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JavaOne 2014 mit zaghaftem Auftakt

Sebastian Meyen
© Yoshio Terada

Die JavaOne-Eröffnung war schon immer ein Ort für Pathos und inszeniertes Selbstbewusstsein, an dem die Java-Community sich ihrer Erfolge vergewisserte (wieder mehr Millionen Java-Entwickler weltweit, wieder mehr Millionen Java-betriebener Devices, usw.). Und so sollte wohl auch in diesem Jahr aufgezeigt werden, dass es weiter aufwärts gehe mit der Technologie, die immerhin vor beinahe 20 Jahren aus der Taufe gehoben wurde.

JavaOne Keynote ohne Statement

Im Endeffekt hat es das jeweils hinter Java stehende Unternehmen – die ersten Jahre Sun Microsystems, inzwischen nun Oracle – verstanden, die JavaOne als eine Mischung aus Selbstdarstellung und Community-Building zu nutzen. Jedenfalls transportierte die Konferenz, und insbesondere ihre Eröffnungszeremonie, stets ein weltweit beachtetes Statement.

Was wir zur Eröffnung der JavaOne 2014 erleben durften, war hingegen alles andere als ein Statement. Es schient fast so, als sei der Dampf aus dem Java-Kessel entwichen und man habe sich ein paar Geschichten aus den Vorjahren zurecht gelegt, um sie in variierter Form erneut zu erzählen.

Waren zum Beispiel im letzten Jahr die Ausblicke auf JDK 8 und 9 von hohem Informationsgehalt geprägt, herrschte dieses Mal uninspirierte Leere. War vor einem Jahr noch die starke Botschaft tonangebend, man werde die Java-Plattform wieder vereinheitlichen und dabei Schluss machen mit den fragmentierten Editionen (Java ME,  SE, EE), wurden heute wenig originelle Geschichten von Java im Bereich IoT und Automotive erzählt.

Prominenz statt News

Gewiss, klassische „News“ gibt es im Java-Umfeld schon lange nicht mehr – und das ist auch gut so, denn ein transparenter Entwicklungsprozess sollte für alle Beteiligten ohne inszenierte Überraschungen ablaufen. Aber rechtfertigt das Fehlen von Neuigkeiten im herkömmlichen Sinn eine Keynote von mehr als zweieinhalb Stunden, in denen geradezu nichts passiert?

Offensichtlich sind weder die Mobilisierung der Arbeitswelt, die konsequente Cloud-Orientierung, noch die Hinwendung zu modernen und hocheffizienten Prozessen im Lichte von Agile, Continuous Delivery und DevOps Anlass gewesen, neue Wege zu gehen bei dieser Flaggschiff-Keynote, deren Aussagen üblicherweise seismographisch genau gemessen werden.

Zwar bemühte man allerhand in der Java-Welt prominentes Personal auf die Bühne – von John Duimovich (Java CTO bei IBM) über Mark Little (Red Hat CTO JBoss Middleware) bis hin zu den Oracle/Java Granden George Saab (VP of Development Java Platform), Peter Utzschneider (VP Java Product Management) oder Cameron Purdy (VP Cloud Application Foundation). Aber all diese Männer mit ihren tiefen Einblicken in die Java-Praxis und ihrem profunden technischen und strategischen Wissen wiederholten nur das Immergleiche: Java entwickelt sich weiter, Java ist erfolgreich und irgendwie auch innovativ.

Java beyond JDK 9?

Schließlich betraten Mark Reinhold und Brian Goetz die Bühne, um über einige handfeste technische Details zu sprechen: über Lambdas und Streams in Java 8, die Herausforderungen für Developer im Multicore-Zeitalter und die allgemeinen Designprinzipien von Java, die teilweise bereits in den 1990er Jahren von James Gosling formuliert worden waren: Lesbarkeit von Code als wichtigeres Gut als das Schreiben, das Primat der Einfachheit, etc.

Doch dann geschah etwas Merkwürdiges. Man war schon etwas über der Zeit, als Brian Goetz anhob, über „Java beyond JDK 9“ zu sprechen und einige Ideen und Ansätze präsentierte. Doch weit kam er nicht, denn unvermittelt stürmte Reinhold, der sich zwischenzeitlich Backstage zurück gezogen hatte, auf die Bühne, um Brian brüsk mit dem Verweis auf die Zeit zu unterbrechen. Mit kurzem Gruß verschwanden die beiden, ohne dass Brian seinen Gedanken zu Ende spinnen konnte. Und die Keynote war auf einmal, ganz ohne jegliches Schlusswort, zu Ende.

Nach diesem Auftakt erwarten die Besucher der JavaOne, die weiterhin in die rund 60.000 Teilnehmer zählende Oracle Open World eingebettet ist, mehr als 500 Sessions an insgesamt vier Tagen. 

Aufmacherbild: https://www.flickr.com/photos/yosshi2007/15383083301/in/set-72157648141098471/

Geschrieben von
Sebastian Meyen
Sebastian Meyen
Sebastian Meyen ist Chefredakteur des Java Magazins sowie des Eclipse Magazins. Außerdem trägt er die Verantwortung für Programm und Konzept sämtlicher JAX-Konferenzen weltweit. Er begleitet so die Java-Community journalistisch schon fast seit ihren Anfängen. Bevor er zur Software & Support Media GmbH kam, studierte er Philosophie in Frankfurt.
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