Peter Kröner im Interview

„Wenn Java-Brutalismus ins Web transplantiert werden soll, sterbe ich lieber durch ‚undefined is not a function‘.“

Ann-Cathrin Klose

© Shutterstock / Hafiez Razali

Drei Fragen zu JavaScript: ECMAScript oder TypeScript, Hürden für Umsteiger und Trends in Sachen Web-Tech: Wir haben Webtechnologie-Erklärbär Peter Kröner gefragt, wie er zu diesen Themen steht. Seine Antworten gibt es im großen Experten-Check zu den JavaScript Days.

JAXenter: ECMAScript oder TypeScript: Was bevorzugst du (unter welchen Umständen)?

Peter Kröner: Wenn es sich um ein ernsthaftes Projekt und keinen Nachmittags-Hack handelt und ich ausschließlich mit in TypeScript kompetenten Personen zusammenarbeiten darf, nehme ich gerne TypeScript. Wenn hingegen die Kollegen einen Java-Brutalismus 1:1 ins Web transplantieren, sterbe ich lieber durch “undefined is not a function”.

JAXenter: JavaScript wird häufig nicht als erste Programmiersprache erlernt. Wo liegt die größte Hürde für Entwickler, die aus anderen Sprache umsteigen wollen?

Peter Kröner: Die Probleme liegen meiner Meinung nach nicht so sehr in JavaScript, denn das ist als Programmiersprache mittlerweile für alle denkbaren Zielgruppen recht zugänglich. Knifflig wird es, wenn man heutzutage versucht, mit JavaScript ein Web-Frontend zu bauen und dabei alle Technologien zweckdienlich einzusetzen (semantisches HTML, CSS) und alles nicht-offensichtliche zu bedenken (Responsivität, Zugänglichkeit, Performance). Selbst für hartgesottene Webentwickler der ersten Stunde ist das schon schwer genug und für Umsteiger nahezu unmöglich. Die Schuld dafür suche ich bei den Tools und Frameworks, denn die machen es zu einfach, das Falsche zu tun und zu schwer, das Richtige zu tun.

JAXenter: Web Components, PWAs, Frameworks, Serverless, WebAssembly, Cross Platform und vieles mehr: Was ist für dich der zukunftsweisende Trend in der WebTech-Welt?

Peter Kröner: An aus Entwicklersicht wahrnehmbaren Trends sind sicherlich die zunehmende Dominanz von TypeScript und die heute noch gar nicht absehbaren Möglichkeiten von WebAssemby zu nennen. Dringend nötig fände ich, dass Frontend-Frameworks endlich mal anfangen, Arbeit abseits des Main-Threads zu verrichten, aber das ist eher ein Update unter der Haube.

Der bekannte Webtechnologieexperte und Buchautor Peter Kröner forscht über die Webstandards von morgen. Was er über HTML5, CSS3 und neue JavaScript-Standards herausfindet, schreibt er in Bücher und Blogposts oder vermittelt es in Seminaren, Workshops und Vorträgen im ganzen Land weiter. Zuvor war er als selbstständiger Webdesigner und Frontend-Entwickler tätig.
Geschrieben von
Ann-Cathrin Klose
Ann-Cathrin Klose
Ann-Cathrin Klose hat allgemeine Sprachwissenschaft, Geschichte und Philosophie an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz studiert. Bereits seit Februar 2015 arbeitete sie als redaktionelle Assistentin bei Software & Support Media und ist seit Oktober 2017 Redakteurin. Zuvor war sie als freie Autorin tätig, ihre ersten redaktionellen Erfahrungen hat sie bei einer Tageszeitung gesammelt.
Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar

4 Kommentare auf "„Wenn Java-Brutalismus ins Web transplantiert werden soll, sterbe ich lieber durch ‚undefined is not a function‘.“"

avatar
4000
  Subscribe  
Benachrichtige mich zu:
Irgendwer
Gast

„Die Probleme liegen meiner Meinung nach nicht so sehr in JavaScript“

Wer mit JavaScript seinen Lebensunterhalt verdient, wird hier kaum auf die viele Schwächen eingehen wollen.
Ein kleiner Gedankenanstoß. Wenn JS wirklich so perfekt wäre, würde es TypeScript nicht geben. Java als Programmiersprache, aber auch das Ökosystem drumherum, beweist seit Jahrzehnten seine Leistungsfähigkeit. Wer Enterprise Applikationen entwickeln will und mit Java nicht umgehen kann, sollte einen anderen Beruf einschlagen.

Luca L
Gast
Naja er würde sein Geld auch weiterhin damit verdienen wenn er es als unzureichend empfinden würde, denn für das Web Frontend gibt es ja nicht wirklich Alternativen. Aber es gibt auch einen klaren Unterschied zwischen es könnte besser sein und „unzureichend“. Mit der gleichen Argumentation könnte man sonst auch behaupten, dass Java unzureichend ist, weil man ja eh immer neue Versionen veröffentlicht werden. Zumal Typescript ja auch nur Features in Bezug auf das bessere Programmieren bringt, aber keine funktionalen Vorteile hat. Ich würde die Aussage so deuten, dass Typescript eine gute Sache ist, aber er sich nicht wünscht, dass die… Read more »
Irgendwer
Gast
Produkte lassen sich nur mit positiver Außenwirkung gut verkaufen. Die gibt es wie z.B Binding.scala oder TeaVM. Nach dem Kommutativgesetz ist {} + [] = [] + {}. In JS ist {} + [] = 0 und [] + {} = „[object Object]“, um nur ein Beispiel zu nennen. JS ist eine unschlüssige Sprache, für große Projekte gänzlich ungeeignet und bereitet uns sehr oft Kopfschmerzen, besonders im Backend mit Node.js. TypeScript erweitert JS u.a. um statische Typisierung, was schon einmal einen großen Fortschritt darstellt. Dies ist in Java auch nicht immer notwendig und Interfaces gibt es auch in TypeScript aus… Read more »
Irgendwer
Gast

Sinnlose Headline…