Javas neue Heimat auf iOS-Geräten?

Judith Lungstraß

Java-Anwendungen auf Apple-Geräte zu bekommen, war bislang ein logistischer Albtraum. Auch Workarounds wie Oracle ADF Mobile verschafften hier nicht wirklich Abhilfe. Das kürzlich erschienene OpenJDK JEP (Java Enhancement Proposal) mit dem Titel Statically-Linked JNI Libraries aber soll nun Java und iOS näher zusammen bringen.

Das Proposal möchte das JDK so verändern, dass man eine Java Runtime, nativen Anwendungs-Code und Java-Anwendungs-Code in ein einziges Binary verpacken könnte – und zwar ganz ohne Shared-Native-Bibliotheken oder Änderungen am bestehenden Java-Code. Ein weiteres Ziel des JEP 178 besteht darin, im Zusammenspiel mit Java-Anwendungen sowohl statische als auch dynamische native Bibliotheken zu erlauben.

Obwohl sich die Spezifikationen des Proposals nicht direkt auf iOS beziehen, wird eine mögliche Java-Implementierung auf der Apple-Plattform im E-Mail-Verteiler heiß diskutiert. Und auch Java-Gründer James Gosling vermutet, dass JEP 178 genutzt werden könnte, „um den Apple Terms of Service gerecht zu werden, ohne die Code-Generierung ausschalten zu müssen“. Gegenüber dem Nachrichtenportal InfoWorld sprach er von der großen Bedeutung des Proposals für Java im Embedded-Sektor.

„Vollständige JDK-Implementierungen sind in der Embedded-Java-Welt gerade erst angekommen,“ erklärte Gosling. „Da Embedded Devices kaum mehr Speichereinschränkungen haben, werden abgespeckte Versionen wie Java ME (Micro Edition) nicht mehr benötigt. Um aber tatsächlich das komplette JDK nutzen zu können, muss dieses mit der Packaging-Umgebung klar kommen.“

Auch in anderen Bereichen bemüht sich Oracle, iOS stärker einzubeziehen, im Februar etwa kündigte Richard Bair, Chief Architect der Client Java Platform, Pläne einer freien JavaFX-Portierung zu iOS und Android an. Dieses Vorhaben könnte der Java-Plattform neue Impulse geben – wenn auch bis zu seiner Realisierung noch einige Zeit vergehen dürfte und einige Hürden genommen werden müssen.

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Judith Lungstraß
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