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Zusammenfassung der JavaOne 2017 Entwicklerkonferenz in San Francisco

Die Highlights der JavaOne 2017

Wolfgang Weigend

Wieder einmal brachte die JavaOne-Konferenz in San Francisco Java-Entwickler aus aller Welt zusammen. Wolfgang Weigend war vor Ort dabei und fasst die Highlights der Konferenz zusammen.

Das war die JavaOne 2017

Die diesjährige JavaOne-Konferenz fand hauptsächlich im Moscone Center San Francisco statt und kehrte damit wieder an die einstige Wirkungsstätte zurück. Sie lief unter dem Motto „JavaYourNext(Cloud, Microservices, Cloud Application, Customization).“

Das Gebäude Moscone West wurde zur zentralen Anlaufstelle für die Teilnehmer der JavaOne. Im unmittelbar benachbarten Marriott Marquis Hotel fanden die Developer Keynote, die Java Community Keynote und weitere Vorträge statt. Die Abkehr von verschiedenen Hotels, wie dem Hilton Hotel, Nikko Hotel und Parc55, zum Moscone Center wurde von den meisten Teilnehmern begrüßt, weil die Konferenzräume größer und zentral besser zu erreichen waren.

Lediglich die JavaOne4Kids fand am Samstag im Hilton Hotel statt, wo sich die Kinder im Alter von 10-16 Jahren mit der Java-Programmierung beschäftigten. Insgesamt haben ca. 8000 Teilnehmer die JavaOne besucht, was einer leichten Steigerung gegenüber den Besucherzahlen vom Vorjahr entspricht. Auch die gewachsene Anzahl von 12 Millionen Java-Entwicklern mit 314 Java-User-Gruppen, 38 Milliarden aktive JVMs und 21 Milliarden Cloud-Connected-JVMs spiegeln das Interesse an der weltweit am meisten verbreiteten Programmiersprache wider.

Die Java Keynote: Java 9, EE4J & More

Oracle JavaOne 2017 Keynote

Die Java Keynote fand am Montag Mittag im Moscone Center North statt. Sie fokusierte sich auf Entwickler mit den Themen Persistent Collections & Vektorisierung für Java, Java EE & EE4J, Java & Container-Native-Plattform, Java Functions Developer Kit, Kubernetes, Java SE und OpenJDK.

Einleitend sprach Georges Saab, Oracle VP Development Java Platform, über die Java-Eckpfeiler Kommunikation & Publikationen, Community & JUGs, Zusammenarbeit von Java Champions und Contribution zum OpenJDK mit über 470 Teilnehmern.

Es folgte Michael Greene, VP Software & Services Group bei Intel, mit seiner Ankündigung des Projektes  Persistent Collections für Java. Dabei handelt es sich um ein neues Projekt, um Datenstrukturen in Non-Volatile-Speicherbereiche auf Hardware zu speichern. Michael stellte außerdem das Vector-API-Entwickler-Programm vor. Neue Java-APIs ermöglichen hier die schnelle Vector-Verarbeitung ohne JNI-Zugriffe, was von John Rose, Oracle Chef-JVM-Architekt, mit einem Code-Beispiel demonstriert wurde.

Als nächstes betrat Mark Cavage die Bühne. Der „VP Software Development für Java & Container Native Platform“ sprach über den hohen Stellenwert von Java mit seinen Eigenschaften Offenheit, Weiterentwicklung, Agilität und Skalierbarkeit. Cavage bestätigte, was bereits im Vorfeld der Konferenz angekündigt worden war: Oracle Java soll komplett Open Source werden, sodass es keine Unterschiede zwischen dem Oracle JDK und OpenJDK mehr geben wird.

Zudem betonte Cavage, dass Oracle die Verantwortung für die Weiterentwicklung der künftigen Java-EE-Spezifikation als Open-Source-Projekt an die Eclipse Foundation übergeben hat. Lediglich der Brand „Java EE“ verbleibt bei Oracle. Mit der Umbenennung von Java EE zu „Eclipse Enterprise for Java“ (EE4J) wurde auch gleichzeitig das neue Top-Level-Projekt „Eclipse Enterprise for Java“ ins Leben gerufen. Die Eclipse Foundation nutzt das offene Eclipse-Entwicklungsmodell, um die Innovation für Java und Cloud-Native-Computing zu beschleunigen. Das Engagement mit den Entwicklern und den Unternehmen steht dabei für die Eclipse Foundation im Vordergrund.

Oracle überträgt darüber hinaus das GlassFish-Projekt mit allen Unterprojekten an die Eclipse Foundation. Auch die Oracle Java EE TCK’s werden zu Eclipse Open-Source-Projekten und sind damit für die Entwicklergemeinschaft verfügbar.

Perspektivisch soll eine Open-Build-Infrastruktur entstehen, damit EE4J von der Community gebaut und getestet werden kann. Mit der Annahme, dass EE4J schneller agieren kann als der JCP, ergibt sich eine Möglichkeit für die Eclipse Foundation, einen neuen Spezifikationsprozess für EE4J zu etablieren. Auch die Chance zur langfristigen Integration des Eclipse-Projektes MicroProfile ist damit unter dem Eclipse-Dach greifbar, etwa mit dem Profil im Namen als MicroProfil für EE4J.

Kubernetes & Serverless

Mark Cavage unterstrich außerdem Oracles Investionen in Kubernetes. Hier arbeiten Oracle-Entwickler derzeit an einer Integration von Kubernetes mit Java.

Cavage stellte zudem die Oracle Container-Native-Plattform mit dem neuen Projekt Fn vor. Das Fn-Projekt siedelt sich im Bereich Container-Native-Serverless-Plattform an. In der Kategorie Function as a Service (FaaS) ist die Lauffähigkeit für jede Cloud- oder On-Premise-Umgebung gegeben. Mit Fn werden verschiedene Programmiersprachen unterstützt, für Java-Entwickler steht das spezielle Java Functions Developer Kit (FDK) zur Verfügung.

Während der Keynote wurde Fn direkt als Open-Source-Projekt auf GitHub veröffentlicht. Das Projekt umfasst Fn Server, das Java FDK und Fn Flow.

Java: Status Quo & Zukunft

Eine weitere spannende Ankündigung der letzten Tage war der neue Release-Zyklus für zukünftige Java-Versionen. Auf der JavaOne-Keynote bestätigte Mark Reinhold, Chef-Architekt der Oracle Java Platform Group, den Plan, alle sechs Monate ein neues Java-Release zu veröffentlichen. Für das Jahr 2018 sind die Versionen Java 18.3 (März 2018) und Java 18.9 (September 2018) vorgesehen, gefolgt von 19.3, 19.9, usw.

Mark Reinhold demonstrierte zudem die Vorteile der Plattform-Modularisierung in Java SE 9 und zeigte Beispiele mit den Werkzeugen jlink und jshell (Read-Eval-Print Loop). Mit jlink erzeugte und in Docker verpackte JDK-9-Laufzeitumgebungen sind erheblich kleiner als frühere Java-Versionen. Zusätzlich zeigte er eine Liste von über 60 Java-Anwendungen, die einwandfrei mit dem Oracle JDK 9 laufen.

 

Einblicke in die Weiterentwicklung von Java gab dann Brian Goetz, Oracle Java Language Architect. In aktiver Entwicklung befinden sich bereits die Projekte Panama (Foreign Function Interface, Data Layout Control), Valhalla (Spezialized Generics, Value Types), Amber (Right-Sizing Language Ceremony) und das relativ neue Projekt Loom (Continuations & Fibers). Für Innovationen auf Sprachebene ist also gesorgt!

Developer-Community-Day mit NetBeans

Zum Konferenzauftakt kamen bereits am Sonntag Vormittag hunderte Teilnehmer zu den vier Developer-Community-Tagen: Community, Developer Relations, User Groups und NetBeans.

Beim NetBeans Developer Community Day stellten verschiedene Mitglieder des NetBeans Dream Team ausgewählte Entwicklungsthemen vor. Der Produktmanager Geertjan Wielenga gab einen Überblick zum aktuellen Status des Apache-NetBeans-Projekts. Die NetBeans-Entwicklungsumgebung wird von mehr als 1,5 Millionen Entwicklern benutzt, die Zahl der initialen Committer liegt bei über 60 Entwicklern, mit starker Unterstützung durch Oracle.

NetBeans wurde im Oktober 2016 als Apache-Incubator-Projekt akzeptiert. Im Januar 2017 wurde die Vorgehensweise für den Code-Audit beschlossen. Im September 2017 folgte die Übergabe von 45.000 Dateien mit vier Millionen Codezeilen an die Apache Foundation, danach die erste Software-Überlassungsvereinbarung mit der NetBeans-Plattform und den Java-SE-Werkzeugen Jigsaw und JShell für den Erscheinungszeitraum vom JDK 9.

Bislang wurde Apache NetBeans 8.2 veröffentlicht. Die NetBeans Version 9 verzögert sich noch etwas, jedoch wurde die zweite Code-Freigabe bereits auditiert. Schrittweise wurden auch die Mailing-Listen und die Web-Seite zu Apache übertragen.

Konferenzprogramm und Ausstellung

Im Konferenzprogramm der JavaOne wurden mehr als 496 Vorträge angeboten. Java Champions und andere Entwickler zeigten ihre Coding-Erfahrungen mit Java SE, JavaFX, Java EE, Microservices, Kubernetes und Cloud-Native-Merkmale.

Sean Philipps präsentierte das Java-Plattform-Projekt Ground Systems für das NASA James Webb Space Telescope. Volkswagen Research demonstrierte die JavaFX-Anwendungsfälle im Bereich Automotive. REWE Digital GmbH stellte die digitale Food-Retail-Architektur mit Microservices und ihre neue Entwicklerorganisation mit dem Technologie-Stack und den APIs vor.

Passend dazu wurde die neue Microservices-Plattform von Boris Scholl, Oracle VP Product Development, vorgestellt. Die Microservices-Plattform folgt dem API-First-Ansatz für Java-Entwickler. Sie basiert auf Kubernetes und kann mit dem neuen Fn-Projekt kombiniert werden. Der Quellcode soll Anfang des Jahres 2018 als Open Source auf GitHub veröffentlicht werden. Early Adopter können schon ca. vier Wochen nach der JavaOne die Arbeitsergebnisse als Technologie-Preview erhalten.

Insgesamt verteilten sich die Besucher auf die einzelnen Java-Vorträge und konnten so ihre Kenntnisse vertiefen und individuelle Highlights auf der Entwicklerkonferenz erleben. In der Ausstellung im Moscone West konnten sich die Entwickler mit den einzelnen Firmen austauschen und das schmerzlich vermisste Taylor-Street-Cafe mit dem Treffpunkt in der Developer Lounge etwas kompensieren, wenngleich leider kein Kaffee serviert wurde.

PartyOne und Developer Keynote

Auch in diesem Jahr war die PartyOne von ZeroTurnaround, Tomitribe, Hazelcast und Bain Capital ein absoluter Höhepunkt für die Entwickler, die bei angeregten technischen Diskussionen bis um drei Uhr morgens feiern konnten, während einige am nächsten Tag beim Eclipse MicroProfile Workshop, der um 8 Uhr morgens begann, bereits gemeinsam frühstückten und arbeiteten.

Beim MicroProfile.io Breakfast im Palace Hotel waren über 20 Entwickler versammelt. Die gemeinsame Ausrichtung vom MicroProfile für Cloud-Native-Java-Entwickler wurde von IBM, RedHat, Tomtribe, Payara und anderen Beteiligten formuliert.

Die Developer Keynote stand unter dem Motto „The Rise of the Cloud Developer“. Sie verdeutlichte den Übergang von monolithischen Anwendungenmustern hin zu leichtgewichtigen Microservices-Architekturen. Der API-First-Ansatz fügt als Bindeglied die einzelnen Bestandteile zueinander, um Cloud-Native-Applikationen den Zugriff auf Daten & Prozesse zu ermöglichen. Zudem soll er die Zusammenarbeit zwischen Frontend- und Backend-Entwicklern im jeweiligen Microservices-Team fördern.

Bruno Borges, Oracle Developer Relations Strategy, berichtete von den weltweit 20 Oracle-Code-Veranstaltungen mit mehr als 10.000 Entwicklern. Stephen Chin, Oracle Director Developer Community, füllte den Slogan „Live for the Code“ mit den Inhalten zur Oracle Developer Community, mit Online-Kursen, Code-WebCasts & DevLive-Interviews, Newsletter, Labs und Sprechern.

Von Buster Benson folgte das Anwendungsbeispiel Slack, das über die normalen Chat-Merkmale hinausgeht. Dazu kamen die Themen Full-API-Lifecycle-Management, Polyglotte Laufzeitumgebungen mit automatisiertem Container-Management, Security und Chatbots. Den Abschluss der Keynote machte Patrick Debois, CEO von Zender.tv, mit seinen Ausführungen „From Serverless to Serverfull – How the mindset of devops is evolving“.

Java Community Keynote

Die Java Community Keynote am Donnerstag wurde von John Duimovich, IBM Distinguished Engineer, eröffnet, der die Java Community als den Platz für Innovation bezeichnete und die Open-Source-Projekte OpenJ9 JVM, Open Liberty und MicroProfile vorstellte. Es folgte eine Coding-Demo für Microservices mit Circuit-Breaker-Pattern und mit den Eigenschaften vom MicroProfile. John Clingan, Red Hat Senior Principal Product Manager und Eclipse MicroProfile Co-Project-Lead, stellte die Kombination von Eclipse, MicroProfile und Java EE vor und erläuterte, dass das MicroProfile 1.2 über neue Enterprise-Fähigkeiten für Microservices verfügt.

Danach übernahm Stephen Chin, diesmal als Regisseur des Streifens „Java Matrix“, eine Analogie zum Film „The Matrix“, und führte durch den unterhaltsamen Teil der Java Community Keynote. Die Darsteller kamen allesamt aus der Java Community und spielten mit Begeisterung ihre Rollen im Java-Film.

Sebastian Daschner übernahm den Part des Neo und setzte das Java-Drehbuch mit Elan um. Zum Finale brachte das Orakel wieder Licht und Wahrheit in die zuvor verdunkelten Entwicklerseelen, sodass die Aufhellung, in Form einer grün leuchtenden Skulptur, die gewohnten Entwicklungsfähigkeiten wieder erstrahlen ließ.

Feedback

Das Feedback der Konferenzbesucher war positiv und geprägt durch die Fertigstellung von Java SE 9, der Gleichstellung des Oracle JDK mit dem OpenJDK, der Veröffentlichung von Java EE 8 und der Übergabe von Java EE an die Eclipse Foundation. Die Entwicklergemeinschaft möchte auch künftig ihre innovativen Technologieansprüche für Cloud-Native-Anwendungen mit Java umgesetzt wissen und wagt schon jetzt einen Blick auf die JavaOne 2018.

Geschrieben von
Wolfgang Weigend
Wolfgang Weigend
Wolfgang Weigend arbeitet als Sen. Leitender Systemberater bei der Oracle Deutschland B.V. & Co. KG. Er beschäftigt sich mit Java-Technologie und -Architektur für unternehmensweite Anwendungsentwicklung.
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