Interview mit Wolfgang Weigend

GraalVM: „Hebt die Grenzen zwischen den Programmiersprachen auf“

Marius Nied

Die GraalVM zieht momentan viel Aufmerksamkeit auf sich. Kann sie – gewissermaßen als heiliger Gral – die Java-Welt „retten“, ihr neues Leben einhauchen und neue Bereiche erschließen? Wir haben mit Wolfgang Weigend gesprochen, seines Zeichens leitender Systemberater bei der Oracle Deutschland B.V. & Co. KG und Sprecher auf der W-JAX 2019.

Übrigens: Die GraalVM ist auch Schwerpunktthema des Java Magazins 1.20, das am 4. Dezember erscheint.

JAXenter: Zum Einstieg eine klassische Frage: Was sind die Vorteile, was die Nachteile der GraalVM?

Wolfgang Weigend: Vorteilhaft an der GraalVM ist ihre Vielsprachigkeit, Erweiterbarkeit, Performance und die Erzeugung von Native-Images. Die Innovation der GraalVM im Java-Ökosystem bietet eine große Chance für Entwickler und Anwender, was bislang noch relativ unbekannt ist und als Nachteil angesehen werden kann.

Vorteilhaft an der GraalVM ist ihre Vielsprachigkeit, Erweiterbarkeit, Performance und die Erzeugung von Native-Images.

JAXenter: Es gibt ja zwei verschiedene Distributionen der GraalVM – kannst Du uns kurz erläutern, welche Edition sich an wen richtet?

Weigend: Die GraalVM gibt es in zwei Ausführungen, die frei einsetzbare Open Source GraalVM Community Edition (CE), mit GPLv2 + Classpath Exception Lizenzierung, und die optimierte GraalVM Enterprise Edition (EE), für den produktiven Einsatz mit der kostenpflichtigen OTN-Lizenz. Die GraalVM CE basiert auf den verfügbaren GitHub GraalVM-Sourcen und kann kostenfrei im Produktivbetrieb eingesetzt werden. Die GraalVM EE ist für Entwicklung, Test, Prototyping und Demozwecke kostenlos nutzbar.

JAXenter: Könntest Du uns kurz umreißen, was das Besondere am Truffle Framework ist?
Weigend: Das Truffle Language Implementation Framework ermöglicht die Ausführung von dynamischen Sprachen wie JavaScript, R, Ruby, Python mit der GraalVM über ein Sprach-Interpreter-API. Truffle ist eine Open-Source-Bibliothek zum Erstellen von Programmiersprachenimplementierungen als Interpreter für selbstmodifizierende abstrakte Syntaxbäume (AST). Vorteilhaft ist der geringe Sprach-Interoperations-Overhead, und das Instrumentierungs-Framework unterstützt mehrsprachiges Debugging sowie andere externe Entwicklungswerkzeuge.

JAXenter: Welche zentrale Aussage möchtest Du in Deiner Session vermitteln, welche Kernbotschaft sollen die Zuhörer mit nach Hause nehmen?

Mit dem Native-Image werden niedrige Startup-Zeiten bei geringem Memory-Bedarf erreicht, die für die Ausführung von Microservices Frameworks wie Helidon, Micronaut und Quarkus vorteilhaft sind.

Weigend: GraalVM hebt die Grenzen zwischen den Programmiersprachen auf und ermöglicht die Interoperabilität in einer gemeinsam genutzten Laufzeitumgebung. Mit dem GraalVM Native Image Tool wird Java-Code mit Ahead-of-Time-Compilation (AOT) in Maschinencode konvertiert, der als eigenständige Binärdatei ausführbar ist. Mit dem Native-Image werden niedrige Startup-Zeiten bei geringem Memory-Bedarf erreicht, die für die Ausführung von Microservices Frameworks wie Helidon, Micronaut und Quarkus vorteilhaft sind.

JAXenter: Vielen Dank für dieses Interview!

Wolfgang Weigend arbeitet als Sen. Leitender Systemberater bei der Oracle Deutschland B.V. & Co. KG. Er beschäftigt sich mit Java-Technologie und Architektur für unternehmensweite Anwendungsentwicklung.
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Geschrieben von
Marius Nied
Marius Nied
Marius Nied ist Redakteur des Java Magazins.
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