Das Entwicklernähkästchen 2019/2020 – Teil 1

Ein Blick zurück: Die Java-Highlights 2019 unserer Experten

Dominik Mohilo

© Shutterstock / Oleksiy Mark

Da sich das Jahr 2019 dem Ende zuneigt, haben wir mit einigen prominenten Mitgliedern der Java Community Kontakt aufgenommen, um ihre Gedanken zu den Ereignissen des letzten Jahres zu sammeln. In dieser fünfteiligen Serie werden wir uns ansehen, was sie zu sagen haben. Im ersten Teil geht es um ihre (Java-)Highlights aus dem vergangenen Jahr.

Java ist ein Werkzeug wie viele andere auch und nur ein Teil der IT-Welt. Java und die JVM sind eine wunderbare Konstante, die vielen Menschen – unter anderem mir – eine schöne Karriere ermöglichen. Ich fand in 2019 gut, dass Frameworks wie Micronaut und Quarkus frischen Wind ins Ecosystem bringen. Ob sie Spring „ablösen“ werden… ich weiß es nicht. Ich frage mich allerdings auch, ob das überhaupt nötig ist (Spoiler: Ich glaube nicht, es ist genügend Raum für mehrere Frameworks da). Für 2020 erwarte ich – wie ich es bereits seit mehr als 3 Jahren beobachte – eine andere Art des Umgangs mit Datenbanken. Bereits 2016 habe ich angefangen, Vorträge über SQL und andere, deklarative Abfragesprachen zu halten. Mittlerweile haben viele – auch bekannte Stimmen – diesen Kanon aufgegriffen und wir sehen vermehrt Tools und Frameworks, die auch auf der JVM Datenbanken nicht als Bürger zweiter Klasse behandeln.

>> Michael Simons – Java Champion und im Spring Data Team bei Neo4j

Mein Java-Highlight des Jahres war es, die enorme Vielfalt und das hohe Tempo im Java-Umfeld zu sehen. Ich kann mich nicht daran erinnern, dass es in den letzten 10 Jahren so spannend war wie heute, zur Java Community zu gehören. Verschiedene Microframeworks, Reactive Programming, GraalVM… gerade passiert unglaublich viel parallel.

>> Tim Zöller – Team Leader Java bei der ilum:e informatik AG

Persönlich: Wir dürften dieses Jahr unser 50. Meetup der Java User Group Saarland feiern. Ansonsten hab ich mich über die große Unterstützung der Java Community gefreut, die sehr schnell gut gepflegte OpenJDK-Distributionen als Ersatz für das Oracle JDK angeboten hat.

>> Thomas Darimont – Gründer der Java User Group Saarland und Fellow bei der codecentric AG

Das ist zwar sehr subjektiv, aber ich fand es extrem spannend zu sehen, wie R2DBC live gegangen ist. Einerseits schließt es eine real existierende Lücke in der Java-Welt. Andererseits konnte ich die Entstehung, von der aller ersten Idee bis hin zur Implementierung und schließlich dem GA Release, verfolgen und an einigen wenig relevanten Ecken sogar daran mitarbeiten. Es ist schon spannend zu sehen, wie Innovation entsteht. Ich bin gespannt, wie sich der Schauplatz in der Zukunft weiterentwickelt.

>> Jens Schauder – Spring Data Team bei Pivotal

Wir haben es geschafft, den JavaFX Release Train zum Laufen zu bringen. Die Downloadzahlen der JavaFX-Module von Maven Central und die der SDKs von Gluon sind steigend. Wir haben quasi im Handumdrehen JavaFX 12, JavaFX 13 und das Long-term Release JavaFX 11.0.5 herausgebrahcht. Zu guter Letzt ist unser Buch über moderne Entwicklung mi Java(FX) neu im Handel.

>> Johan Vos – Java Champion und Mitgründer von Gluon und LodgON

Im Jahr 2019 war meine liebste Verbesserung in Bezug auf Java das mit Java 13 eingeführte Text-Block. Feature. Für Java-Entwickler, die SQL- oder JPQL-Queries schreiben müssen, verbessert dies nicht nur die Lesbarkeit des Codes, sondern erleichtert es auch, native SQL-Queries von einem DAO (Data Access Objekt) oder Repository zu kopieren und sie dann in der SQL-Konsole oder in einem Visualisierungstool für Datenbanken auszuführen.

>> Vlad Mihalcea – Java Champion und Autor des Buches „High-Performance Java Persistence“

Mein Highlight war es, mit java.lang.Record im JDK 14 herumzuspielen. Dieses vielversprechende neue Feature wird die Menge an Boilerplate-Code in Zukunft drastisch reduzieren.

>> Lukas Eder – Java Champion sowie Gründer und CEO von Data Geekery

Ich fand es schön, dass via Preview Features eine neue Funktion, nämlich die Switch Expressions, in die Sprache in einer Art und Weise eingeführt wurden, die es uns Entwicklern ermöglicht, sie auszuprobieren und Feedback dazu zu geben, wie sie sich in der „echten Welt“ anfühlt. Besonders gefreut habe ich mich darüber, dass man dieses Feedback angehört hat und an den entsprechenden Stellen nachgezogen hat, sodass die Syntax über mehrere Releases hinweg weiterentwickelt werden konnte. Die Switch Expressions sind nun ein Standard-Feature für Java 14.

>> Trisha Gee – Java Champion und Developer Advocate bei JetBrains

Ok, das hängt nun mit einem Azul-Produkt zusammen, doch für mich persönlich war es trotzdem extrem wichtig: Die Zing JVM hat schon immer in Einheit mit einem Modul auf Betriebssystemebene zusammengearbeitet, das Zing System Tools (ZST) heißt. Für ein verbessertes Memory-Management war dies wunderbar, doch das Aufsetzen von Microservices-Architekturen war dadurch schwerer als gehofft. Seit 2019 installiert die Zing JVM die ZSTs nicht mehr standardmäßig und kann somit genau wie alle anderen JVMs genutzt werden.

>> Simon Ritter – Java Champion und Deputy CTO bei Azul Systems

Ein spezielles Highlight in 2019 kann ich gar nicht nennen. Für mich persönlich war es vor allem spannend zu sehen, dass sich Java weiter aktiv nach vorne bewegt hat. Projekte wie Graal oder generell die Features in neuen JDK-Versionen, welche oft durch andere Sprachen inspiriert sind, zeigen mir, dass Java noch lange nicht Tod ist und ich auch in Zukunft noch beruhigt auf Java setzen kann.

>> Michael Vitz – Senior Consultant bei der innoQ Deutschland GmbH

Auch wenn es vielleicht ein wenig nach Werbung klingt, war mein Highlight, dass aus der Java Community heraus mit OpenWebStart (https://openwebstart.com) ein Open-Source-Ersatz für Oracle WebStart entstanden ist. Auch wenn WebStart sicher nicht zu den Top-Technologien 2019 gehört, wird es noch immer von vielen Firmen aktiv eingesetzt. Ein Großteil dieser Firmen waren mit dem deutlich zu kurzen Zeitraum zwischen Ankündigung und finaler Entfernung aus dem Oracle JDK überfordert und hätten ohne eine Open-Source-Implementierung des JNLP-Standards keine gute Alternative in dieser kurzen Zeit umsetzten können. Eine Folge wären sicherlich an vielen Stellen die Nutzung von veralteten Java-Version gewesen. Besonders gut hat mir hier auch gefallen, dass verschiedene Firmen und Organisationen (AdoptOpenJDK, Red Hat und Karakun) zusammengearbeitet haben, um eine gute Lösung zu finden.

>> Hendrik Ebbers – Java Champion und Java-Entwickler bei der Karakun AG

Natürlich war mein Highlight Reactive SDN, beziehungsweise der ganze Trend, reaktive Datenbanktreiber für Java zu etablieren.

>> Johannes Unterstein – Organisator der JUG Kassel und Software Engineer bei Neo4j

Die GraalVM mit seiner produktiven Nutzbarkeit seit Mai dieses Jahres war mein Favorit. Dabei steht die Vielsprachigkeit der GraalVM im Vordergrund, gepaart mit der Fähigkeit, native Images zu erzeugen, die als eigenständige Binaries mit verbesserter Start-up-Zeit und geringem Memory-Verbauch im Betriebssystem laufen können.

>> Wolfgang Weigend – Sen. Leitender Systemberater bei der Oracle Deutschland B.V. & Co. KG

Es gab viele Highlights, aber noch sehr präsent ist für mich die kürzliche Ankündigung der neuen Features von Java 14. Da kommen wieder ein paar spannende Themen, wie Record-Typen, hilfreiche NullPointerExceptions und Pattern Matching für den instanceof-Operator.

>> Falk Sippach – Trainer, Software-Entwickler und -Architekt bei der OIO

Geschrieben von
Dominik Mohilo
Dominik Mohilo
Dominik Mohilo studierte Germanistik und Soziologie an der Goethe-Universität in Frankfurt. Seit 2015 ist er Redakteur bei S&S-Media.
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