Zwei Tage JavaOne 2016

JavaOne 2016: „Es ging Oracle offensichtlich darum, ein Signal für Java EE zu senden“

Dirk Mahler

Dirk Mahler

Cloud, Microservices, Reactive Programming und IoT – diese Themen bildeten auf der zurückliegenden JavaOne den Kern der Hauptkonferenz. Dirk Mahler war dabei und berichtet von seinen Take-Aways.

Konferenzen sind der ideale Ort, um aus dem Entwickler-Alltagsgeschäft auszubrechen und wieder mal ein Gefühl dafür zu bekommen, welche Hype-Wellen gerade über das Ökosystem rollen oder gerollt werden. Die diesjährige JavaOne 2016 in San Francisco – also die Oracle-Hauskonferenz – machte hier keine Ausnahme. Ein Blick auf die Agenda der angebotenen Sessions und Tutorials zeigte deutlich die angesagten Schlüsselworte: Cloud, Microservices, Reactive Programming sowie IoT.

Ich hatte das Glück, eine Session zu jQAssistant gestalten zu dürfen, konnte aber leider nur zwei Tage vor Ort sein und verpasste aufgrund dessen die Keynote mit den sehnsüchtig erwarteten Aussagen zur Zukunft von Java EE. Das Ergebnis ist mittlerweile bekannt: Es gibt ein Commitment zum Standard, Java EE 8 soll Ende 2017 verabschiedet werden und stellt im Wesentlichen eine Auffrischung mit kleineren (Configuration) und ausbleibenden Ergänzungen (MVC) dar.

Zwischenzeitlich wird bereits an Java EE 9 gearbeitet, welches – wie die Gerüchteküche es im Vorfeld auch bereits vermutete – eine Neuausrichtung wagt und ein reaktives Programmiermodell anvisiert. Interessant ist dabei der vorgeschlagene Zeitplan: Das Ergebnis soll bereits ein Jahr später verabschiedet werden, was selbst ein Oracle-Mitarbeiter in einem persönlichen Gespräch als zu ambitioniert und unrealistisch einschätzte. Wer den Spezifikations-Prozess über die Jahre verfolgt hat, kann diese Auffassung bestätigen. Es ging Oracle offensichtlich erst einmal darum, ein Signal für Java EE zu senden, und das sollte trotzdem gelungen sein.

Parallel dazu war deutlich erkennbar, dass man sehr bemüht ist, den Boden für eine hohe Akzeptanz des kommenden Java 9 zu bereiten. Es wurden viele Sessions angeboten, die sich den neuen Features (z.B. JShell) und der wahrscheinlich „heißesten“ Änderung widmete: der Modularisierung mit Project Jigsaw und den damit ggf. verbundenen Inkompatibilitäten bei der Migration bestehender Anwendungen. Es wurde auffallend oft (aber zurecht) betont, welchen Stellenwert eine auf Stabilität orientierte Weiterentwicklung hat, und dass bisher keine einmal bereitgestellte Funktionalität entfernt wurde.

Mit Java 9 wird hier allerdings, wenn auch sehr langsam, ein Paradigmenwechsel eingeleitet: Um eine Modularisierung der Plattform zu ermöglichen, wurden 6(!) public-Methoden entfernt, und es wurde deutlich gemacht, dass sich der Prozess des Entsorgens von Altlasten in kommenden Versionen fortsetzen wird. Das wurde insbesondere in einer Fragestunde unter dem Titel „Meet the JDK architects“ (mit Mark Reinhold, John Rose und Brian Goetz) transparent. Diese Session war überhaupt sehr aufschlussreich und unterhaltsam, weil zuweilen mit recht trockener Ironie argumentiert wurde. Getrieben durch Fragen von Entwicklern wurde aber klar, welche Werte bei der Weiterentwicklung von Plattform und Sprache eine Rolle spielen: Stabilität und ein nachweisbarer Mehrwehrt für neue Features. Die Unterstützung von Ahead-Of-Time-Compilation oder Currying wurde unter letzterem Betrachtungswinkel klar als „Low Priority“ eingestuft, währenddessen eine Verringerung des Overheads beim Thread-Handling in Aussicht gestellt wurde, um reaktiven Programmiermodellen bzw. entsprechenden Frameworks entgegenzukommen.

Die Antwort auf die Frage nach dem „biggest regret“ in der Geschichte von Java war übrigens wenig überraschend „Serialization“, verbunden mit der Aussage, dass der aktuelle Mechanismus die mit Abstand meisten Security-Issues verursacht hat…

Im Hinblick auf die Agenda der Konferenz möchte ich abschließend noch auf eine kleine Wahrnehmung am Rande hinweisen: Es gab bekanntermaßen vor nicht allzu langer Zeit Spekulationen über eine möglicherweise unsichere Zukunft von JavaFX. Dem entgegen stand aber eine spürbare Menge der JavaOne-Sessions, die sich diesem Thema widmeten. Ähnlich verhalten optimistisch fiel dazu auch die Einschätzung in einem Panel zu RIA-Technologien aus, in welcher u.a. auch JavaFX als Basis für Cross-Plattform-Entwicklung im Bereich mobiler Geräte diskutiert wurde.

Lesen Sie auch: Das war die JavaOne 2016: Ergebnisse der Konferenz auf einen Blick

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Dirk Mahler
Dirk Mahler
Dirk Mahler ist Senior-Consultant bei der buschmais GbR, einem Beratungshaus mit Sitz in Dresden. Der Schwerpunkt seiner mehr als 10-jährigen Tätigkeit liegt im Bereich Architektur und Entwicklung von Java-Applikationen im Unternehmensumfeld. Den Fokus setzt er dabei auf die Umsetzung von Lösungen, die im Spannungsfeld zwischen Pragmatismus, Innovation und Nachhaltigkeit liegen. In diesem Rahmen engagiert er sich für das Open-Source-Projekt jQAssistant.
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