Interview mit Michael Simons zum Java-Geburtstag

Java feiert 25. Geburtstag: „Ich freue mich sehr auf die fertigen Text Blocks in Java 15“

Dominik Mohilo

Michael Simons

Java wird 25 Jahre alt – definitiv ein Grund für uns hier auf JAXenter zu feiern. Ein Vierteljahrhundert voller Geschichten, Features, Releases und Kontroversen. Wir haben im Zuge dieses Jubiläums mit einer Reihe von Java Champions und Experten aus der Community über ihre Highlights und Lieblings-Features aus 25 Jahren Java sowie ihre Wünsche für die nächsten 25 Jahre gesprochen. Dieses Mal im Interview: Michael Simons, Java Champion und Software Engineer bei Neo4j.

JAXenter: Was war dein ganz persönliches Java-Highlight der letzten 25 Jahre?

Michael Simons: Eigentlich wollte ich hier ja antworten, dass ich seit dem Ende des Studiums nur Java Champion werden wollte, um mich anschließend mit Gartenbau zu beschäftigen. Aber das wollte ich JAXenter und dir, Dominik, dann doch nicht als Antwort antun. 😉

Ich kann allerdings gar kein spezielles Highlight ausmachen. Java begleitet mich seit Ende 1999. Damals hatte ich gerade mein Studium am Forschungszentrum Jülich begonnen und es war eben Teil eines Moduls. Rückblickend hätte ich niemals gedacht, dass ich ausgerechnet mit diesem Werkzeug Software schreiben sollte. Aber damals dachte ich auch, „SQL, wozu soll das denn gut sein?“. Und nun? Halte ich Vorträge über deklarative Abfragesprachen und wie sie bestmöglich aus Java heraus genutzt werden können.

Es hat eine Zeitlang gedauert, bis Java und ich miteinander warm geworden sind, da mein erster Job in einer stark von Oracle-Produkten geprägten Firma war. Und zwar nicht nur Oracle-Datenbanken, sondern Designer, Forms etc. – so Zeug eben, mit dem Desktop-UIs erstellt werden konnten. Dementsprechend waren die ersten Java-Projekte in dieser Firma auch Java-Swing-Projekte als Teil der Desktoplösung. Ein Highlight von Java als solches ist, dass diese Projekte immer noch unverändert mit einem aktuellen JRE auf einer aktuellen JVM laufen würden.

Es hat eine Zeitlang gedauert, bis Java und ich miteinander warm geworden sind.

Java und die JVM wurden in meinen Augen immer in einer Art und Weise weiterentwickelt, die auf der einen Seite für Stabilität, Verlässlichkeit aber auch Erlernbarkeit sorgt, auf der anderen Seite aber auch beständig – insbesondere seit Java 8 – neue, direkt nutzbare Features hervorbringt. Natürlich wird Java niemals eine 100% funktionale Programmiersprache sein und viele – gerade ältere – APIs werden keine Verjüngungskur mehr erfahren. Aber macht das die Erfahrung mit Java schlechter? Ich denke nicht.

Und um ganz persönlich zu werden: Java hat mir in mehreren Unternehmen und zahlreichen Projekten eine stabile Karriere ermöglicht. Das (natürlich immer wieder aktualisierte) Wissen veraltet nicht von heute auf morgen und ist wiederverwendbar. Java scheint, wie SQL oder andere Abfragesprachen, eine gesetzte Konstante zu sein. Die Programmiersprache hat mich auf dem Weg in die Open-Source-Welt begleitet. Mit kleinen, persönlichen Projekten, aber gerade auch in die große Spring Community. In diesem Rahmen konnte ich ein Buch veröffentlichen und arbeite mittlerweile für eine großartige Firma – Neo4j – im Open-Source-Bereich.

Happy 25th Birthday, Java! Unsere Artikel- und Interviewreihe zum Jubiläum

Java wird 25, ein Vierteljahrhundert Java. Das ist definitiv ein Grund zu feiern! Aus diesem Grund haben wir mit einer Reihe von Java-Expertinnen und -Experten gesprochen, Interviews geführt und natürlich Glückwünsche zum Jubiläum gesammelt. In unserer Interviewreihe plaudern unsere Java-Champions über ihre Lieblingsfeatures und erzählen Geschichten über die Programmiersprache, die sie geprägt haben. Zudem blicken einige Java-Profis in Artikeln zum Thema auf ihre gemeinsame Zeit mit Java zurück.

Feiern Sie mit uns den 25. Geburtstag von Java!

Java feiert 25 Jahre – Unsere Interview-Reihe zum Geburtstag

 

>> Noch nicht genug Java? Dann schleunigst für die JAX 2020 anmelden! <<

JAXenter: Was ist dein Lieblings-Feature im JDK?

Michael Simons: Ich mag das API java.time sehr gerne. Während sich java.util.Date und Freunde anfühlen, als ich hätte ich ein sehr naives Date Time API gestaltet, habe ich extrem viel aus den JavaDocs von java.time gelernt.

Ansonsten benutze das Stream API gerne. Solange ich darauf achte, dass dabei keine verschachtelte „Lambda-Pyramide des Todes“ entsteht, finde ich den Code sehr lesbar und finde dabei oft meinen eigenen Gedankenfluss wieder. Die mit Java 8 eingeführten Method References helfen dabei sehr.

JAXenter: Welches Feature vermisst du, bzw. was glaubst du, welches Feature das JDK wirklich braucht?

Michael Simons:

var answer = """
    Ein Großteil meiner Arbeit hat mit Datenbanken und seit zwei Jahren insbesondere mit Neo4j und unserer Abfragesprache Cypher zu tun.
    Ich freue mich sehr, dass mit JDK 15 die Previews 355 und 368 in JEP 378 kumulieren und die "Java Text Blocks" fertig sind.
    """

Ansonsten fehlt mir persönlich wenig. Mit native-image der GraalVM und fantastischen Bibliotheken wie PicoCLI eignet sich Java-Programmierung nach 25 Jahren nun auch für schnell startende und laufende Kommandozeilen-Programme… Da fehlt also nicht viel.

JAXenter: Hast du eine lustige oder interessante Java-Geschichte, die du gerne mit der Community teilen willst?

Ich hüte mich vor der Lambda-Pyramide des Todes.

Michael Simons: Die JavaLand Community Keynote 2019 mit der PowerPoint-Karaoke und meinem Wettstreit mit Ed Burns war sicherlich lustig für das Publikum und „interessant“ für mich.

JAXenter: Bitte vervollständige den folgenden Satz: Für die nächsten 25 Jahre Java wünsche ich mir…

Michael Simons: …, dass Java und die Community weiterhin ein zugängliches Ökosystem bleiben, in dem ein Miteinander mehr Wertschätzung erfährt als ein Gegeneinander, und das offen für unterschiedlichste Menschen ist. Schlussendlich also eine Community, die die Vielfältigkeit der JVM widerspiegelt, die seit Langem nicht nur Java beschränkt ist.

JAXenter: Vielen Dank für das Interview!

Michael Simons ist Vater, Ehemann, Radfahrer und Java Champion. Er ist Autor des ersten deutschen Buchs über Spring Boot 2 und Spring 5. Michael ist Software Engineer bei Neo4j. Als Mitgründer und Leiter der EuregJUG in Aachen ist Michael seit langem in der Community-Arbeit engagiert.
 

Verwandte Themen:

Geschrieben von
Dominik Mohilo
Dominik Mohilo
Dominik Mohilo studierte Germanistik und Soziologie an der Goethe-Universität in Frankfurt. Seit 2015 ist er Redakteur bei S&S-Media.
Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar

avatar
4000
  Subscribe  
Benachrichtige mich zu: