React unter allen Befragten das beliebteste Framework

Erster State-of-Frontend-Bericht veröffentlicht

Jean Kiltz

© Shutterstock / NicoElNino

Die Entwickler-Firma The Software House hat zum ersten Mal ihren Bericht „The State of Frontend“ herausgegeben. Mit knapp 4.500 Teilnehmern weltweit ist er damit der größte Bericht zu diesem Thema. Besonders überraschend sind die Antworten der befragten Entwickler zu den Themen Framworks und Hosting. Aber auch abseits davon liefert der umfassende Bericht spannende Ergebnisse.

Zum ersten Mal ist „The State of Frontend“ der Firma The Software House erschienen. Für Aufsehen sorgte, dass React unter den Befragten häufiger verwendet wurde als Vue.js und Angular zusammen. Ebeneso interessant erscheint in der Auswertung, dass fast jeder zweite Entwickler noch auf private Server zum Hosten von Websites setzt.

Die Entwickler-Firma aus Polen hat für ihren Bericht die Antworten von 4.500 Frontend Developern aus aller Welt ausgewertet. Die größten Teilnehmergruppen stammen mit 1.000 Befragten aus Nordamerika, 1.000 aus Westeuropa und 1.500 aus Osteuropa (zu dem auch Russland gerechnet wird). Als Ziel hat sich der Survey gesetzt, den beruflichen Alltag von Frontend-Entwicklern mit allen dazugehörigen Werkzeugen und Arbeitsvorgängen abzubilden. Um diese Antworten besser einordnen zu können, kommentierten Spezialisten aus den einzelnen Themengebieten die Ergebnisse.

Und das beliebteste Framework ist…

React. Denn danach gefragt, mit welchem Framework die Entwickler am liebsten arbeiten würden, steht React mit fast 69% an der Spitze – gefolgt von Vue, das immerhin auf ca 45% kommt. Es scheint sich hier allerdings ein Trend hin zu Svelete abzubilden: Das – laut Bericht – „Next-Generation-Framework“ kommt auf 36% Zustimmungswerte. Damit steht es immerhin vor Angular mit rund 27 Prozent. Der befragte Experte, Dylan Schiemann CEO von Living Spec, Mithersteller von Dojo, macht das an der verspäteten Auslieferung von Ivy und dem damit einhergehenden Frust in der Community fest.

Sieht man sich hingegen an, mit welchen Frameworks die Entwickler innerhalb des letzten Jahres tatsächlich gearbeitet haben, steht Svelte mit ca. 12% etwas abgeschlagen dar. Auch bei dieser Frage steht React mit sogar 74% ganz oben. Danach kommen Angular mit 33 und Vue.js mit knapp 30%. React ist also bei weitem führend und wurde häufiger verwendet als die beiden nachfolgenden Frameworks.

Im Zusammenhang mit den verwendeten Frameworks lagen für die Macher des Berichts auch Fragen nach der Verbreitung von TypeScript unter Frontend-Entwicklern nahe. So gaben mehr als drei Viertel der Teilnehmer an, TypeScript im letzten Jahr verwendet zu haben und 54% würden die Sprache lieber als JavaScript benutzen, wenn sie die Wahl hätten. Dies spiegelt sich auch in den Einschätzungen der Teilnehmer wider, wohin sich TypeScript entwickeln wird: Fast 30% glauben, dass JavaScript sich in eine Art TypeScript wandeln wird. Ein weiteres, knappes Drittel meint, TypeScript werde am populärsten werden. Ein Viertel meint JavaScript bleibt auf seinem Thron und 14% denken, beide Sprachen kommen auf die gleichen Beliebtheitswerte innerhalb der nächsten 2-3 Jahre. Weniger als 2% der Befragten schätzen, dass TypeScript bis dahin komplett vergessen sein wird.

Wie wird gehostet?

Laut Bericht betreiben offenbar immer noch 44% der Teilnehmer ihre eigenen Server. Unter denen, die einen Cloud-Anbieter wählten, entschieden sich 39% für AWS. Damit benutzen die Befragten häufiger Dienste von Amazon als solche von Google (14%) und Microsoft (12%) zusammen. Selbst Netlify kommt in diesem Survey mit seinen Software-Lösungen auf 23%.

In dem Zusammenhang fragten die Macher des Berichts nach der Verbreitung von Continuous Integration (CI). Mehr als drei Viertel der Befragten verwenden CI. Am beliebtesten sind hier die Lösungen von GitLab CI und GitHub Actions mit jeweils rund 35%. Fast gleichauf folgt Jenkins mit knapp 34%. Die Azure-Lösung liegt bei 13%.

Verbreitung von JAMstack

Nur ein Drittel der Befragten haben schon Webseiten mit der neuen Architektur-Methode JAMstack gebaut. Am häufigsten wurde die Lösung Gatsby mit 54 Prozent verwendet. Knapp dahinter mit 52 Prozent Next.js. Weit abgeschlagen ist der nächste Verfolger, Nuxt, mit rund 16 Prozent. JAMstack (bestehend aus JavaScript, API und Mark-up) ist eine Architektur-Methode, ein sogenannter Static Site Generator.

Wer kümmert sich um SEO?

Geht man den bloßen Zahlen nach, betätigen sich Frontend-Entwickler nicht so häufig auf dem Feld von Search Engine Optimization: Nur knapp 48% der Befragten wenden SEO an. Der Experte Tomek Rudzki, Teamleiter von R&D bei Onely, führt das darauf zurück, dass viele Entwickler vermutlich passwortgeschützte Applikationen für interne Zwecke herstellen, die natürlich nicht gefunden werden dürfen. Er warnt allerdings alle anderen Developer davor, SEO zu vernachlässigen, da den Webseitenbetreibern so Aufmerksamkeit und damit eventuelle Einnahmen verloren gingen. Mit der Frage nach der persönlichen Verantwortlichkeit eines jeden Developers für SEO, können außerdem keine Rückschlüsse darauf gezogen werden, ob nicht doch z.B. ein eigener SEO-Beauftragter für das jeweilige Produkt vorhanden ist.

Und wer um Accessibilty?

Das Thema Accessibility kommt unter den Befragten auf ähnliche Werte wie SEO. Etwas mehr als die Hälfte der Teilnehmer nimmt Rücksicht auf diesen Aspekt. Von diesen verwenden nahezu alle, nämlich 89%, alternative Image-Attribute. Mehr als drei Viertel bedienen sich des ARIA-Konzepts. Fast genauso viele (73%) ermöglichen reine Tastaturnavigation und 70 Prozent bieten gesonderte Farbkontraste auf ihren Webseiten an.

Die Zukunft der Frontend-Entwicklung

Als Letztes wurden die Befragten um Einschätzungen zum Thema Trends und Lösungen, die in 3 Jahren verschwunden sein werden, gebeten. Mehr als ein Drittel der Entwickler antworteten, dass die State-Management-Lösung Redux komplett obsolet sein werde. Wahrscheinlich aufgrund des Zuspruches, den React Hooks erhält, obwohl diese Lösung noch relativ jung ist. Vermutlich in diesem Zusammenhang war Herausgeber des Bericht überrascht von der Geschwindigkeit, mit denen Entwicklungen im Frontend-Bereich vor sich gehen.

 

Wer sich über die Methoden oder den Inhalt des Berichts ausführlicher informieren möchte, kann sich auf der Webseite von The Software House das entsprechende PDF herunterladen.

Geschrieben von
Jean Kiltz
Jean Kiltz ist seit März 2020 Redakteur bei Software & Support Media. Er hat Geschichte und Kulturanthropologie an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz studiert. Danach war er beim ZDF als First-Level-IT-Support angestellt.
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