Anatole Tresch, Josh Juneau berichten von der JavaOne 2016

JavaOne 2016 Highlights: „Wenn man sich Java 9 ansieht, kommt richtig Appetit auf“

Anatole Tresch, Josh Juneau
javaone

Die JavaOne 2016 hat viele Aspekte, und jeder Teilnehmer fährt mit anderen Erkenntnissen und Erfahrungen zurück. Wir haben verschiedene Mitglieder aus der Community gebeten, ihre persönlichen Highlights der Konferenz mit uns zu teilen.

„Wenn man sich Java 9 ansieht, kommt richtig Appetit auf“

200-anatole-treschAnatole Tresch: Im Vorfeld der diesjährigen JavaOne wurden ja schon einige Aspekte kontrovers diskutiert, und man fragte sich lange, was denn Oracle Neues zu präsentieren hat. Klar war, dass Java EE 8 sich seit Monaten kaum bewegt hat (mit einigen wenigen Ausnahmen) und dass Java SE sich ebenfalls noch etwas weiter hinziehen wird.

Mit der Java EE Guardians Initiative haben verschiedene Community-Vertreter Oracle dazu aufgerufen, dem Java-EE-Zug wieder zu Fahrt zu verhelfen. Und spätestens mit der Ankündigung Oracles einige neue EE JSRs vorzuschlagen (aber auch einige zu sistieren), war klar, dass die diesjährige JavaOne sich vielleicht doch interessanter gestalten würde, als ursprünglich angenommen. Und so war es dann auch.

Mit dem Motto “Java your next (cloud)” wurde klar, dass der Cloud-Fokus, den man bei Oracle schon länger verfolgt, nun auch im Java-Umfeld seine Spuren hinterlassen würde. Das bringt v.a. für Java EE wirklich einiges an neuem Wind. Da fielen z.B. Aussagen auf wie: „We want to get rid of application servers“, welche von entsprechenden Personen aus dem Oracle-Umfeld gemacht wurden. Im Vergleich zur eher gemächlichen Gangart der letzten Jahre ein fast schon revolutionärer Satz.

Natürlich wird mit Java EE 8 nicht gleich das Kind mit dem Bade ausgeschüttet, aber genauso wenig werden neuere Technologien wie Container und Orchestrierungs-Lösungen am Java-Ecosystem spurlos vorbeiziehen. An der Keynote wurde die geplante Feature-Liste von Anil Gaur (Group Vice President of Engineering for the Cloud Application Foundation organization at Oracle) wie folgt zusammengefasst:                         .

  • Neues reaktives Programmiermodell mit Data Streams und einem einheitlichen Ereignismodell.
  • Eventual consistency!
  • Persistenz APIs für key value/document stores.
  • Sicherheit (Secret Management, Oauth/OpenID Support)
  • Lokationstransparenz: Configuration, State Management, …
  • Packaging: Docker containers, Serverless, Multitenancy

Gut dazu passt auch die Microprofile-Initiative, wo sich verschiedene namhafte Hersteller zusammengetan haben, um eine Platform aufzubauen, welche es erlaubt, technische Innovationen schneller aufzunehmen als es mit den bestehenden Standards möglich ist. Somit kann nicht nur schneller und einfacher auf Veränderungen reagiert werden (die Aktivitäten sind unter der Schirmherrschaft der Eclipse Foundation geplant), sondern auch über längere Zeit Erfahrungen und Feedback der Community einfließen, was letztendlich die Qualität von späteren, darauf aufbauenden Standards verbessern soll.

Aber auch im Java-SE-Umfeld bleibt es spannend. Die Adoption von Java 8 macht langsam aber stetig Fortschritte, und wenn man sich einige der neuen Features von Java 9 ansieht, so kommt richtig Appetit auf. Dabei steht die Modularisierung (Projekt Jigsaw) natürlich im Mittelpunkt. Dabei geht aber vergessen, dass insgesamt über 85 neue Features umgesetzt werden. Wer nicht warten will, kann diese auch gleich ausprobieren und sich unter http://jdk9.java.net das Preview-Release herunterladen. Einige der Highlights sind dabei die neue Java Shell (jshell), die Projekte Walhalla und Panama. Für eine Übersicht empfehle ich http://openjdk.java.net/projects/jdk9/.

Aber natürlich hat eine JavaOne auch abseits der Technik einiges zu bieten. So bietet die JCP Party einen atemberaubenden Blick über ganz San Francisco, begleitet vom groovigen Sound der NullPointers. An der PartyOne am Dienstag konnte man einen DJ erleben, welcher seinen Sound auf Basis von sonic-pi live programmiert hat! Und am Mittwoch wurde das ganze vom Oracle Appreciation Event getoppt, an dem nach Gwen Stefani, als Vorspeise, Sting höchstpersönlich den Abend zum absoluten Highlight machte.

„Die Java-Plattform hat eine strahlende Zukunft vor sich“

JuneauJosh Juneau: Letzte Woche bot sich für mich die Gelegenheit, meine nunmehr vierte JavaOne zu besuchen, und wieder einmal war es die Reise mehr als wert. Die JavaOne steckt voller hervorragender Präsentationen, großartiger Tutorials und Networking-Möglichkeiten, die man sonst nirgendwo anders bekommen kann. Die diesjährige JavaOne schien eine Reihe verschiedener Themen zu fokussieren, die sich von Java SE 9 über Java EE bis zu JavaFX und IoT erstreckten. Über die gesamte Konferenz hinweg gab es stündlich neue Sessions, die je nach Interessengebiet keine Wünsche offen ließen.

Ich konzentriere mich vor allem auf zwei Bereiche der Java-Plattform: Java EE und Java SE, wobei ich mich für viele andere Bereiche interessiere. Da ich zudem ein Teil der Java EE Guardians bin, war ich sehr darauf gespannt, was Oracle für das kommende Java EE 8 in petto hat. In den vergangenen Monaten vor der JavaOne war die Kommunikation um Java EE sehr still geworden, weshalb sich die Java-EE-Guardians-Gruppe aus der Community heraus gegründet hatte, um die Plattform voran zu bringen. Ich denke, die meisten würden zustimmen, wenn ich sage, dass diejenigen, die über die Zukunft von Java EE am beunruhigtsten waren, nach den von Oracle auf der Konferenz präsentierten Neuigkeiten vorsichtig optimistisch sind.

Wie in anderen Beiträgen im Web bereits erwähnt, wird Java EE 8 eine Chance gegeben, indem der Schwerpunkt auf eine schrittweise Migration hin zu Microservice-basierten Architekturen gelegt wird. Oracle gab einen sehr engen Zeitplan zur Veröffentlichung an, laut dem Java EE 8 voraussichtlich bis Ende 2017 released werden soll. Einige JSRs sollen zudem womöglich aus Java EE 8 entfernt werden, sodass die bisher darauf verwendeten Ressourcen auf andere Initiativen, die besser zur neuen Zielsetzung passen, ausgerichtet werden können. Die zur Entfernung vorgeschlagenen JSRs sind JSR 368 (JMS 2.1), JSR 372 (MVC 1.0) und JSR 373 (Management 2.0). Allerdings haben Community und JCP die Möglichkeit, sich für diese JSRs auszusprechen und damit deren Zukunft mitzubestimmen. Der beste Weg, sich zu beteiligen, ist, an der Umfrage auf http://glassfish.org/survey teilzunehmen oder eine E-Mail an den Spezifikations-Verteiler zu senden.

Einige neue JSRs werden zudem rund um die Themen Configuration und Health Checking gestartet werden – beides wichtige Bereiche, wenn es um Cloud-basierte Anwendungen und Microservices geht. Die arbeiten an Java EE 9 werden zur gleichen Zeit wie diejenigen an Java EE 8 beginnen, und wir werden eine solidere Microservice- und Cloud-basierte Architektur in Java EE 9 erhalten. Als Releasedatum für Java EE 9 wurde Ende 2018 angegeben.

Nebenbei erwähnt, wurde MicroProfile 1.0 im Vorfeld der Konferenz von der MicroProfile-Group veröffentlicht. Das Ziel der Microprofile-Bewegung ist es, die Microservice-Architektur in Enterprise-Java zu standardisieren. Ich konnte in diesem Jahr einige Präsentationen rund um MicroProfile sehen und bin von der Idee bisher beeindruckt. Man kann mit einigen Beispielen loslegen, die mit diesem Online verfügbaren, optimierten Profil erstellt wurden. Zudem sollten Sie http://microprofile.io/ besuchen und in der Frage, was auf Dauer Teil des MicroProfile-Standards werden sollte, mitentscheiden.

Zum Weiterlesen: JavaOne im Kreuzfeuer: “Java EE wird immer mehr zu Oracle EE”

Die Java-SE-9-Modularisierung (Project Jigsaw) war auf der diesjährigen Konferenz ein heißes Thema. Es gab eine Reihe von Vorträgen und Tutorials rund um diese wichtige Änderung. Ich habe an einigen sehr brauchbaren Sessions zur Modularisierung teilgenommen und bin von all der Arbeit, die in die Modularisierung der Java-Plattform für Java SE 9 geflossen ist, sehr beeindruckt. Ebenfalls durch eine Keynote vorgestellt wurde JShell. Die JShell ist ein Kommandozeilen-Interface für die schnelle Arbeit mit Java. Sie wird für das Testen von Snippets und für kleine, einzelne Arbeitsteile sehr nützlich sein. Die NetBeans IDE wird ebenfalls ein JShell-Interface enthalten, wie auf der Konferenz bekannt gegeben wurde.

Ich hatte das Vergnügen, über Enterprise Modeling Artifacts für MVC 1.0 und Java EE mit meinen Co-Referenten Ivar Grimstad und Gaurav Gupta vortragen zu können. In dieser Session präsentierte Ivar einen Überblick über das MVC 1.0 Framework, während Gaurav die ausgezeichnete JPA Modeler-Utility für die NetBeans IDE demonstrierte. Ich rundete den Vortrag ab, indem ich zeigte, wie der JPA Modeler für ein JavaServer-Faces-Anwendungsprojekt nutzbar zu machen ist. Insgesamt waren alle NetBeans-Präsentationen (Sonntag) hervorragend, und diejenigen, die das Glück hatten, daran teilnehmen zu können, konnten James Gosling über Apache NetBeans sprechen hören.

Als Mitglied der Expertengruppe für JSR 372 und JSR 378 war es toll, sich mit meinen Expertengruppenkollegen zu treffen und die JSRs zu diskutieren. Und toll war es ebenfalls, sich mit so vielen anderen Experten zu treffen und herauszufinden, wie sie Java SE und Java EE in ihren Projekten nutzen.

Das Highlight der JavaOne 2016 fand für mich vermutlich auf der JCP Party statt, wo mein Java-User-Group-Kollege Bob Paulin (Chicago) gemeinsam mit mir als „Adopt-a-JSR-Mitwirkende des Jahres“ gewählt wurde. Wir haben in der CJUG hart dafür gearbeitet, das „Adopt-a-JSR“-Programm zu fördern, und es war schön zu sehen, dass diese Bemühungen vom JCP anerkannt wurden.

Zusammengefasst lässt sich sagen, dass sich die Reise zur JavaOne 2016 wirklich gelohnt hat. Ich glaube, dass die Java-Plattform dem allgemeinen Gefühl nach lebendig ist, es ihr gut geht… und sie eine sehr strahlende Zukunft vor sich hat. Bitte nehmen Sie in diesem Sinne an der oben erwähnten Umfrage bzgl. der Zukunft von Java EE teil und geben Sie Feedback, in welche Richtung sich Java EE in Ihren Augen weiterentwickeln sollte. Beteiligen Sie sich darüber hinaus gerne am JCP und nehmen Sie, sofern Sie eine Java User Group haben, am „Adopt-a-JSR“-Programm teil, um Java auch zukünftig voran zu bringen.

 

Geschrieben von
Anatole Tresch
Anatole Tresch
A​natole Tresch studierte Wirtschaftsinformatik und war anschließend mehrere Jahre lang als Managing Partner und Berater aktiv. ​Die letzten Jahre war ​Anatole Tresch als technischer Architekt und Koordinator bei der Credit Suisse​ tätig. Aktuell arbeitet Anatole ​als Principal Consultant für die Trivadis AG, ist Specification Lead des JSR 354 (Java Money & Currency) und PPMC Member von Apache Tamaya. Twitter: @atsticks
Josh Juneau
Josh Juneau
Josh Juneau is an Application Developer/System Analyst at Fermilab. Application development technologies include Java SE, Java EE, PL/SQL, Python/Jython, Groovy, and Objective-C. His specialties are: Application development for desktop, enterprise, and web applications. Database application development. Scripting via several languages. Database creation, management, and development.
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