Auf der Jagd nach dem heiligen Graal

Für eine polyglotte Zukunft: GraalVM Project Adivsory Board gegründet

Dominik Mohilo

© Shutterstock / Morphart Creation

Im Open-Source-Universum haben die meisten Projekte irgendeine wie auch immer geartete Leitung. Diese kann Board of Members, Project Lead oder eben Advisory Board heißen. Ein solches Gremium wurde nun auch für Oracles GraalVM gegründet, bestehend aus Vertretern der wichtigsten Unternehmen, die das Projekt unterstützen.

Als die GraalVM im Juni 2018 offiziell die Produktionsreife erreichte, wusste man schon, dass dort etwas Großes entstanden war. Viele zeigten sich interessiert und mittlerweile haben Hunderte Committer sich an der Weiterentwicklung des Projekts beteiligt. Die Community ist groß und die Entwicklung schreitet zügig voran, doch vor allem gibt es immer mehr Projekte (wie Quarkus, Helidon, Micronaut etc.), die auf die GraalVM setzen. Die quelloffene virtuelle Maschine spielt eine zunehmend wichtige Rolle, kein Wunder also, dass man die verschiedenen Ideen und Interessen an einer Stelle diskutieren, teilen und in die richtigen Bahnen lenken muss.

Und wie es sich für ein Open-Source-Projekt gehört, sollte der Vendor Lock-in, in dem Fall wäre Oracle der Vendor, vermieden werden. Dies geht am einfachsten, indem man ein Gremium aus Leuten bildet, die die am heftigsten investierenden Unternehmen repräsentieren. Das sogenannte GraalVM Project Advisory Board soll Thomas Würthinger, Project Lead von Oracle) dabei unterstützen und die Community rund um die GraalVM repräsentieren.

Mitglieder des Boards

Natürlich stellt sich zunächst die Frage, welche Unternehmen und Gesichter an dem Advisory Board beteiligt sind. Einige der Namen klingen gerade im Java-Universum sehr laut und deutlich, etwa Johan Vos von Gluon, der sich sehr im Projekt JavaFX engagiert und Quarkus-Entwickler Max Rydahl andersen von Red Hat, den man auch aus dem Eclipse-Umfeld bereits kennt.

Die weiteren Vertreter sind Bernd Mathiske von Amazon, der die Maxine VM erstellt hat, Bruno Caballero von Microdoc und Chris Seaton von Shopify. Chris Thalinger von Twitter ist bereits seit einer ganzen Weile mit der GraalVM betraut. Fabio Niephaus vom Hasso-Plattner-Institut ist ebenfalls mit von der Partie, genau wie Graeme Rocher von der Open Container Initiative (OCI), Michael Hunger von Neo4j und Sébastien Deleuze von Pivotal sowie Xiaohong Gong von ARM. Abgerundet wird das illustre Stelldichein von Thomas Würthinger, dem Project Lead von Oracle. Koordiniert wird das Board von Alina Yurenko, ebenfalls bei Oracle beschäftigt.

Auch wenn diese Liste bereits sehr voll aussieht, ist das Advisory Board bei begründetem Interesse durchaus bereit, neuen Unternehmen oder Organisationen Zutritt zu dem Gremium zu gewähren, solange die neuen Mitglieder sich den gleichen Zielen und Idealen verpflichten. Mit einem kleinen Schmunzeln sei dennoch angemerkt, dass es initial 12 Board Member gibt – frei nach dem Vorbild der Ritter der Tafelrunde die ja auch auf der Suche nach einem Gra(a)l waren…

Das erste Meeting

Im ersten Meeting wurden bereits einige wichtige Dinge besprochen, etwas die Gründung einer Gruppe, die sich mit der Sicherheit des Projektes auseinandersetzen soll. Diese „Security Collaboration Group“ sollte ähnlich der bekannten OpenJDK Vulnerability Group agieren. Gesucht werden hierfür noch kluge Köpfe, an einem Konzept für die Gruppe generell wird schon gearbeitet.

Das Konzept kleinerer Untergruppen, wie man sie etwa von Kubernetes in Form der Special Interest Groups (SIGs) kennt und die sich um gewisse Aspekte des Projektes wie eben die Sicherheit, die einzelnen Sprachen etc. kümmern, wurde von Thomas Würthinger ebenfalls begrüßt.

Wer sich bereits an der GraalVM als Contributor oder Committer beteiligt, wird sich sicher freuen zu hören, dass das Advisory Board fest vorhat, offene Pull Requests schneller zu bearbeiten oder zumindest zu kommentieren. Auch besseres Error Reporting wird zukünftig auf der Agenda stehen und die Unterstützung für den Java Flight Reporter.

Technisch wurden einige Pull Requests besprochen, welche genau, kann man in den Meeting Minutes nachlesen. Zu guter Letzt hat Thomas Würthinger die Arbeit an einem neuen Tool bekanntgegeben, das zur Visualisierung von nativen Images genutzt werden kann. So könne man einfacher herausfinden, was in dem Image passiert und wie man es etwas kleiner machen kann.

Weitere Informationen zum Adisory Board kann man auf der offiziellen Seite der GraalVM erhalten, dort stehen auch die Mitschriften der Meetings im Nachgang bereit. Auf Medium hat Alina Yurenko, die Koordinatorin des Boards, Hintergründe zur Gründung des Gremiums zusammengefasst.

Das nächste Meeting ist für Mai geplant, ein genaues Datum steht noch aus.

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Dominik Mohilo
Dominik Mohilo
Dominik Mohilo studierte Germanistik und Soziologie an der Goethe-Universität in Frankfurt. Seit 2015 ist er Redakteur bei S&S-Media.
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