JAX, Enterprise Architektur Konferenz und Eclipse Forum Europe 2006 vom 9. bis 13. Mai in Wiesbaden

Java, SOA and more

Alexander Neumann

Mit 1.600 Teilnehmern und über 50 Ausstellern konnte die JAX, die seit 2001 regelmäßig im Rhein-Main-Gebiet stattfindet, einen neuen Rekord erzielen. Die Konferenz für Enterprise-Java-Technologien, die erstmals gemeinsam mit der Enterprise Architektur Konferenz (EAkon) sowie dem Eclipse Forum Europe veranstaltet wurde, bot den Teilnehmern über 150 Sessions, Tutorials und Keynotes. Mit Craig McClanahan (mitverantwortlich für populäre Java-Webtechnologien wie Struts, Tomcat, JSF), Mike Milinkovich (Director der Eclipse Foundation), Rod Johnson (Architekt des Spring-Frameworks) und vielen weiteren mehr war eine illustre Schar an Speakern nach Wiesbaden zur JAX gereist.

In seiner Eröffnungs-Keynote erläuterte Sebastian Meyen, Chefredakteur des Java Magazins und Program Chair der JAX, die Eckpunkte des Konferenzprogramms. Seiner Darstellung zufolge steht die Java-Community vor der Herausforderung einer Fragmentierung. Mit Spring und Eclipse lägen alternative Architekturen zur offiziellen Java EE- und Java SE-Lehre von Sun vor. Auch böte die Integration von Script-Sprachen, in erster Linie Groovy, ins Java-System eine Möglichkeit, mit anderen Programmiersprachen gegen die Java-Plattform zu entwickeln. Die Aufweichung des alten Prinzips – eine Java-Runtime, eine Java-Programmiersprache – liefere sowohl Chancen als auch Risiken.
Zahlreiche Sessions spiegelten diese Pluralität innerhalb der Java-Welt wider: So fänden sich jede Menge Angebote zu Eclipse im Programm wieder, wie auch zu Spring, Hibernate, Aspect Oriented Programming (AOP), Domain Specific Languages und vieles andere mehr, sagte Meyen. Er verwies aber auch darauf, dass ebenso wie die alternativen Architekturen auch die offiziellen Java-Standards wie die brandneue Java EE 5 oder EJB 3, Java Persistence API, JavaServer Faces usw. ihren festen Platz in der JAX hätten. Und wer sich für eine Alternative zu Eclipse interessiere, dem biete die JAX auch mehrere Sessions zu NetBeans an.
Als weitere zentrale Themen der Konferenz nannte er Technologien und Konzepte für serviceorientierte Architekturen (SOA), Tools für den Application Lifecycle, agile Vorgehensweisen und Projektmanagementmethoden.

Abb. 1: Sebastian Meyen eröffnet die JAX

Neu bei dieser JAX war, dass ihr gleich zwei weitere Konferenzen zur Seite gestellt wurden. Die Enterprise Architektur Konferenz konzentrierte sich auf SOA-Themen sowie Vorgehensmodelle und Erfahrungsberichte. Dabei kamen nicht nur Java-Themen zur Sprache, sondern auch .NET, Architektur-Management, verschiedene SOA-Aspekte sowie Team- und Projektmanagement.
Die zweite Konferenz, die in die JAX eingebettet wurde, war das Eclipse Forum Europe, welches vielfältige Facetten der Eclipse-Plattform beleuchtete. Wichtigstes Signal dieser (Teil-)Konferenz: Eclipse ist weit mehr als eine Java-Entwicklungsumgebung! So behandelten etliche Sessions die Rich-Client-Technologie von Eclipse sowie viele der populären Projekte auf Eclipse-Basis: das Reporting-System BIRT, welches einen erstaunlichen Reifegrad und eine umfangreiche Funktionaliät aufweist, die Projekte ALF und Corona, welche eine Infrastruktur für ALM-Tools auf Eclipse-Basis bereitstellen und vieles andere mehr.
Für das Eclipse Forum Europe konnten zahlreiche international bekannte Speaker des Eclipse-Ökosystems wie z.B. Eclipse-Evangelist Wayne Beaton, Eric Newcomer (IONA), Jason Weathersby (BIRT Project Lead, Actuate) sowie Entwickler aus Eclipse-Core-Team rund um Erich Gamma gewonnen werden.

Management Day & Spring Day

Im Vorfeld der JAX fand der mittlerweile schon traditionelle Management Day statt, der Einblicke in IT-strategische Themen bot und in erster Linie Kriterien für erfolgreiches Projektmangement behandelte. Chris Rupp (Sophist Group) schilderte in einem anregenden und kurzweiligen Vortrag die Herausforderungen, die in der interkulturellen Kommunikation bei Offshore-Projekten liegen. Ihr Fazit: Nicht nur zwischen deutschen Auftraggebern und Entwicklern in Tschechien oder Indien gibt es Kommunikationsprobleme, sondern ebenso zwischen deutschen Auftraggebern und deutschen Entwicklern! Weitere Themen des gut besuchten Management Day waren „Timeboxing – das Rückgrat agiler Projekte“ von Bernd Oestereich (oose), „Leitfaden für die Einführung einer SOA in Unternehmen“ (Markus Weyerhäuser, IBM) oder „Die Open-Source-Revolution“ mit Matthew Langham (S&N AG).
Ein neuer Programmpunkt war der Spring Day. In der von Eberhard Wolff moderierten Vortragsreihe über einen ganzen Tag erfuhren die Teilnehmer direkt von den Leads verschiedener Spring-Projekte verschiedene tief gehende Aspekte zu dem Framework. Für den Auftakt sorgte z.B. der Chefentwickler des Spring-Frameworks Jürgen Höller. Sein Thema: Spring 2.0. Im Zentrum standen hierbei die neue Konfiguration und andere neue Features z.B. aus dem Bereich AOP. Ein weiterer Vortrag thematisierte dann Spring Web Flow, mit dem man Abläufe in Webanwendungen direkt implementieren kann, und Spring IDE, das Spring-Plug-in für Eclipse. Weitere Vorträge am Nachmittag behandelten dann das Acegi-Sicherheits-System, die Kombination aus Spring und Eclipse Equinox sowie lieferten drei Case-Studys.

JAX 2006 – mehr Architektur und Management

Die JAX 2006 stand nicht nur für mehr Teilnehmer und mehr Sessions, sondern war auch ein Auftakt für mehr Architektur- und Managementthemen in der Softwareentwicklung. Der Zulauf zu den Veranstaltungen rund um das Thema Architektur hat nicht nur deutlich zugelegt, sondern auch das Interesse an zukunftorientierten Lösungen hat zugenommen. Dies konnte ich auch in den angeregten Diskussionen nach meinen Vorträgen feststellen. Neue Konzepte sind gefragt und auch betriebliche Themen finden Eingang in das Arbeitsgebiet der Architekten.

SOA ist nicht mehr nur ein Schlagwort. Die Durchgängigkeit der Architektur von der Entwicklung bis hin zum Betrieb rücken in den Vordergrund. Denn die Vorteile einer serviceorientierten Architektur resultieren aus der verwendeten Abstraktion der zugrunde liegenden technischen Infrastruktur und der Abbildung der Geschäftsprozesse auf diese Abstraktionsschicht. SOA bietet die Möglichkeit, den Dialog mit den Anwendern zu verbessern, was wiederum zu mehr Effektivität führt.

Softwarearchitektur ist heute ein fester Bestandteil der Softwareentwicklung. So das einstimmige Resumee der Paneldiskussion über das Aufgabenspektrum des Softwarearchitekten. Allerdings sind die Ausprägungen stark vom Projekttyp abhängig. In kleinen Projekten werden Architekturen häufig durch die verwendeten Frameworks vorgegeben, wohingegen in Großprojekten Architekturen auf unterschiedlichen Abstraktionsebenen entwickelt werden. Auch ohne Abstraktion geht es nicht mehr, so der plakative Befund des Panels. Mehr als fünf DIN-A4-Seiten sollten bei richtiger Abstraktion für die Kommunikation der Architektur nicht notwendig sein. Die Achillesferse der meisten Projekte, quer durch alle Projektgrößen, sind nicht funktionale Anforderungen. Hier versagen häufig funktionsorientierte Vorgehensweisen bei der Anforderungsanalyse und auch das Testen dieser Anforderungen kommt zu kurz.

Die zunehmende Bedeutung der Wirtschaftlichkeit der Softwareentwicklung zeigte sich in der großen Besucheranzahl des Management Day. Dieser Bereich wird in Zukunft noch stärker an Bedeutung gewinnen, da Effizienz in der Softwareentwicklung mehr denn je gefragt ist. Auch Outsourcing ist ohne effektives Management nicht durchführbar.

Die Anzahl der Vorträge zu Open-Source-Projekten zeigt das gestiegene Interesse in der Praxis. Open Source ist sicherlich schon „state of the art“, wird aber in Zukunft noch an Bedeutung gewinnen. Neben neuen technischen Lösungen werden sich in diesem Bereich neue Geschäftsmodelle entwickeln. Allein in den USA wurden 2005 über 250 Mio. US-Dollar in neue Unternehmensideen investiert.
Innovationen im Open-Source-Umfeld kommen nicht nur im Bereich der Basistechnologie vor, sondern auch domänenspezifische Lösungen werden von Open-Source-Projekten entwickelt. Das Projekt Bioclipse, ein Preisträger des JAX Innovation Award 2006, zeigt diese Entwicklung im Bereich der Bioinformatik. Fachlich orientierte Frameworks und Beschreibungsmethoden werden in den nächsten Jahren noch stärker an Bedeutung gewinnen. Spätestens auf der nächsten JAX werden wir sehen, wie diese sich in der Praxis bewährt haben.

Dr. Frederik Schlenker (Geschäftsführerg fsb Gesellschaft für Systemberatung mbH)

Der SOA-Faden

Wie ein roter Faden zog sich das Thema SOA durch die Konferenz. So thematisierten über zehn Sessions das Thema in seinen verschieden Schattierungen. Darunter gab es auch eine Reihe unter dem Namen „SOA kontrovers“, die SOA unter verschiedenen Blickwinkeln kritisch durchleuchtete und Argumente für die eine oder die andere Position lieferte. Und auch die Keynotes von IBM, SAP und Software AG wählten SOA zum Thema.
So zitierte Robin Bater, dessen offizieller Titel „IBM Rational Software Worldwide Community of Practice lead for Analysis, Design and Construction Tools“ lautet, in seiner Keynote aus einer IBM-Umfrage. „78 Prozent der CEOs bei weltweit agierenden Unternehmen sind der Meinung, dass die Integration ihrer Softwaresysteme der Schlüssel für Innovationen in ihrem Unternehmen ist“. Dieser hohe Integrationsbedarf leitet natürlich direkt zum Thema SOA über, welches Bater streng von der schlichten Verwendung von Web Services unterschieden sehen will. Wichtig ist aber auch, dass bei der Einführung einer SOA alle Beteiligten motiviert werden müssen, um diese zu implementieren, damit eine ausreichende Akzeptanz innerhalb von Unternehmen hergestellt werden kann.
Christopher Hearn von SAP betonte, dass in den Unternehmen immer zwischen Anzugträgern und Leuten, die in Jeans und T-Shirt zur Arbeit kommen, unterschieden werde. Letztere seien traditionell in der IT beschäftigt, Erstere fürs Business zuständig. Die Frage: „Ist diese Trennung übertragbar auf die Welt der Packaged Applications einerseits und die Eigenentwicklungen andererseits?“, beantwortete er damit, dass die einzige Beziehung, die die traditionelle Spaltung der zwei Welten verbinde, der Datenaustausch sei. Wünschenswert wäre es allerdings, eine engere Beziehung der beiden Ansätze – packaged und selbst entwickelt – anzustreben.
Trotz SOA-Hype und der starken Konzentration der IT-Industrie auf Web Services behalten natürlich die übrigen Protokolle ihre Gültigkeit. „Agility through Composition“ – unter diesem Schlagwort wurden in vielen Unternehmen ca. 25 Prozent Code aus Eigenentwicklung mit 75 Prozent Packaged Applications kombiniert, so Hearn. Heute kommt die Option der Composed Applications hinzu, SAPs Konzept SOA-basierender Anwendungen. SAP empfiehlt daher: so viel wie möglich zu modellieren und so viel Code wie möglich aus Modellen zu generieren. Aber auch agilere Herangehensweisen, die Verwendung dynamischer Skript-Sprachen eingeschlossen, sind in der SAP-Welt heutzutage möglich.
Ivo Totev von der Software AG nannte als eines der wesentlichen Motive von Unternehmen, auf serviceorientierte Architekturen zu setzen, die Integration von Legacy-Anwendungen. Viele Kunden befänden sich derzeit in der Pilotphase einer SOA und testeten dabei das Zusammenspiel von etwa fünf bis zehn Services. Wenn es aber ans Eingemachte gehen, und statt der zehn Test-Services weit über 50 orchestriert werden müssen, dann sei eine klare Governance-Strategie vonnöten, um der Komplexität Herr zu werden, sagte Totev.
Für Management und Governance einer SOA seien fünf Eckpunkte zu beachten: 1. Aussagekräftige Beschreibung von SOA-Komponenten (Services), 2. Definition von Service Level Agreements (SLA), 3. Reporting über die Verwendung von Services, 4. Analyse und Kontrolle der Auswirkungen auf das Gesamtsystem, wenn einzelne Services geändert werden, 5. Extensive Wiederverwendung existierender Funktionalität.

Abb. 2: Craig McClanahan während seiner Keynote

In einer weiteren Keynote fasste dann Craig McClanahan im Schnelldurchgang die Geschichte der Java-Webframeworks zusammen. Für diese ist er auch einer der am besten geeigneten Chronisten, hat er doch die meisten Techniken von JSP und Struts bis hin zu JSF maßgeblich mitgeprägt.
Mit dem Servlet API fing alles an. Dann kam die JavaServer Pages-Spezifikation (JSP), deren Version 1.0 die Möglichkeit bot, mittels spezifischer Tags dynamischen Content in statische HTML-Seiten zu integrieren. Weiterhin wurde aber noch eine Menge Java-Code in die HTML-Seite geschrieben, womit erst seit der Version 1.1 von JSP Schluss war: Java-Code wurde in separate Klassen abstrahiert und mittels der bekannten Custom Tags aus dem Markup heraus aufgerufen.
Seitdem haben sich, so McClanahan, zwei Typen von Web Application Frameworks herauskristallisiert: die architekturbetonten Frameworks und solche, die sich auf User-Interface-Komponenten konzentrieren. Ein gutes Web Application Framework sollte für McClanahan keine Vorgaben machen, wie die Businesslogik aufgebaut wird oder welche Persistenz-Strategie zu wählen sei. Außerdem sollten bereits existierende Implementierungen von Businesslogik weiter verwendet werden können. Potenziale von AJAX bieten substanziell zwar nichts Neues, allerdings werden unter dem Schlagwort die Implementierungen immer robuster und effektiver zu handhaben für die Webentwickler.

Eclipse Forum Europe 2006 und die Eclipse Nite

Leider war es mir in diesem Jahr nicht möglich, auf die EclipseCon zu fahren, weshalb es mich umso mehr gefreut hat, bei dem Eclipse Forum Europe im Rahmen der JAX 2006 dabei zu sein. Neben einer Vielzahl von Sessions und Workshops rund um Eclipse wurde am Dienstagabend zum Eclipse Nite unter der Moderation von niemand Geringerem als Eclipse-Evangelist Wayne Beaton eingeladen. Ein absolutes Highlight, auf das ich mich am meisten gefreut habe. Dem voraus ging eine Keynote von Mike Milinkovich zum Thema Callisto. Er gab eine anschauliche Einführung in die Welt von Callisto, bei der es sich um das ehrgeizige Ziel handelt, zehn umfangreiche Eclipse-Projekte zeitgleich in einer neuen Version zu veröffentlichen. Bereits mit den aktuellen Release-Kandidaten von Eclipse 3.2 kann man sich im Update-Manager diese Projekte bequem über die Callisto Discovery Site installieren.

In der Eclipse Nite dann war der Saal so vorbereitet, dass man an mehreren Tischen jeweils Ansprechpartner zu bestimmten Themen, wie z.B. JDT, RCP oder WTP, finden konnte. War es zu Beginn der Veranstaltung noch einfach, einen Sitzplatz finden, wurde der Saal trotz gleichzeitig beginnender JAX-Party immer voller. Zielstrebig hatte ich mir gleich einen Platz am RCP-Tisch ergattert, denn ich wollte es mir nicht nehmen lassen, mit Wayne zu plaudern. Ein wenig Geduld musste ich aber noch mitbringen, denn zunächst gab es ein paar kurze Vorträge, unter anderem zum Thema Callisto Bug Hunt Contest, wo es darum geht, Bugs möglichst perfekt in das Eclipse Bugzilla einzutragen. Definiert wird dies über die Vollständigkeit des Eintrages. Handelt es sich um einen sinnvollen Bug mit ausführlicher Beschreibung, idealerweise mit angehängtem Patch und JUnit-Regression-Test, hat man die Chance, ein iPod oder sogar das einzigartige Eclipse-Mountainbike zu gewinnen.

Endlich ging es an den Diskussions-Tischen los. Zum Thema RCP hatten sich inzwischen ungefähr zehn Interessierte am Tisch eingefunden. Die Stimmung war sehr gut, immerhin gab es ja auch schon das erste Freibier von der JAX-Party. Wayne kam an den Tisch und muss mich mit meinem RSSOwl-T-Shirt wohl erkannt haben, zumindest sprach er mich gleich auf RSSOwl 2.0 an, welches ja auf RCP basiert. Ich hätte ihn wahrscheinlich den ganzen Abend mit meinem recht detaillierten Fragen zuschütten können, hielt mich dann nach einigen Minuten aber doch ein wenig zurück, um den anderen eine Chance für Fragen zu geben. Diese kamen dann auch prompt und es entwickelte sich eine sehr interessante Diskussion zum Thema Viewer in JFace. Als Kritik muss ich an dieser Stelle gleich angeben, dass die Zeit für die Diskussionen viel zu kurz gehalten war. Vielleicht gibt es ja in Zukunft die Möglichkeit, Veranstaltungen wie diese im Stile einer Plug-in-Klinik über die Dauer eines Workshops anzubieten.

Abgerundet wurde die Eclipse Nite mit weiteren Vorträgen von Unternehmen, die von Erfahrungen mit dem Einsatz von Eclipse berichteten. Wer anschließend noch fit genug war, konnte auf der JAX-Party das Tanzbein schwingen.

Benjamin Pasero (RSSOwl-Projekt)

Abb. 3: Mike Milinkovich erkärt Callisto

In einer weiteren Keynote der Konferenz behandelte Mike Milinkovich Callisto, eine Initiative der Eclipse Foundation mit dem Ziel, gleich mehrere Projekte auf einen gemeinsamen Release-Termin für neue Versionen zu verpflichten. Dadurch soll der Einsatz von Projekten, die teilweise mit einander zusammen hängen oder deren gemeinsamer Einsatz sinnvoll ist, deutlich erleichtert werden.

Abb. 4: Gut besuchte JAX Expo

Callisto stellt die Foundation vor eine Reihe von Herausforderungen. Angefangen von den politischen, zwischenmenschlichen Fragen bis hin zu der Frage, wie die Datenmengen über verschiedene Mirror mit akzeptabler Performance übers Web downloadbar gemacht werden. Hinzu kommt eine Disziplin, die Milinkovich mit Expections Management beschreibt – wenn zehn Projekte zeitgleich, mit einheitlichem Update-Manager und abgestimmten User Interfaces erscheinen, dann erwarten die Nutzer ein hochintegriertes, vollfunktionsfähiges Gesamtprodukt. Wahrscheinlich werden die ersten Callisto-Releases diesem hoch gesteckten Ziel nicht standhalten können.

JAX Innovation Award

Als ein besonderes Highlight der Konferenz wurde erstmals der mit 20.000 Euro dotierte JAX Innovation Award verliehen. Die Initiative war vom Software & Support Verlag, der auch Veranstalter der Konferenz und Herausgeber dieses Magazins ist, gestartet worden. Ziel ist es, die europäische Softwareentwicklung zu fördern und bahnbrechende Innovationen aus europäischen Unternehmen und Organisationen sowie der Forschung, Lehre und dem akademischen Umfeld zu unterstützen. Als wichtigste Gesichtspunkte bei der Entscheidung wurden die Kriterien Innovation, Kreativität, Eleganz und Praxisrelevanz herangezogen.

„Wir wollen ein Schlaglicht darauf werfen, wie innovationsfreudig der europäische Kontinent ist“, sagte Masoud Kamali, CEO des Software & Support Verlags bei der Verleihung. Es gehe darum herauszustellen, dass Innovationen nicht nur aus Nordamerika kommen und dass Europa nicht nur zum Konsumenten von Technologie werde.

Rund 50 Beiträge zum JAX Innovation Award waren von Unternehmen, Einzelpersonen, Universitäten sowie anderen Organisationen aus Europa eingereicht worden, von denen zehn nominierte Projekte der feierlichen Zeremonie beiwohnten und ihren Vorschlag dem Publikum präsentierten. Die Gewinner des Awards waren schließlich:

Abb. 5: Jürgen Höller und Rod Johnson nehmen ersten Preis des JAX Innovation Award entgegen.

Zur JAX Innovation Award-Jury gehörten bekannte Köpfe aus der Industrie wie etwa Daniel Adelhardt (Sun Java Ambassador, Speaker JAX), Adam Bien (IT-Consultant, Java Magazin-Autor, Speaker JAX), Erich Gamma (IBM Distinguished Engineer, Eclipse Java Development Tools Project Lead), Sebastian Meyen (Chefredakteur Java Magazin, Program Chair JAX) und Bola Rotibi (Analystin bei Ovum).

Alle Einreichungen, sämtliche Nominierten sowie die Gewinner des JAX Innovation Awards sind unter www.jax-award.com einzusehen. (Die folgenden Ausgaben des Java Magazins gehen ausführlicher auf die Gewinner des JAX Innovation Award ein.!)

Es riecht nach POJO

„JUnit is a very good sniffer and if something smells good in a unit test, it’s certainly a POJO“, so fasste Rod Johnson in seiner Keynote „Escaping the Technology Cycle“ seine Liebe zum „reinen Objekt“ zusammen. Statt POJO (das ja „Plain Old Java Object“ meint) sollte man allerdings besser nur von Objekten reden, ohne diese an eine spezifische Technologie zu binden. Johnson sprach darüber hinaus über die positiven und die negativen Aspekte des Wandels in der Softwaretechnologie. Wenn Wandel durch Business getrieben ist, dann sei das gut und Sinn und Zweck von Software, diesen abzubilden. Wenn technischer Wandel allerdings durch überflüssige Abhängigkeiten zwischen Komponenten und Containern verursacht wird, dann sei dies zu vermeiden.
Johnson meinte, dass wir mit Java heute im Grunde die gleichen Probleme zu lösen haben wie früher mit dem Mainframe. Der Unterschied: Der Mainframe laufe über zehn Jahre stabil, während bei Java jedes Jahr neue Releases vor der Türe stehen. Ein weiteres Merkmal der „Post-Mainframe-Periode“ sei der Umgang mit Known Bugs. Er habe in den 90ern einmal ein Applet für den Netscape-Browser geschrieben und es einem Manager vorgestellt. Dieser fragte nach, weshalb es auf genau diese Weise programmiert worden sei, woraufhin Rod antwortete, dass er wegen eines Known Bugs einen Workaround entwickeln hätte müssen. Dieses Vorgehen einem Manager, der aus der Mainframe-Welt kam, zu erklären, war fast ein Ding der Unmöglichkeit – wie soll man so einem Mann erklären, dass man eher um einen Fehler herum programmiert, anstatt ihn zu fixen?
Ein anderes Problem sind die technologischen Updates, die im Java-Bereich in relativ kurzer Folge auftauchen. Dabei ändern sich mitunter nicht nur Details, sondern gleich das gesamte Programmiermodell, so geschehen bei EJB 1.1, EJB 2.0 und EJB 3.0. Wie soll man angesichts dieses Innovationstempos einen Code schreiben können, der länger als nur ein Jahr Bestand hat?
Nachhaltige Architekturen entstehen, wenn es gelinge, die Geschäftslogik so zu implementieren, dass sie nur businessgetriebenem Wandel unterworfen sei, technisch jedoch konstant bleibe. So müssen nach Johnson Remoting-Protokolle am besten durch klare Interfaces abstrahiert werden, denn diese unterliegen, ebenso wie der Web-Output, stetigem Wandel. Wenn dann zukünftige Kommunikationsprotokolle oder Web-Formate hinzukämen, sei die eigentliche Geschäftslogik nicht davon berührt, sondern lediglich der entsprechende Output. Ein gutes Beispiel sei die Service Component Architecture (SCA), die eine Schnittstelle für serviceorientierte Architekturen bereitstelle und den eigenen Code hinter einer Fassade verberge.
Mit vielen solcher Ratschläge gab Rod Johnson seine Sicht auf die Möglichkeiten langlebiger, wartungsfreundlicher Architekturen und bewegte sich dabei souverän von der Code-Ebene hin zur Konzeption großer Anwendungen und wieder zurück.

Neue Open-Source-Initiative für EJB 3.0

Die Oracle-Keynote hielt Doug Clarke, der in seinem in seinem Talk auf die kürzlich final verabschiedete EJB 3-Spezifikation und hier insbesondere auf das Java Persistence API (JPA) einging. Wichtigste Features des API sind Konfiguration, Abfragefähigkeit, Transactions, Unterstützung von relationalen Datenbanken, Flexibilität der Architektur und die Erweiterbarkeit für Tool-Anbieter. JPA läuft sowohl innerhalb als auch außerhalb eines Java EE-Containers.
Oracles Open-Source-Strategie verdeutlichte Clarke anhand zweier Projekte: Zuerst zeigte er eine Demo des Eclipse Dali-Projektes, das von Oracle geführt wird und Teil des Web Tools Platform-Projektes werden soll. Dali ist eine EJB Object-Relational Mapping-Technologie.
Das zweite Projekt ist eine kostenlose und open source verfügbare Basisversion von TopLink, genannt TopLink Essentials. Dabei handelt es sich übrigens auch um die offizielle Referenzimplementierung des JPA-Standards, die auch Bestandteil von Suns Open-Source-Projekt Glassfish ist.

Geschrieben von
Alexander Neumann
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