Java und das Internet der Dinge: Embedded-Strategie ohne Jigsaw?

Hartmut Schlosser

Im Rahmen der JavaOne-Konferenz wird es eine Unterkonferenz geben, die sich ausschließlich dem sogenannten „Internet der Dinge“ widmet. Die Java Embedded @ JavaOne behandelt den aktuellen Trend, immer mehr physische Geräte zu vernetzen und miteinander in Kommunikation treten zu lassen: Automotive-Systeme interagieren mit Satelliten, RFID-Chips teilen den Zustand von Paketlieferungen mit, Drucker überprüfen den Füllstand der Patronen und sorgen autonom für Nachbestellungen – die Kommunikation zwischen diesen „Dingen“ (im Gegensatz zu „Menschen“) nimmt derzeit rasant zu.

Nach dem Internet der Computer in den Neunzigern, dem Internet der Menschen in den 2000ern gilt das Internet der Dinge als der nächste große Schritt, den manche Analysten gar als Revolution des Internets bezeichnen. In der Tat wächst die Anzahl der vernetzungsfähigen Devices dramatisch an. Die Grenzen zwischen dem traditionellen Segment der eingebetteten Syteme („Embedded“) und dem Mobile-Bereich verwischen bzw. werden zunehmend überschritten.

Kaum von der Hand zu weisen ist, dass sich hier ein großer Markt auftut, der auch für die Enterprise-Sprache Nr.1 – Java – relevant ist. Oracles Henrik Stahl sieht in der Reife der Java-Plattform, dem diversifizierten Ökosystem an Java-Unternehmen, dem großen Pool an versierten Entwicklern und der Qualität der Runtime und des Java-Tooling die besten Voraussetzungen gegeben, Java fest im Bereich der Internet der Dinge zu etablieren.

Erinnern wir uns kurz daran, dass Java ursprünglich von Sun als Sprache gerade für solche Embedded Devices konzipiert wurde. Java sollte überall laufen: von Kaffeemaschinen über Desktop PCs bis hin zu Telefonen. Und so ist Java das Credo der plattformunabhängigen Entwicklung („Write Once, Run Everywhere“) seit jeher eigen – mal stärker, mal schwächer mit dem Brustton der Überzeugung gesungen. Oracle hatte sich den Slogan schon kurz nach der Übernahme von Sun wieder dick auf die Fahnen geschrieben – und mit dem kürzlich veröffentlichten Java 7 Update 6 ja erstmals auch eine eigene Mac-OS-Version vorgelegt.

Ein Rückschritt stellt im Kontext der Embedded-Ambitionen allerdings die jüngst verkündete Verschiebung des Modulsystems „Jigsaw“ für die Java-Plattform dar. Ein Modulsystem würde es erlauben, den eigenen Bedürfnissen entsprechende Java-Installationen zusammenzustellen – insbesondere klein dimensionierte, die für limitierte Hardware-Systeme, wie sie im Embedded-Bereich üblich sind, optimiert wären.

Zur JavaOne 2011 wurde noch die Strategie ausgegeben, die Java-ME/CDC- und Java-SE-Embedded-Plattform-Projekte miteinander zu verschmelzen:

Oracle’s longer term strategy for Java on Embedded devices – as shared at JavaOne 2011 – is to converge the Java ME/CDC and Java SE Embedded platforms into one and use Project Jigsaw to produce a base module based on JDK 8. Henrik Stahl

Seien wir also gespannt darauf, wie zur JavaOne 2012 die neue Embedded-Strategie ohne Jigsaw aussehen wird. Ein gutes Zeichen ist sicherlich, dass der Java-Steward Oracle die Marktpotenziale des Internet der Dinge erkannt hat. Nun muss nur noch Java dafür fit gemacht werden.

Die Java Embedded findet parallel zur JavaOne vom 3. bis 4. Oktober 2012 statt. Details zum Programm können der Konferenzseite entnommen werden.

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Hartmut Schlosser
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