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Was bleibt?

JAX 2015: Die Sache mit den Containern

Marc Teufel, Matthias Lübken

JAX, das ist in erster Linie Information pur. Eine Woche lang sich über aktuelle Trends informieren oder sich über bereits etablierte Technologien auf den neuesten Stand bringen.

JAX ist aber noch mehr, auf der JAX treffen sich Menschen, diskutieren, tauschen Ideen aus, lernen Neues, lernen dazu, geben Erfahrungen weiter oder profitieren von den Erfahrung der Anderen. Es wird Networking betrieben, alte Freunde treffen sich, neue Freunde finden sich. Ideen werden geboren. Partnerschaften kommen zustande, Synergieeffekte überall.

Die JAX 2015 bot mit seinen mehr als 2000 Teilnehmern wieder viel Raum zum persönlichen Gespräch und zur Diskussion. Und mehr denn je zeigte die JAX in diesem Jahr Trends auf. Nach dieser JAX dürfte wohl auch dem letzten Teilnehmer unmissverständlich klar sein: Wir stehen vor neuen Herausforderungen. Glaubt man den Vortragenden, rollen gleich mehrere Revolutionen auf uns zu: Container, Microservices, Industrie 4.0, die Cloud, all das wird immer wichtiger. Für uns Entwickler wird es also wahrlich nie langweilig!

Die Sache mit den Containern

Wir müssen umdenken. Weg vom Monolithen, dem Application Server, hin zum Microservice. Microservice, Nanoservice – je kleiner desto besser! Weg von der Virtualisierung, hin zu Containern. Virtualisierung 2.0 quasi. Überhaupt war das Thema Container, wenn man durch das Programm der JAX schaut, in diesem Jahr eines der wichtigsten Themen. Wir sollen unsere Anwendungen also in Zukunft in Container packen und unsere Infrastruktur gleich mitbringen.

Wir sollen nicht mehr nur Anwendungen programmieren, sondern wir sollen zu „Infrastructure Codern“ werden. Im ersten Schritt unsere monolithischen Application Server abschaffen, stattdessen jede Enterprise-Anwendung in einem separaten Container bereitstellen und betreiben. Und zukünftige Anwendungen am besten so gestalten, dass nur noch einzelne Services entstehen. Möglichst kleine, gut testbare Einheiten. Je kleiner, desto besser. Es geht um Microservices, die Lösung all unserer Probleme?

Die Ideen der Vortragenden sind gut, doch wird sich noch zeigen müssen, ob sich dieser neue revolutionäre Denkansatz durchsetzen können wird. Spricht man mit den Teilnehmern der JAX, hört man immer wieder die gleichen Einschätzungen: Alles sei eine schöne Idee, doch man glaubt kaum, dass sich das so einfach und vor allem schnell in den IT-Abteilungen umsetzen und leben lässt. Auf der einen Seite ist im Bereich der Technologie noch vieles im Fluss. Docker beispielweise entwickelt sich rasant weiter, alle zwei Monate ein neues Release. Viele Tools rund um Docker entstehen gerade, einige werden sich durchsetzen, andere werden wieder verschwinden.

Die Frage ist, ob man in den IT-Abteilungen mit dieser schnellen Entwicklung mithalten können wird. Viele Administratoren wüssten zudem auch nichts mit Container-Technologie anzufangen, vermuten hinter der Sache nur einen weiteren Hype.

Für uns Entwickler ist diese ganze Container-Sache dennoch sehr spannend. Aus Sicht von Matthias Lübken (Spezialist für Container-Architekturen bei der Firma Giant Swarm) ist genau jetzt der richtige Zeitpunkt, sich mit dem Thema zu befassen. Container verbinden die Vorteile einer klassischen Virtualisierung mit einer Leichtgewichtigkeit, die völlig neue Einsatzmöglichkeiten bieten. Zwar wird der Begriff „Microservice“ in jüngster Zeit etwas überstrapaziert; trotzdem sind Container der ideale Enabler für solche Architekturen. Wir haben nun eine einfache Möglichkeit, unabhängige Module zu beschreiben, zu entwickeln und zu verteilen. Dabei setzen wir auf weit verbreitete Open-Source-Standards, die sicherstellen, dass sich unsere investierte Zeit auch langfristig rentiert.

Auch wenn sich die Toollandschaft in den nächsten Jahren noch stark weiter entwickeln wird, ist jeder Entwickler und Architekt eingeladen, sich seine Anwendung unter einem Microservice-Gedanken anzuschauen und erste Gehversuche mit echter Modularisierung mit Hilfe von Linux Containern zu wagen.

Desweiteren sollte die Beschreibung von Container-Images abteilungsübergreifend erfolgen. Admins können ihre Erfahrung bezüglich Stabilität und Wartbarkeit von Linuxsystemen einbringen, und Entwickler sind näher am produktiven System. Das führt zu kürzeren Feedbackzyklen und einem besseren gegenseitigen Verständnis. Auch im Betrieb können Container helfen, insbesondere wenn man einen Ansatz von „Immutable“ Containern fährt und seine Continous Integration/Continous Delivery-Pipeline auf Containern aufbaut. Zusammenfassend gesagt, können Container einen Anreiz bieten die Abteilungsgrenzen zwischen Dev und Ops etwas abzubauen und dem Thema DevOps eine gemeinsame Spielweise zu bieten.

Was bleibt?

Die JAX zu besuchen lohnt sich. Neben trendigen Themen wie den bereits angesprochenen Containern und Microservices kamen natürlich auch die traditionellen Inhalte nicht zu kurz. Neben Themen zu Java 8 bekam man Ausblicke auf Java 9 und das kommende Modularisierungssystem. Alternative Anwendungsarchitekturen nahmen breiten Raum ein: Von Resillient Software Design über Reactive Programming bis zu eventbasierten Architekturen auf Basis von JEE waren viele klassische Themen vertreten. Im Umfeld von Webanwendungen gab es genug Vorträge rund um JavaScript, TypeScript und Web Frameworks. Das Behandlung des Themas Sicherheit spielt seit Langem eine wichtige Rolle auf der JAX, so konnte man sich in diesem Jahr nach dem Genuss der einen oder anderen Security-Session durchaus die Frage stellen, ob man überhaupt noch Webanwendungen programmieren sollte.

Aber auch das ist JAX: Themen nicht immer im positiven Sinne zu betrachten sondern objektiv darzustellen, Nachteile aufzuzeigen und auch mal Kritik an der einen oder anderen Technologie üben. Die JAX wirkt, wie jedes Jahr, nach. Als Teilnehmer wird man jetzt erst mal die Vielfalt der Informationen und Eindrücke, die man erhalten hat, sortieren und verdauen müssen – und sich im Anschluss mit dem Thema, das im eigenen Betrieb zum Einsatz kommen soll, näher zu beschäftigen.

Wir wüschen allen Entwicklern und Teilnehmern der JAX eine gute Zeit nach der JAX und hoffen, dass auch in diesem Jahr viel Wissen transportiert wurde, das nachwirken kann, gedeihen kann und sich in den Betrieben durchsetzen wird. Nach der JAX ist vor der JAX, wir sehen uns im nächsten Jahr wieder –  und spannend wird dann vor allem die Frage sein, welche der Trends aus diesem Jahr sich durchsetzen konnte.

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Geschrieben von
Marc Teufel
Marc Teufel
Marc Teufel arbeitet als Projektleiter und Softwarearchitekt bei der hama GmbH & Co KG und ist dort für die Durchführung von Softwareprojekten im Bereich internationale Logistik zuständig. Er ist Autor zahlreicher Fachartikel im Web-Services- und Eclipse-Umfeld. Er hat drei Bücher zu Web Services veröffentlicht, sein aktuelles Buch „Eclipse 4 – Rich Clients mit dem Eclipse 4.2 SDK“ ist kürzlich bei entwickler.press erschienen.
Matthias Lübken

Matthias Lübken ist Produktmanager bei Giant Swarm in Köln. Er hatlangjährige Erfahrung mit verschiedenen Aspekten derSoftwareentwicklung. Gegenwärtig beschäftigt er sich hauptsächlich mitdem Aufbau und der Organisation von Produktteams. WeitereInformationen unter http://luebken.com/about.

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