Zusammenfassung der JavaOne 2016 Entwicklerkonferenz in San Francisco

Das war die JavaOne 2016: Ergebnisse der Konferenz auf einen Blick

Wolfgang Weigend
javaone

Die JavaOne 2016 ist zu Ende. Wolfgang Weigend, leitender Systemberater bei Oracle Deutschland, fasst die Ergebnisse der Konferenz zusammen. Dabei spielen NetBeans, Java EE 8, Java 9 und JavaFX die Hauptrollen.

NetBeans Day

Zur Konferenzeinstimmung kamen bereits am Sonntag Vormittag hunderte Teilnehmer zum NetBeans Day, bei dem verschiedene NetBeans Dream Team Member ausgewählte Entwicklungsthemen vorstellten und der Produktmanager Geertjan Wielenga einen Überblick zum aktuellen Status des Apache-NetBeans-Projekts gab.

Die NetBeans-Entwicklungsumgebung wird von ca. 1,5 Mio. Entwicklern benutzt, und die Zahl der initialen Committer liegt bei über 60 Entwicklern. Die künftige Annahme des Apache NetBeans Incubator-Vorschlags kann ca. ein Jahr dauern, und solange bleibt die bisherige Organnisation bestehen. Das uneingeschränkte Highlight war der Besuch von James Gosling, der davon erzählte, wie die Akquise von NetBeans durch Sun Microsystems ablief, und dass er vom kommenden Apache-NetBeans-Projekt absolut begeistert ist. Die Community-Forderung nach Freigabe von NetBeans bestand schon seit etwa 10 Jahren, und nun wird dieser Weg beschritten.

Weitere Informationen über die geplante NetBeans Dream Team Deutschland Tour, die im Januar 2017 starten soll, folgen auf JAXenter.

Java Keynote mit Java EE und Mircoservices

Die diesjährige JavaOne Konferenz lief unter dem Motto „JavaYourNext(Cloud, Microservice, BigThing, ..)“ und fand hauptsächlich in einer gemeinsamen Zone von drei Hotels statt, dem Hilton Hotel, Nikko Hotel und Parc55 Hotel. Im Hilton Hotel fanden die meisten Vorträge statt, und direkt nebenan im „Duke‘s Cafe“, in der Taylor Street, konnten sich die Besucher entspannen und ihre Eindrücke mit anderen Entwicklern teilen.

Insgesamt sollen ca. 7000 Teilnehmer die JavaOne besucht haben, was in etwa den Besucherzahlen vom Vorjahr entspricht. Die Java Keynote fand am Sonntag Mittag im Moscone Center statt und verknüpfte die JavaOne mit der OOW. Die Themen Java SE, OpenJDK, Java EE und die Oracle Cloud Services standen im Fokus.

George Saab, Oracle VP Software Development Java Platform Group, sprach über die Kombination von Java mit Docker und zwar über die Nutzung des Oracle JDK mit Docker Images, welche demnächst möglich sein wird. Docker greift dann auf ein Repository mit dem Oracle JDK zu, womit die Erstellung von Docker-Distributionen mit Java vereinfacht wird.

Lesen Sie auch: JavaOne 2016: Meine Meinung zum Java EE 8 Roadmap Update [Kommentar von Sebastian Daschner]

Der Chef-Architekt der Oracle Java Platform Group, Mark Reinhold berichtete von Java SE 9. Er betonte, dass es neben der Java-Plattform-Modularisierung im Projekt Jigsaw noch weitere 80 Neuerungen gibt und zeigte ein Beispiel mit jshell (Read-Eval-Print Loop). Brian Goetz, Oracle Java Language Architect, sprach über die Inhalte der Projekte Valhalla (Value Types, Spezialized Generics) und Panama (Foreign Function Interface, Data Layout Control) in den kommenden Java-Hauptversionen.

Anschließend hatte Anil Gaur, Oracle VP Java EE & Application Servers Development, seinen Auftritt, den er nutzte, um über die neuen Herausforderungen für Java EE zu sprechen: die Verschiebung von physikalischer Infrastruktur zu virtuellen Cloud-Umgebungen, Microservices vs. monolitische Anwendungen und die paketierte Laufzeitumgebung mit den Anwendungen. Zustandslose Services und non-blocking APIs erfordern eine Überarbeitung der Java-EE-Spezifikation, und dies führt zu einem neuen Java-EE-Plattform-Architektur-Vorschlag mit veränderter Java EE Roadmap.

Der ambitionierte Plan beinhaltet die Verfügbarkeit von Java EE 8 im Jahr 2017, inklusive aller Spezifikationen, Referenzimplemetierung, TCK, initialer Microservices-Unterstützung und einer Early-Access-Version von Java EE 9. Die geplante Verfügbarkeit von Java EE 9, mit modularer Java-EE-Laufzeitumgebung und verbesserter Microservices-Unterstützung, ist für das Jahr 2018 vorgesehen.

Die geänderten Pläne für Java EE 8/9 führten teils zu kontroversen Diskussionen in der Community und letztlich zu einer konstruktiven Unterstützung, besonders von den Java EE Guardians. Die Standardisierung einer bereits bestehenden Laufzeitumgebung wäre zu einfach, um den neuen Herausforderungen für Java EE ernsthaft zu begegnen, sodass sich eine grobe Kopie eines bestehenden Produktes hierfür nicht eignet, weil dies keine weiterführenden Überlegungen mit künftigen Merkmalen beinhaltet.

Die Hersteller IBM, Red Hat, Tomtribe, Payara, Oracle und andere müssen diese Anforderungen gemeinsam abbilden, die weit über Microservices hinausgehen. Dazu gab es das passende Stimmungsbild auf der PartyOne, einer Veranstaltung von Tomtribe, Zeroturnaround, Hazelcast und BrainCapital, bei der die verschiedenen Entwickler die künftigen technischen Konzepte diskutierten und viele gut ausgebildete Nachwuchsentwickler mit Begeisterung die JavaOne-Atmospähre aufsaugten.

Beim Red Hat MicroProfile Panel Luncheon wurde in einem Panel, bestehend aus Red Hat, Tomtribe, Payara, IBM und zwei Java-User-Gruppen, ausgiebig über die Pläne von microprofile.io  gesprochen und Community-Fragen beantwortet. Oracle war ebenfalls beteiligt, und Reza Rahman bekräftigte jegliche Unterstützung bei der Zusammenarbeit mit Oracle. David Blevins betonte, dass die Microprofile-Interoperabilität im Vordergrund stehe und eine Standardisierung in einem JSR über den JCP angestrebt werde. Keinesfalls geht es um einen Java-EE-Fork, sondern um die gemeinsame Weiterenticklung von Java EE mit einer Referenzimplementierung (RI), um die Standardisierung voranzutreiben.

In einer Umfrage von MicroProfile.io wurden die wichtigsten Standards mit JAX-RS, CDI, WebSocket und JSON-P identifiziert. John Clingan fügte hinzu, dass es sinnvoll sei, gemeinsam mit allen Herstellern und der Community zusammenzuarbeiten.

Konferenzprogramm

Im Konferenzprogramm wurden mehr als 450 Vorträge angeboten, die wie gewohnt mit dem JavaOne Schedule Builder, einer mobilen App für Android und iOS, ausgewählt werden konnten. Besonders nützlich war der App-Button „What’s On“, der über die jeweils aktuell laufenden Vorträge informierte, sodass die Besucher zu jedem Zeitpunkt das Vortragsprogramm im Blick hatten.

Sean Philipps war ebenfalls auf der JavaOne und erzählte mit vollem Enthusiasmus, wie er als Entwickler ein Datenvisualisierungsprojekt mit JavaFX für die NASA realisierte und weiter auf diese Java UI-Technolgie setzt. Die Stabilität von JavaFX 8 verbessert sich stetig, und bisher sind im aktuellen JDK 9 Early Access Build bei JavaFX über 750 Bugs beseitigt worden. Auch Volkswagen Research bestätigte in einem Vortrag das Engagement von Oracle für embedded JavaFX mit Automotive-Hardware.

Java Community Keynote

Die Java Community Keynote am Donnerstag wurde von John Duimovich, IBM Java CTO, eingeleitet, der die Unterstützung von Microservices zusicherte, das IBM SDK für Java Images für Docker vorstellte und die Freigabe des IBM SDK für Java als Open Source bekannt gab. Danach übernahm Stephen Chin, Oracle Lead Java Community Manager, die Regie des Films „The Coder Awakens“, eine Analogie zum Star-Wars-Film „The Force Awakens“ und führte durch den unterhaltsamen Teil der Java Community Keynote. Die Darsteller kamen allesamt aus der Java-Community und spielten mit Begeisterung ihre Rollen im Java-Film. Wie gewohnt kam zum Finale auch James Gosling als Darth Coder zu Wort und bestätigte mit einem Augenzwinkern, dass er der Vater von Duke sei.

Feedback

Das Feedback der Konferenzbesucher war durchweg positiv, geprägt von der Herausforderung, die künftige Version Java SE 9 in den eigenen Unternehmen frühzeitig zu testen und die Pläne für Java EE 8/9 mit Feedback zu unterstützen. Die Entwicklergemeinschaft möchte ihre innovativen Technologieansprüche auch in der Zukunft bei kommenden Oracle-Java-Versionen umgesetzt sehen und hat jetzt schon die nächste JavaOne 2017 im Blick.

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Geschrieben von
Wolfgang Weigend
Wolfgang Weigend
Wolfgang Weigend arbeitet als Sen. Leitender Systemberater bei der Oracle Deutschland B.V. & Co. KG. Er beschäftigt sich mit Java-Technologie und -Architektur für unternehmensweite Anwendungsentwicklung.
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