Aller Anfang ist schwer

Java und das Internet der Dinge: Eindrücke von der JavaOne

Sebastian Meyen

Das „Internet of Things“ (IoT) ist derzeit zweifelsohne eines der ganz großen Dinge, auch hier auf der JavaOne 2013. Nachdem im vergangenen Jahr entsprechende Vorträge unter der Kategorie „Embedded“ zusammengefasst wurden, ist man heuer im IoT-Fieber. Und dabei meint man durchaus das gleiche wie IBM, wo vorzugsweise von M2M oder „Smart Technologies“ die Rede ist, oder wie Cisco, die den Ausdruck „Internet of Everything“ bevorzugen, wie Jai Suri von Oracle in seinem Vortrag erläuterte.

Gemeinsam ist allen Ansätzen, dass sie sich einer großen Herausforderung stellen: der Entwicklung einer konsistenten Umgebung, in der heterogene Endgeräte über einheitliche Protokolle und in sicherer Art und Weise miteinander kommunizieren. 

Warum erlebt das Thema gerade heute seine Renaissance, wo es doch bereits in den 1990er-Jahren das Leitmotiv der Java Community gewesen ist? Nun, damals stand wohl vor allem die Vision im Vordergrund, aber erst heute, knapp zwei Jahrzehnte später, sind die praktischen Voraussetzungen gegeben: 

  • Die Connectivity-Kosten sind gesunken.
  • Die Telcos haben ihre Bandbreiten über die Funknetze deutlich erhöht; zudem stellen einzelne Anbieter spezielle Datenkanäle bereit.
  • Mobile, eingebettete Devices und einfache Sensoren sind kostengünstig zu entwickeln und zu erwerben. 

Als eine der größten Hürden beim Durchbruch auf dem Massenmarkt gilt das Thema Sicherheit. Es fehlen Standards, Frameworks und ein allgemeines Verständnis darüber, wie sich eine echte End-to-End-Security in extrem verteilten Umgebungen definieren lässt. Hinzu kommen die besonderen Probleme, die im Zusammenhang mit einfachen, kostengünstigen und massenhaft verteilten Sensoren auftreten: Wie geht man mit Ausfall und Nichtverfügbarkeit um? Wie realisiert man, trotz gelegentlicher Standby-Zeiten der Endpoints, eine bidirektionale Kommunikation? Wie lässt sich ein  Duplex-Betrieb aufrechterhalten, wenn es sich beispielsweise um Sensoren eines Frachtcontainers mitten auf dem Pazifischen Ozean handelt? 

Ein Blick auf die Java-Landkarte offenbart eine große Unübersichtlichkeit – von einer einheitlichen Plattform kann derzeit keine Rede sein. Diesen Umstand aber zu ändern, haben sich die Ingenieure von Oracle auf die Fahnen geschrieben. Sie denken über ein „Java EE für das Internet der Dinge“ nach und orakeln, dass es möglicherweise „schon“ zur nächsten JavaOne (also erst in einem Jahr!) Neuigkeiten dazu geben könnte. Ja, man sei mit den anderen Herstellern (IBM, Cisco, Qualcomm usw.) in intensiven Gesprächen, man kenne die bereits existierenden Ansätze beispielsweise in der Eclipse-Community, aber man könne noch nichts Offizielles sagen.

Ein End-to-End-System im Internet der Dinge ist komplex

Auch auf Nachfrage verweisen die Oracle-Offiziellen nur auf die erwähnten Anstrengungen, die Java-Plattform zu vereinheitlichen, und auf die bereits angekündigte Oracle Java Embedded Suite, die, gewissermaßen als Sample, einen ersten Schritt in die Richtung einer IoT-Plattform darstellt. Wohlgemerkt handelt es sich bei der Oracle Java Embedded Suite allerdings um eine proprietäre Technologie. 

Das Ansinnen, angesichts der Vielzahl an Herausforderungen ein konsistentes, Java-basierendes Framework für IoT zu entwickeln, und damit Java einen dritten Frühling zu bescheren, scheint nachvollziehbar. Die Herausforderungen indes scheinen enorm – besonders angesichts einer fragmentierten Java-Landschaft insbesondere im Micro-Bereich.

Fragmentierung im Java Embedded- und Micro-Bereich

Auf der anderen Seite stimmen die bereits unternommenen Schritte bei Java 8, die ME- und die SE-Welt miteinander zu verheiraten, hoffnungsfroh. Ob wir allerdings ein Framework nach dem Vorbild der Java Enterprise Edition benötigen oder vielmehr ein lose gekoppeltes Netzwerk an Standards, sei einmal dahin gestellt. Und ob sich die Embedded-Industrie durch die Vorlage eines Non-Embedded-Anbieters wie Oracle leiten lassen wird, oder ob am Ende vielmehr ein Open-Source-Framework eines echten Embedded-Vertreters das Rennen machen wird, bleibt abzuwarten. Vermutlich gilt es aber, nicht zu lange in Wartestellung zu verharren, denn kaum ein Markt ist derzeit dynamischer und begieriger nach neuen Lösungen als dieser. 

Geschrieben von
Sebastian Meyen
Sebastian Meyen
Sebastian Meyen ist Chefredakteur des Java Magazins sowie des Eclipse Magazins. Außerdem trägt er die Verantwortung für Programm und Konzept sämtlicher JAX-Konferenzen weltweit. Er begleitet so die Java-Community journalistisch schon fast seit ihren Anfängen. Bevor er zur Software & Support Media GmbH kam, studierte er Philosophie in Frankfurt.
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