Kommentar: Hat Oracle das Interesse an Java verloren?

Niko Köbler

Niko Köbler

Aus JavaOne wird CodeOne – das hat Oracle zur Überraschung der Community angekündigt. Niko Köbler kommentiert die Entscheidung, die traditionsreiche JavaOne-Konferenz „umzubenennen“, und stellt die Frage, welchen Stellenwert Java bei Oracle noch einnimmt.

JavaOne Gone

Die Entwicklung hin zur “Code One” ist nicht wirklich überraschend, schaut man sich die Aktivitäten von Oracle in den letzten Monaten an. Vor zwei Jahren wurde, nachdem Oracle zuvor das Thema Cloud fast totgeschwiegen hat, plötzlich von fast nichts mehr Anderem als Cloud geredet. Auch wenn Oracle teilweise eine sehr eigene Ansicht davon hat, wie die Cloud auszusehen hat. Durch das Thema Cloud kamen dann natürlich weitere Themen in den Fokus, wie Microservices, Container, DevOps, etc. – also alles sehr weite und allgemeine Entwickler-Themen. Letztes Jahr veranstaltete Oracle dann zum ersten Mal die dezentrale 1-Tages Konferenzreihe “Oracle Code”, die sich nicht mehr nur auf Java-Themen konzentrierte. Als logische Konsequenz ersetzt Oracle jetzt die JavaOne mit der “Code One”.

Erneut schleicht sich bei mir das Gefühl ein, dass Oracle das Interesse an Java als Programmiersprache und Ökosystem verloren hat. Zuerst der Verzug in der  Weiterentwicklung von Java EE, dann die Abgabe an die Eclipse Foundation. Auch die Entwicklungsumgebung NetBeans wurde in andere Hände (Apache Foundation) übergeben. Und jetzt trägt DIE Java-Konferenz in der Community auch nicht mehr den Namen “Java” im Titel.

Ich finde das mehr als traurig. Immerhin ist Oracle die Namens- und Rechteinhaberin der Marke “Java” und gleichzeitig auch für die Entwicklung der Sprache selbst verantwortlich. Und als Eigentümer einer Sache hat man auch eine gewisse Verantwortung gegenüber der Community und seinen Anwendern, wie diese Sache, in dem Fall das Java-Ökosystem, wahrgenommen und vermarktet wird.

Manchmal fühle ich mich dabei ein bisschen an Pipi Langstrumpf erinnert: „Ich mach mir die Welt, widde widde wie sie mir gefällt!“

HINTERGRUND ZUM THEMA:

Adieu JavaOne: Neue Konferenz Oracle Code One angekündigt

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Niko Köbler
Niko Köbler ist freiberuflicher Software-Architekt, Developer & Trainer für Java & JavaScript-(Enterprise-)Lösungen, Integrationen und Webdevelopment. Er ist Co-Lead der JUG Darmstadt, schreibt Artikel für Fachmagazine und ist regelmäßig als Sprecher auf internationalen Fachkonferenzen anzutreffen. Niko twittert @dasniko.
Kommentare
  1. Entwickler2018-04-20 17:57:02

    „in der auch Themen aus anderen Sprachen-Communities vertreten sein sollen: Genannt werden Go, Rust, Python, JavaScript, R.
    Die traditionellen Java Keynotes der JavaOne-Konferenzen sollen beibehalten werden. In der technischen Java-Keynote präsentieren Architekten des Java-Plattform-Teams die neuesten Entwicklungen rund um Java 10, Java 11, OpenJDK, etc. Server-seitige Java-EE-Technologien bilden einen weiteren Schwerpunkt: Themen wie Jakarta EE, Spring, Microservices und Container sollen ausgiebig diskutiert werden.
    Insgesamt sind 11 Tracks für Java-Inhalte reserviert. Zudem sollen  Kurzvorträge von JUGs sowie Code4Kids Workshops für einen ausreichenden Java-Fokus sorgen“
    https://jaxenter.de/adieu-javaone-oracle-code-one-70233

    Hat Oracle nicht, denn der Schwerpunkt liegt weiterhin auf Java wie in einem anderen Beitrag trefflich festgestellt wurde. Aber seit der GraalVM scheint es so, als wenn Oracle viele Sprachen an ihre JVM binden möchte, die dann problemlos in ihrer Cloud laufen können. Dies erklärt Themen wie Python, JavaScript und R. Zudem ist festzuhalten, daß seit Oracles Ankündigung viele Projekte der Gemeinde zu übergeben, eine noch nie dagewesene Dynamik sich entwickelt hat. Meiner Ansicht war dies die beste Entscheidung, die Oracle treffen konnte. Wie agil ein Projekt in Händen der Gemeinde sein kann, wird an Spring ersichtlich.

    http://www.graalvm.org/

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