JAX Countdown

"JavaFX ist gut aufgestellt!" – Über die Leiden und Freuden eines Java-Desktop-Entwicklers

Hartmut Schlosser

Der Desktop – unendliche Weiten… In dieser Folge des JAX Countdown sprechen wir über ein absolutes Dauerbrenner-Thema, das trotz der sogenannten „Mobilen Revolution“ nichts an Brisanz verloren hat: die Desktop-Anwendungsentwicklung. Interessanterweise konnte ausgerechnet das Java-Ökosystem – nicht gerade bekannt für seinen Fokus auf den Desktop – diesem Bereich neue Impulse verleihen: Beispielsweise erobert JavaFX gerade die Herzen vieler Java-Entwickler im Sturm. Wichtige Neuerungen stehen überdies bei NetBeans und Eclipse RCP an. NetBeans Dream Team Member Anton Epple bringt uns auf den Stand der Zeit und berichtet über Leiden und Freuden eines Java-Desktop-Entwicklers.

JAX 2012

Anton Epple

Anton Epple können Sie auf der JAX 2012 live erleben:

Manage Java Desktop Complexity

19.04.2012 | 10:15 – 11:15 Uhr

Desktopsoftware ist anders. Die Entwicklerteams kämpfen mit unterschiedlichen Betriebssystemen, Java-Versionen und -Bibliotheken herum, um eine visuell konsistente Anwendung zu bauen. Diese Session zeigt, wie Frameworks wie Eclipse RCP und die NetBeans Platform dabei helfen können, diese Komplexität in den Griff zu bekommen und solche Projekte besser kalkulierbar und planbar zu machen.

Alle Infos unter: http://jax.de/2012/.

JAXenter: Alle Welt spricht von Webapps und Mobile – da kommen Sie mit einer Session über Java Desktop-Anwendungen zur JAX 😉 Weshalb Desktop?

Anton Epple: Eine provokative Frage verdient eine ebensolche Antwort ;-):

Einen Trend hin zur Webapps sehe ich nicht, im Gegenteil. Die Statistiken zeigen, dass der Browser nur noch die zweite Wahl ist (http://www.wired.com/magazine/2010/08/ff_webrip/all/1). Ich überlege gerade, wann ich selbst zuletzt eine Webapp im Browser verwendet habe, also eine echte Anwendung mit Formularen und Actions, nicht nur eine Read-only Webseite. Twitter, LinkedIn, Facebook, XING, Email, Telefonbuch, Bahnverbindungen – für all das gibt es inzwischen Desktop-, Smartphone- oder Tablet-Applikationen, die viel komfortabler zu bedienen sind als eben Webseiten. Sogar Blogs lese ich lieber im Feedreader.

25 Milliarden Downloads in Apples Appstore sind ein deutlicher Hinweis für diese Trendwende. Smartphones und Tablets sind Vorreiter auf diesem Weg weg zurück zur installierten Anwendung. Der klassische Desktop zieht nach, Apple war auch hier mit dem Desktop App Store wieder Vorreiter.

Bei Firmenanwendungen hat sich ohnehin nie viel geändert. Für gelegentlich genutzte Dienste sind Browser-basierte Anwendungen sicher in Ordnung. Aber für Anwendungen, die Tag für Tag im Einsatz sind, gibt es Anforderungen, die leichter auf dem Desktop umzusetzen sind. Das fängt an mit banalen aber wichtigen Dingen, wie Keyboard-Shortcuts, und reicht bis zu technischen Anforderungen, wie der Interaktion mit Peripheriegeräten. Am wichtigsten ist aber eine vernünftige Performance. Es ist zwar erfreulich, wenn die Anwendung bunte Knöpfchen hat, aber am Ende zählt beim Sachbearbeiter der Durchsatz, und auch da liegen Desktopanwendungen vorn. Wenn sich jetzt auch noch im Java-Bereich JavaFX als plattformübergreifendes, modernes UI-Toolkit durchsetzt, gehen wir Desktop-Entwickler goldenen Zeiten entgegen.

Es lohnt sich also auf jeden Fall, mal bei meinem Talk vorbeizuschauen, um nicht den Anschluss zu verlieren ;-).

JAXenter: Wenn wir gerade von JavaFX reden: Welche Chancen räumen Sie JavaFX ein, die UI-Entwicklung nachhaltig zu beeinflussen?

Anton Epple: Beste Chancen, JavaFX ist gut aufgestellt! Ab Herbst wird JavaFX auf den wichtigsten Desktop-Plattformen verfügbar sein und mit dem SceneBuider steht dann auch ein vernünftiges Design-Werkzeug zur Verfügung. Auch die wichtigsten rechtlichen Probleme sind gelöst, JavaFX kann endlich mit der Applikation ausgeliefert werden und der Übergang in die Open Source sorgt für zusätzliches Vertrauen in der Community. Noch dazu haben sich die Hauptkonkurrenten Silverlight und Flash mehr oder weniger selbst abgeschafft.

Das CSS-Styling ist jetzt schon klasse, und bald kommen auch noch CSS-basierte Animationen dazu. Endlich gibt es auch einen offiziellen Weg, JavaFX in Swing- und SWT-Anwendungen zu integrieren. Damit haben wir auch eine Möglichkeit, bestehende Anwendungen schrittweise aufzupolieren oder zu portieren.

Das ist auch der Weg, den ich momentan noch empfehlen würde, denn leider sind die meisten Standard-Controls noch da, wo Swing vor 10 Jahren war. Hoffentlich springen da bald die Komponentenentwickler wie JIDE Software ein, so dass JavaFX auch für Businessanwendungen interessanter wird. Da können auch Eclipse und NetBeans helfen. Eclipse ist mit e4 für den Austausch der Rendering-Engine vorbereitet und auch für NetBeans gibt es mit eFX ein Projekt, um JavaFX basierte Rich Clients zu entwickeln.

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Hartmut Schlosser
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