UI-Technologien unter der Lupe

JavaOne Tagebuch – Tag 3 a.k.a. Tag 4

Lars Röwekamp

Als ich heute Morgen aufgewacht bin, hatte ich kurz die Befürchtung, einen kompletten Tag verschlafen zu haben. In meiner Inbox befand sich eine eMail von Oracle mit dem Betreff „Welcome to the JavaOne – Day 4“. Dabei war nach meiner Zeitrechnung doch eigentlich erst Tag 3 an der Reihe. O.k. ich war gestern noch mit ein paar Freunden das eine oder andere Bier trinken – aber so wild war es doch nun wirklich nicht. Scheinbar zählt Oracle den Sonntag mit seinen Workshops und den University-Veranstaltungen bereits als ersten Tag der Konferenz. Dann also herzlich willkommen zu Tag 4 der JavaOne.

RIA Panel: UI-Technologien unter der Lupe

Wenn ich mir so meine Tagebucheinträge der letzten Tage anschaue, dann muss ich zugegeben, dass ich das Thema „UI-Technologien“ ein wenig vernachlässigt habe. Nicht dass es mich nicht interessieren würde. Aber irgendwie gab es parallel zu den UI-Sessions immer noch mindestens einen spannenderen Talk aus einem anderen Bereich – kein Wunder bei 15+ parallelen Veranstaltungen. Zum Glück fand heute ein RIA Panel mit etlichen namenhaften Vertretern der UI Community statt, so dass ich mir in kurzer Zeit ein sehr gutes Update über den Status Quo der UI-Welt verschaffen konnte.

Die Session startete mit einer Umfrage, wer aus dem Auditorium welche UI-Technologie bzw. welches UI-Framework nutzt. Dabei wurden sowohl Java-basierte als auch JavaScript-Frameworks angesprochen. Natürlich ist das Ergebnis nicht wirklich repräsentativ, berücksichtigt man, dass wir uns auf eine Oracle Java-Konferenz befinden. Es war aber schon interessant zu sehen, dass HTML 5 & Friends und JavaFX deutlich die Nase vorne hatten, während sich bei Swing, SWT oder GWT kaum ein Teilnehmer gemeldet hat.

Auf die Frage, wer (noch) Dart nutze – Ihr wisst schon, die Programmiersprachenrevolution von Google – gab es lediglich Gelächter im Raum. Ein „Deep Dive“ in die Untiefen der JavaScript-Frameworks zeigte im Anschluss, dass Angular – zumindest bei den Teilnehmern – nach wie vor am beliebtesten zu sein scheint. Bleibt abzuwarten, ob dies auch nach dem in Kürze anstehenden Launch der nicht abwärtskompatiblen Version 2 weiterhin so bleibt, oder ob der eine oder andere auf das derzeit sehr populäre React-Framework wechseln wird. Auch Oracle hat übrigens mit Oracle JET ein eigenes JavaScript-Framework am Start. Dank der guten Integration für andere Oracle-Produkte sicherlich interessant für Kunden, die bereits auf den Oracle Stack setzen. Ansonsten aber eher nur eines von vielen, vielen Frameworks im JavaScript Dschungel.

Hier sind wir auch schon beim Thema „It is one thing to choose the latest greatest but it is another thing to find a durable solution“, so Andres Almiray von Canoo . Es ist nach wie vor alles andere als trivial, das richtige JavaScript-Framework auszuwählen. Aber das ist ja nun – leider – wirklich nichts Neues.

„HTML5 hat seinen Platz – aber nicht auf meinem Smartphone!“

Auf die Frage „HTML5 vs. Native“ für mobile Devices waren sich alle Panel-Referenten einig. Wenn es um eine interne Unternehmensanwendung geht, bei der die UI und UX nicht wirklich ausschlaggebend ist, dann kann durchaus auf aktuelle Web-Technologien zurückgegriffen werden. Wer dabei nicht auf sein geliebtes Java verzichten kann bzw. den Medienbruch zwischen HTML5/JavaScript und Java vermeiden möchte, findet in DukeScript  – Gewinner des Duke Choise 2014 – und den Tools von Gluon zwei mögliche Lösungen zur Cross-Platform-Anwendungsentwicklung auf Basis von Java.

Geht man allerdings mit seiner App in die Öffentlichkeit, dann ist Native die einzig wahre Lösung, so die einhellige Meinung.

You realy want that the app looks and feels like the native platform and like other apps on the device!

So lautete einer der Kommentare zum Thema. Etwas extremer, aber mindestens genau so passend, formulierte es Kevin Nielsen von Google:

HTML5 has its place – but not on my phone!

Mission Critical & Rich Client Apps

Genauso wenig wie auf dem Smartphone oder Tablet sieht das Panel HTML5 & Friends als mögliche Lösung für Mission-Critical- bzw. Rich-Client-Anwendungen. „Mission critical things, believe me, they don’t run on the web“, meinte dazu Andres Almiray und führte als Beispiel ein Projekt des CERN an. Dazu passt auch ein Zitat von James Gosling, das er während der Präsentation einer RIA-Oberfläche zur Steuerung von Wasser-Robotern zum Besten gab:

You don’t want to do this in HTML5!

Der Grund, weswegen für viele Unternehmen HTML5 überhaupt eine Alternative für ihre Anwendungen ist, liegt in dem extrem einfachen Deployment-Szenario. Hier kam von Johan Vos, Gluon, der Pro-Tipp, doch einfach die eigene Java-Anwendung mittels javapacker bzw. javafxpacker mit dem passenden JDK zu bundlen, um so das Problem falscher oder nicht vorhandener JDKs auf dem Zielrechner zu umgehen. Sollte das normale JDK für diesen Zweck zu groß sein, kann auf das deutlich kleinere Compact 2 Profile zurück gegriffen werden.

Und was ist mit JavaFX?

Komischerweise kam das Thema JavaFX in dem Panel kaum zur Sprache. Das lag aber wohl eher daran, dass man Javas „neue“ UI-Technologie mittlerweile als gesetzt ansieht. Berücksichtigt man, wie sehr im Panel über Swing, SWT und GWT hergezogen wurde, ist kein Kommentar zu JavaFX auch ein Kommentar – nämlich ein positiver.

Dass JavaFX mittlerweile in der Java Community angekommen ist und dort großen Anklang findet, zeigen die vielen, vielen JavaFX-Sessions auf der JavaOne, die durchweg gut besucht sind.

BTW: Nach dem Motto „Eat your own dogfoot“ finden sich überall auf der Konferenz JavaFX-basierte Voting Maschinen. Coole Aktion, die bei den Teilnehmern sehr gut ankommt und zeigt, wie viel Spaß JavaFX machen kann.

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Hendrik Ebbers und Michael Heinreichs amüsieren sich mit der „JavaOne Voting Machine“

 

Morgen steht leider schon der letzte Tag der JavaOne an. Für mich steht das Thema „Mircoservices und Java“ auf der Agenda. Ich freue mich schon drauf.

In diesem Sinne: Stay tuned …!

Geschrieben von
Lars Röwekamp
Lars Röwekamp
Lars Röwekamp ist Gründer des IT-Beratungs- und Entwicklungsunternehmens open knowledge GmbH, beschäftigt sich im Rahmen seiner Tätigkeit als „CIO New Technologies“ mit der eingehenden Analyse und Bewertung neuer Software- und Technologietrends. Ein besonderer Schwerpunkt seiner Arbeit liegt derzeit in den Bereichen Enterprise und Mobile Computing, wobei neben Design- und Architekturfragen insbesondere die Real-Life-Aspekte im Fokus seiner Betrachtung stehen. Lars Röwekamp, Autor mehrerer Fachartikel und -bücher, beschäftigt sich seit der Geburtsstunde von Java mit dieser Programmiersprache, wobei er einen Großteil seiner praktischen Erfahrungen im Rahmen großer internationaler Projekte sammeln konnte.
Kommentare

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2 Kommentare auf "JavaOne Tagebuch – Tag 3 a.k.a. Tag 4"

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Andeas Alimray?
Oder nicht doch eher Andres Almiray?

Lars Röwekamp
Gast

absolut korrekt! Es muss Andres Almiray heissen. Wird umgehende korrigiert. Sorry für den Typo @aalmiray!