Interview mit Richard Bair über JavaFX

JavaFX: "Unsere Vision reift."

Dierk König

Richard Bair ist Chief Architect der Client Java Platform bei Oracle und wirkte federführend bei der Entwicklung der JavaFX UI Controls und den dazugehörigen APIs mit. Dierk König hatte die Gelegenheit, sich mit ihm über seine Vision von JavaFX zu unterhalten.

Dierk König: Lieber Richard, du hast bei der JavaOne die Keynote gehalten. Könntest du unseren Lesern zunächst deine offizielle Aufgabe bei Oracle beschreiben?

Richard Bair: Ich bin Chief Client Java Architect. Im Wesentlichen heißt das: Ich trage die technische Verantwortung für JavaFX, Swing und AWT, das Plug-in und die Verteilung.

König: Zu JavaFX gibt es eine Reihe von Neuigkeiten. Was sind für dich die wichtigsten?

Bair: Die Vision, die wir mit JavaFX und dem Java Client verfolgen, reift – das können Entwickler besonders an vier Neuigkeiten und Demos nachvollziehen. Erstens die erfolgreiche Veröffentlichung von JavaFX 2.0, einer sehr funktionstüchtigen und leistungsstarken Plattform mit Animationen, Controls, Medien, Web Content, durchgehendem CSS-Styling, Properties, Binding u. v. m. – alles komplett in Java. Während der technischen Keynote auf der JavaOne wurden ja Demos von Ensemble, der Henley-Car-Sales-Data-App und JavaFX Labs gezeigt, die genau diese Aspekte vor Augen geführt haben.

Zweitens ist entscheidend, was Adam Messinger im Rahmen der JavaOne Strategy Keynote ankündigte, nämlich, dass wir das JavaFX-Projekt vollständig offenlegen werden. Auch wollen wir in der OpenJDK-Community dazu anregen, ein Projekt für JavaFX ins Leben zu rufen, um JavaFX in das OpenJDK zu integrieren. Wir haben außerdem betont, dass wir den Quelltext nicht so mir nichts, dir nichts publizieren, sondern einen offenen Entwicklungsprozess generieren wollen. Dabei werden wir unsere Arbeit auf E-Mail-Listen, Public Bug Trackers und dergleichen ausführen. So wollen wir in der Community und der Industrie das Vertrauen in JavaFX aufbauen.

Drittens werden wir – wie von Adam ebenfalls ankündigt – dem JCP vorschlagen, ein JSR für JavaFX zu erstellen. Dieses wird dann in die Java-Kernplattform aufgenommen (nach Java 8). JavaFX war eigentlich als Nachfolgeclient für Java gedacht, und das wollen wir nun offiziell machen. Natürlich erfordert das alles eine enge Zusammenarbeit mit Partnern und einer Expertengruppe. Nur ein offener, meritokratischer Prozess kann den Erfolg von Java und JavaFX garantieren. Außerdem hoffen wir darauf, dass die Leute JavaFX selbst herunterladen, damit auch sie nachvollziehen können, was uns daran so begeistert – und weshalb wir glauben, dass es eine geradezu revolutionäre Veränderung in der Java-Clientlandschaft bewirken wird.

Viertens wurden Java und JavaFX in iOS und auf anderen Tablets vorgeführt. Das Alleinstellungsmerkmal von Java war bisher – und das wird es immer bleiben: „write once, run everywhere“. Uns schwebt vor, Java und JavaFX in alle Bereiche einzuführen, auf die Entwickler üblicherweise abzielen. Tablets und andere High-End-Mobilgeräte stehen definitiv auf dieser Liste. Wir haben auch ein Roadmap vorgelegt. Danach wird CDC durch Modularisierung mit Java 8 konvergieren. JavaFX wird also auch das UI-Toolkit für eingebettete Geräte sein – Drucker, Kühlschränke, Kraftfahrzeuge usw.

Zusammengenommen zeigen diese Neuigkeiten und Demos die strategische Ausrichtung, die wir für Java und JavaFX vorgesehen haben. Bei Entwicklern hat sie bisher auch tatsächlich Resonanz gefunden.

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Dierk König
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