Im Gespräch mit Sven Peters

JavaOne: Avatar, JavaFX & Tops und Flopps

Die JavaOne ist zu Ende. Software-Geek und Atlassian-Botschafter Sven Peters zieht ein persönliches Fazit: Was war Top, was war Flopp?

JAXenter: Was waren für Sie die Big Exciting News auf der JavaOne 2011?

Sven Peters: Ich fand es interessant zu sehen, wie die konkreten Sprachfeatures für Lambda Expressions in Java 8 aussehen. Auch die Einführung von „Default Methods“ war für mich neu und sehr interessant. Ich kann es kaum abwarten, diese in Java auszuprobieren. Ich bin gespannt darauf, wie sich die mit JRE gebundelten iOS und Android Apps weiterentwickeln.

JAXenter: Und was war die größte Enttäuschung?

Sven Peters: Eine der größten Enttäuschungen für mich war es, dass Oracle das Release von Java 8 auf Sommer 2013 verschoben hat. Ich hoffe, das bleibt die letzte Verschiebung, denn ich möchte Lambda Expressions so früh wie möglich im Produktivcode einsetzen. Die Qualität der Talks und Sprecher waren sehr gut. Allerdings haben mir JavaOne-Veteranen alle bestätigt, dass das Gemeinschaftsgefühl der Entwickler durch die Zusammenlegung mit der Oracle World und dem Umzug der JavaOne zur Mason Street sehr gelitten hat.

JAXenter: Oracle hält an JavaFX fest und pusht es weiter voran. Ist das neue Release Ihrer Meinung nach erfolgsversprechend?

Sven Peters: Ich sehe die Zukunft von JavaFX eher auf der Desktop-Ebene. Auch wenn heutzutage viele HTML-5-Browser-Applikationen entstehen, glaube ich, dass wir das Ende von Rich-Desktop-Anwendungen noch nicht erreicht haben und diese in Zukunft auch noch wichtig bleiben. Daher sehe ich JavaFX an erster Stelle als Swing- oder SWT-Ersatz für besser aussehende, animierte und schnelle Desktop Apps. Interessant könnte JavaFX auch für in Java geschriebene iOS Apps – gebundelt mit der JRE – werden.

JAXenter: Project Avatar wurde erwähnt, aber nicht im Detail erklärt. Was konnten Sie in Erfahrung bringen?

Sven Peters: Projekt Avatar war schon ein großes Gesprächsthema auf den Fluren der JavaOne. Allerdings konnte mir keiner, den ich getroffen habe, mehr technische Details darüber berichten. Es bleibt also die Aussage aus der Keynote: Project Avatar ist eine Symbiose aus HTML 5 und Java, die das alte Motto „Write Once, Run Anywhere“ ins Rich-Web-Zeitalter übertragen soll.

JAXenter: Die letzte Keynote widmete Oracle der Community – wie bewerten Sie den Einfluss der User Groups und das Adopt-A-JSR-Programm?

Sven Peters: Ich bin mir nicht ganz sicher, ob Oracle das Java-User-Group-Konzept und den Spirit in der Community richtig verstanden hat. In der Vergangenheit hatte ich das Gefühl, dass die Community nicht ernst genug genommen wurde und Oracle gerne mehr Kontrolle hätte. Allerdings hat Oracle dem Thema auf der JavaOne eine komplette Keynote gewidmet. Vielleicht hat man den Wert der Community jetzt verstanden und wird diese in Zukunft ernster nehmen. Ein Programm wie Adopt-A-JSR ist meiner Meinung nach netter Versuch, die Community mehr zu integrieren. Ich habe aber das Gefühl, dass es noch vor 5 Jahren nicht nötig war, hierfür ein extra Programm zu starten.

JAXenter: Auf der kommenden W-JAX halten Sie einen Talk zum Thema „Warum Code altert – Tipps, wie Wartungsprojekte frisch bleiben“. Was können die Teilnehmer hier erwarten?

Sven Peters: Sobald die erste Version einer Software released wird, entwickelt sich ein Projekt zum Wartungsprojekt. Wenn man nicht besonderes Augenmerk auf Codequalität legt, sondern darauf, dass möglichst viele neue Features in kürzester Zeit hinzugefügt werden, fängt der Code schnell an zu verschmutzen. Das führt im Extremfall dazu, dass Code aus Angst, etwas anderes könne kaputt gehen, nicht geändert wird oder durch „ranstückeln“ von Code noch mehr verschmutzt. Ich werde aufzeigen, wie man solche Verschmutzungsszenarien verhindern kann und bereits schwer wartbaren Code langsam und mit möglichst wenig Schmerzen wieder säubert. Denn wenn Programmierer wieder Spaß haben, Code zu ändern und zu erweitern, wirkt sich das nicht nur auf die Software, sondern auch auf die ganze Stimmung im Team aus.

JAXenter: Vielen Dank für dieses Gespräch!

Sven Peters ist Software-Geek und arbeitet als Botschafter für Atlassian in Deutschland. Er hat über 11 Jahre hinweg Java-EE-Webanwendungen entwickelt und agile Teams geleitet. Svens Leidenschaften sind Clean Code und die Motivation von Softwareentwicklern.
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