Master ist out, Main ist in

Abschied von „Master“ im Code: V8 und GitHub ändern Namensgebung

Ann-Cathrin Klose

© Shutterstock / HAKINMHAN

In V8 gibt es künftig eine neue Strategie zur Benennung von Code-Bestandteilen, die auf rassistische und anderweitig diskriminierende Begriffe verzichten soll. Auch GitHub macht in dieser Hinsicht Nägel mit Köpfen: Zum 1.10. ändert die Plattform ihren Standard zur Benennung von Code-Zweigen in den Repositories.

V8, die JavaScript-Engine von Chrome, will in Zukunft respektvollere Bezeichnungen im Code verwenden. Deshalb soll der Begriff Master dort durch Begriffe wie primary, controller, leader, host ersetzt werden. Diese Neuerung steht natürlich im Kontext der Diskussion, die im Sommer aus der „Black Lives Matter“-Bewegung entstanden ist. Master und Slave, geläufige Bezeichnungen für über- und untergeordnete Strukturen in IT-Systemen, wurden für ihren Anklang an die Machtstrukturen aus Zeiten der Versklavung kritisiert. V8 greift nun allerdings nicht nur diesen Aspekt auf. Auch sane und insane, crazy, blacklist und whitelist, sowie redline sollen künftig durch Begriffe ersetzt werden, die nicht als respektlos gegenüber bestimmten Personengruppen verstanden werden können. Die Initiative wurde mit dem Release von V8 v8.6 bekannt gegeben; Interessierte können sich an der Umbenennung beteiligen.

GitHub steigt auf Main-Branch um: Neuerung zum 1.10.

Git hatte bereits mit der Veröffentlichung von Version 2.28 im Juli angekündigt, in Zukunft ebenfalls eine alternative Bezeichnung zum Wort Master für den zentralen Zweig eines Repositories ermöglichen zu wollen; dies sollte jedoch optional bleiben. Auch GitLab hat ein entsprechendes Projekt gestartet. Für GitHub gab es bereits früh im Rahmen der Diskussion über das Thema eine Ankündigung, dass das Unternehmen sich mit dem Problem befassen wollen. Nun wird es ernst: Zum 1. Oktober erhalten neu erstellte Repositories auf GitHub nicht mehr die Bezeichnung Master für den ersten Branch, sondern werden an dieser Stelle mit Main benannt. Für GitHub-Nutzer, die bereits ein Repository pflegen, ändert das aber erst einmal nichts. Eine Namensänderung in bestehenden Repositories könne noch mit einigen Schwierigkeiten einhergehen, wie das Unternehmen erklärt. Zum Jahresende soll aber eine Lösung zur Verfügung stehen, die automatisch alle notwendigen Änderungen an PRs und Verweisen innerhalb eines Projekts vornehmen könne und die Inhaber von Repositories auf notwendige manuelle Anpassungen hinweist. Auch bei neu erstellten Projekten bleibt es optional möglich, auch in Zukunft mit dem Begriff Master zu arbeiten. Das muss jedoch manuell eingestellt werden.

Neben der durchaus umstrittenen Argumentation, dass Master-Branches an rassistische Verwendungen des Begriffs erinnern und somit verletzend sein können, verweist GitLab auch auf eine Ambiguität in der Benennung. So sei der Begriff Master vielen Entwicklern eher im Kontext von Konfigurationsoptionen geläufig als hinsichtlich der Struktur von Repositories. Eine Umbenennung könne also auch jenseits der rassistischen Komponente vorteilhaft sein.

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Ann-Cathrin Klose
Ann-Cathrin Klose
Ann-Cathrin Klose hat allgemeine Sprachwissenschaft, Geschichte und Philosophie an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz studiert. Bereits seit Februar 2015 arbeitete sie als redaktionelle Assistentin bei Software & Support Media und ist seit Oktober 2017 Redakteurin. Zuvor war sie als freie Autorin tätig, ihre ersten redaktionellen Erfahrungen hat sie bei einer Tageszeitung gesammelt.
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Wenn schon Sprachsäuberungen wie in totalitären Regimen durchgeführt werden, dann sollte auch der Master of Science dem zum Opfer fallen.