sich schneller an die Bedürfnisse des Kunden und die Veränderungen des Marktes anzupassen.

Aus Management-Sicht erlaubt es das Serverless-Modell zudem, die Kosten der IT operabler zu machen. Das Serverless-Modell erfordert keine großen Vorabinvestitionen in Hardware und Software und erlaubt die punktgenaue Abrechnung der Betriebskosten ohne Redundanz.

Wardley prognostiziert denn auch, dass sich um Serverless eine neue Gruppe von ITlern versammeln wird, ein neuer „Tribe“, der sich abgrenzen wird von der traditionellen Art des IT-Geschäfts und der den Mainstream neu bestimmen wird.

Was bleibt, was wird zum „neuen Legacy“?

Aus dem Mainstream fallen wird laut Wardley dann auch ein Thema, das momentan dort dominant zu finden ist: Container. In einer Serverless-Welt gehören Container-Technologien nämlich in den Bereich unterhalb der Abstraktionslinie, vergleichbar mit der Toaster-Elektronik, die man im Alltag nicht hinterfragt.

Und das ist erst der Anfang, schließt Wardley. Denn wohin uns Serverless führen wird, welche neuen Architektur-Muster es hervorrufen wird, welche es ablösen wird – und durch welche Idee selbst Serverless einmal in den Bereich der Legacy-Technologien abdriften wird -, das sind die spannenden Fragen der nächsten Jahre.

Doch eins ist sich Wardley sicher: Für viele Unternehmen wird der Wechsel auf Serverless überlebenswichtig sein: Die Frage ist nicht mehr „ob“, sondern „wann“ der Druck groß genug wird.

Über 2000 Teilnehmer, über 200 Vorträge, Keynotes und Workshops, bis zu 13 parallel laufende Tracks, das ist die JAX 2018. JAXenter berichtet die ganze Woche über live von der Konferenz. Bleiben Sie dran!

 

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Hartmut Schlosser
Hartmut Schlosser
Content-Stratege, IT-Redakteur, Storyteller – als Online-Teamlead bei S&S Media ist Hartmut Schlosser immer auf der Suche nach der Geschichte hinter der News. SEO und KPIs isst er zum Frühstück. Satt machen ihn kreative Aktionen, die den Leser bewegen. @hschlosser
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