Interview mit Björn Müller

JavaFX-Standortbestimmung: …und eine Überraschung zur JAX!

Hartmut Schlosser

Björn Müller

Kaum eine andere Java-Technologie genießt derzeit eine größere Aufmerksamkeit als JavaFX. Die UI-Technologie fasst langsam aber sicher in Produktivanwendungen Fuß – gleichzeitig stellt sich die Frage, wie breit sich JavaFX angesichts konkurrierender Ansätze wie HTML5 aufstellen kann. Im Interview gibt JAX-Speaker Björn Müller der Debatte spannende Impulse.

JAXenter: Auf der JAX bist du mit der Session „JavaFX im UI-Technologiedschungel“ dabei. Als Aussteller vertrittst du gleichzeitig das Enterprise-Framework CaptainCasa. Was gibt es bei Euch Neues?

Björn Müller: Wir werden tatsächlich etwas Neues zeigen – und nutzen die JAX als „Coming Out“. Allzuviel gackern will ich im Vorfeld noch nicht, aber das Neue ist natürlich im Umfeld von Rich-Client-Systemen zu suchen. Für uns ist es eine Art Revolution – wir hoffen und glauben: für andere auch!

JAXenter: Naja, kann ich dir vielleicht doch noch ein paar Infos mehr entlocken?

Die Anforderung ist klar: Der Nutzer will „Zero Installation“.

Björn Müller: Wir bewegen uns ja im Umfeld der Entwicklung von Oberflächen im Bereich von Unternehmensanwendungen. Und hier ist ganz klar die Anforderung, dass diese Oberflächen im Browser als Web-UI zur Verfügung stehen müssen – der Nutzer will „Zero Installation“.

Diese „Zero Installation“ wurde bislang durch die Softwarehersteller teuer erkauft – bedeutet sie doch für den Hersteller „Endless Maintenance“: Die Software muss auf verschiedensten Browsern laufen – auch auf künftigen Versionen.

Hier haben wir einen neuen, HTML5-basierten Technologieansatz gefunden und entwickelt, der das Problem auf andere Art und Weise als bisherige Frameworks anpackt – und uns zum ersten Mal die Gewissheit gibt, dass auch für komplexe Browser-Anwendungen „Zero Installation“ mit „Zero Maintenance“ dauerhaft in Einklang zu bringen ist. Lasst Euch also überraschen!

JAXenter: Bedeutet das bei Euch eine Abkehr von JavaFX?

Björn Müller: Zunächst bedeutet das für unsere Nutzer eine Alternative zum JavaFX Client – und auch zu dessen Vorgänger, dem Java Swing Client, der ja immer noch heftig im Einsatz ist.

Wir setzen ja schon immer auf einen Server-zentrischen UI-Ansatz, in dem der Client eine generische Rendering Engine ist. Diese kann mit geringem Aufwand ausgetauscht werden, ohne dass es Auswirkungen auf den Server hat.

Jetzt haben wir also auch eine HTML5-basierte Rendering Engine im Programm, und wir können somit dem Nutzer unseres Frameworks die Wahl lassen.

Stimmen Sie ab: Quickvote: Nutzen Sie JavaFX?

JAXenter: Wo JavaFX momentan steht, wird in der Community immer wieder kontrovers diskutiert. Wie siehst du die Entwicklungen rund um JavaFX?

Björn Müller: Da ist es schwer, eine einfache Antwort zu finden. JavaFX gewinnt einerseits dadurch ein gewisses Momentum, dass es einfach da ist und genutzt wird – und dass es auch funktioniert, zur Zeit ganz klar eingeschränkt auf Desktop-Anwendungen.

JavaFX tut sich weiterhin schwer, eine Positionierung zu finden, innerhalb derer es sich breit entfalten kann.

JavaFX tut sich weiterhin schwer, eine Positionierung zu finden, innerhalb derer es sich breit entfalten kann. Zum einen ist der Druck von HTML5-basierten Technologien natürlich enorm groß. Und diese Technologien punkten mit „Zero Installation“ und mit prinzipieller Lauffähigkeit auf allen Devices. Zum anderen kommt noch hinzu, dass mit regelmäßigem Abstand mehr oder weniger fundierte Verlautbarungen in der Öffentlichkeit diskutiert werden, in denen es um die Rolle von JavaFX innerhalb der Java Technologie geht. Förderlich für JavaFX ist das mit Sicherheit nicht…

JAXenter: Kannst du das ein wenig ausführen? Die Rolle von JavaFX innerhalb der Java-Technologie scheint ja gesetzt: Es ist der designierte Nachfolger von Swing, Teil des JDK. Gibt es hieran ernstzunehmende Zweifel?

Björn Müller: Deine Frage fasst die Zweifel auf sehr nette Weise zusammen: Du fragst „scheint gesetzt“ und nicht „ist gesetzt“.

Eine Entscheidung für eine Technologie ist immer dann einfach, wenn sie in einen Standardrahmen eingebettet ist und wenn sie von einer breiten Entwicklerschicht genutzt wird, sie also einen gewissen Mainstream darstellt. Letzteres ist bei JavaFX zum jetzigen Zeitpunkt nur in Anfängen sichtbar – und somit haben natürlich Zweifler auch Raum zum Zweifeln.

JAXenter: Nun zeigen unsere 20 JavaFX-Anwendungen aus der Praxis auf JAXenter, dass JavaFX durchaus erfolgreich in Produktion eingesetzt wird. Wenn nicht unbedingt in formularbasierten Enterprise-Anwendungen – wo würdest du die Hauptanwendungsgruppe von JavaFX sehen?

Die Nische ist groß genug, um JavaFX Raum zu geben, sich dauerhaft zu positionieren.

Björn Müller: Explizit zu installierende, funktional mächtige Desktop-Clients mit anspruchsvoller grafischer Interaktion – wer das macht, der wird sich mit JavaFX wohlfühlen. Und natürlich auch jeder, der einen Client mit direktem Zugriff auf lokale Ressourcen (Dateisystem, serielle Schnittstelle, …) entwickelt.

Das mag rein vom Volumen her im Vergleich zu dem Einsatzgebiet von Web-Oberflächen vielleicht eine gewisse Nische sein. Noch dazu ist es eine Nische, deren Anwendungen in der Regel nicht allzu sehr in die Öffentlichkeit treten. Welcher Privatanwender will beispielsweise einen Fertigungsleitstand zuhause installieren?

Aber auch diese Nische ist groß genug, um JavaFX Raum zu geben, sich dauerhaft zu positionieren.

JAXenter: Vielen Dank für dieses Interview!

JAX 2016 LogoTreffen Sie Björn Müller auf der JAX 2016:

Session: JavaFX im UI-Technologiedschungel

JavaFX ist mittlerweile in Java angekommen und dort fest als J2SE-Technologie verankert. Doch ist es auch bei den Entwicklern angekommen? Das Echo der Community ist nicht einheitlich und reicht von Begeisterung bis hin zu totaler Ablehnung. Warum ist das so? Und: Wer hat denn am Ende recht? Der Vortrag differenziert die unterschiedlichen Sichtweisen auf JavaFX und zeigt mit konkreten Livebeispielen, wo der Einsatz von JavaFX sehr sinnvoll ist – und wo man zu anderen (HTML5-basierten) Technologien greifen sollte. Einen großen Raum nimmt hierbei die Betrachtung der Nutzbarkeit von JavaFX im Bereich von Unternehmensanwendungen ein.

Donnerstag, April 21, 2016 – 10:45 bis 11:45

 

5643578905715ec456ec34deversion255sizefullBjörn Müller ist seit 2001 im Bereich von UI-Frontend-Architekturen aktiv – sowohl auf der HTML-/Ajax-Seite als auch auf der Java-Swing- und JavaFX-Seite. Seit 2007 entwickelt er aktiv innerhalb der CaptainCasa-Community ein Java-basiertes Rich-Client-Framework für umfangreiche Geschäftsanwendugen, den CaptainCasa-Enterprise-Client. Der für die Nutzer geräuschlose Umstieg auf JavaFX wurde innerhalb des Frameworks im Jahre 2013 vollzogen.
Geschrieben von
Hartmut Schlosser
Hartmut Schlosser
Content-Stratege, IT-Redakteur, Storyteller – als Online-Teamlead bei S&S Media ist Hartmut Schlosser immer auf der Suche nach der Geschichte hinter der News. SEO und KPIs isst er zum Frühstück. Satt machen ihn kreative Aktionen, die den Leser bewegen. @hschlosser
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