Interview mit Oliver B. Fischer

Java 14: „Wo möglich, würde ich immer relativ bald auf die nächste JDK-Version umsteigen“

Dominik Mohilo

Oliver B. Fischer

Pünktlich zum Erscheinen von Java 14 haben wir uns mit dem Java-Experten und Leader der JUG Berlin-Brandenburg Oliver B. Fischer unterhalten. Er erzählt uns im Interview, welche Features der neuen JDK-Version ihm besonders gut gefallen und welche Schwierigkeiten er sieht, Java 14 gleich in Produktion einzusetzen. Und auch der neue Release-Zyklus ist Thema in unserem Gespräch.

JAXenter: Java 14 ist gerade erschienen, daher die obligatorische Frage: Was ist dein Highlight des Releases?

Oliver B. Fischer: Das wohl bekannteste Feature der Textblöcke ist natürlich offensichtlich, weil es wesentlich zur positiven Developer Experience beitragen wird. Persönlich halte ich den Einstieg ins Pattern Matching mit JEP 303 Pattern Matching for instanceof für interessant, ebenso wie JEP 361 für Switch Expressions.

JAXenter: Anschließend an die erste Frage: Welches Feature vermisst du in Java 14?

Oliver B. Fischer: Ganz klar Stringinterpolation für Strings und Textblöcke.

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JAXenter: Wirst du bzw. deine Kunden sofort auf das neue Release updaten oder lohnt sich das für dich bzw. deine Kunden nicht?

Oliver B. Fischer: Java 14 ist keine LTS-Version, was für viele Kunden verständlicherweise ein wichtiges Kriterium für den Produktionseinsatz darstellt. Auf der anderen Seite ist die Fähigkeit, schnell auf eine höhere JDK-Version umsteigen zu können, auch ein Qualitätsindikator für die Softwareentwicklung in einer Organisation. Pauschale Aussagen sind nicht möglich, nur Empfehlungen. Wo möglich, würde ich immer relativ bald auf die nächste JDK-Version umsteigen.

JAXenter: Welche Schwierigkeiten siehst du dabei, die neuen Java-Versionen gleich in Produktion einzusetzen?

Gerade das Update von JDK-Versionen kann zu Überraschungen führen.

Oliver B. Fischer: Wir müssen zwischen neuen Sprachfeatures und neuen JDK-Versionen unterscheiden. Gerade das Update von JDK-Versionen kann zu Überraschungen führen, beispielsweise wenn die Versionssprünge groß sind und es seit dem letzten Update Änderungen im Bereich Security gibt. Generell sollte jede Software auch mit der nächsthöheren JDK-Version in der CI-Pipeline oder in Testumgebungen getestet werden.

Neue Sprachfeatures sollten nur dann in Produktion gehen, wenn sie final sind. Neue Sprachfeatures zuerst in Tests einzusetzen, ist ein guter Weg, um früh erste Erfahrung mit ihnen zu sammeln.

JAXenter: Nähert sich Java durch Features wie JEP 358 Helpful NullPointerExceptions „modernen“ Sprachen wie Kotlin an?

Oliver B. Fischer: Wurde auch Zeit, kann ich da nur sagen. Ein gutes Beispiel, denn es zeigt, dass auch kleinere Veränderungen die Developer Experience wesentlich verbessern können.

JAXenter: Was hältst du generell von der Beschleunigung, die Java durch den sechsmonatigen Releasezyklus erlebt?

Die neuen Switch Expressions sind aus meiner Sicht nicht vollkommen.

Oliver B. Fischer: Ehrlich gesagt stehe ich ihr mit gemischten Gefühlen gegenüber, sehe sie aber eher positiv, wenn ich bedenke, wie lange es früher gedauert hat, bis neue Sprachfeatures Einzug hielten. Auf der anderen Seite zeigt die Geschichte des JEP 355 für Textblöcke, beginnend mit dem dann zurückgezogenen JEP 326 für Raw String Literals, dass sich nicht alles in Sechsmonatsblöcke pressen lässt. Rund wären Textblöcke für mich erst mit Stringinterpolation. Auch die neuen Switch Expressions sind aus meiner Sicht nicht vollkommen, weil sie sich im Fall-Through-Verhalten von der parallel existierenden Switch-Anweisung unterscheiden. Das wird viele Programmierfehler verursachen. Es bleibt dabei: Eile mit Weile.

Oliver B. Fischer hilft als Freelancer Firmen, ihre Ziele zu erreichen und Ideen zu verwirklichen. Nebenbei arbeitet er an jQAssistant mit und organisiert die JUG Berlin-Brandenburg.
 
 
Geschrieben von
Dominik Mohilo
Dominik Mohilo
Dominik Mohilo studierte Germanistik und Soziologie an der Goethe-Universität in Frankfurt. Seit 2015 ist er Redakteur bei S&S-Media.
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