Interview mit Christoph Engelbert

Neue Java-Versionen alle 6 Monate – eine gute Idee?

Hartmut Schlosser

© Shutterstock / arka38

 

Oracle hat angekündigt, Java-Releases zukünftig häufiger bereit zu stellen: Zukünftig wird es ein Feature-Release alle 6 Monate, ein Long-term Support Release alle drei Jahre geben. Außerdem soll das OpenJDK unter die Open-Source-Lizenz GPL gestellt werden. Was bedeuten diese Veränderungen für die Community?

Wir sprechen mit Christoph Engelbert, der als Repräsentant des Unternehmens Hazelcast im Experten-Komitee des JCP vertreten ist, über die neue Release- und Lizenzpolitik für Java. Welche Auswirkungen ergeben sich für Unternehmen und die Community?

Neue Java-Versionen alle 6 Monate – eine gute Idee?

JAXenter: Java-Releases wird es zukünftig häufiger geben: ein Feature-Release alle 6 Monate, ein Long-term Support Release alle drei Jahre. Welche Auswirkungen wird das haben?

Ich finde ein LTS Release alle drei Jahre zu wenig.

Christoph Engelbert: Ich mag die Idee, Releases alle 6 Monate zu veröffentlichen und Features zu integrieren, wenn diese fertig sind. Damit ist die Zeit vorbei, in der ein Feature andere über Monate, teils Jahre verzögert hat. Allerdings finde ich ein LTS Release alle drei Jahre zu wenig. Viele Firmen brauchen mehr als zwei Jahre, um neue Java-Versionen zu integrieren und oft zu zertifizieren. Das würde bedeuten, dass diese immer knapp ein komplettes LTS Release hinterher hängen würden. Das mag bei konservativen Firmen, technisch gesehen, kein Problem sein. Aber motivations-technisch ist das für die Entwickler vielleicht nicht attraktiv. Wobei, es gibt ja auch heute noch JEE-4-Entwickler 🙂

JAXenter: Wie du sagst, sind Unternehmen mitunter nicht sehr Update-freudig, wenn es um neue Java-Versionen geht. Ist das nicht ein Problem, wenn wir nun so häufig Java-Releases erhalten werden? Wie schätzt du die Gefahr der Fragmentierung ein?

Christoph Engelbert: Ich denke, die schnellen Releases werden dabei helfen, neue Features schneller stabil zu bekommen. Generell gab es mit den Release Candidates und Early Access Builds zwar schon lange die Möglichkeit, neue Funktionalität vor dem finalen Release zu testen. In der Praxis weiß aber vermutlich jeder, dass die meisten Leute erst mit Testen anfangen, wenn ein GA Release verfügbar ist.

Java und die GPL

JAXenter: Außerdem sollen OpenJDK Builds zukünftig unter der GPL veröffentlicht und OpenJDK Binaries identisch zu den Oracle JDK Binaries werden. Was genau bedeutet das? War Java nicht ohnehin schon Open Source?

Christoph Engelbert: In der Tat ein interessanter Schritt. Über die letzten Jahre ist ja immer weniger propritärer Code im Oracle JDK / JRE übrig geblieben, sodass es nur eine Frage der Zeit war, bis OpenJDK und Oracle JDK nah genug aneinander waren, um sie nicht mehr zu unterscheiden. Für das JRE gibt es immer noch 2 oder 3 Dinge, die tatsächlich anders sind. Ben Evans hatte diese in einem Blogeintrag sehr schön aufgezählt.

Der größere Punkt dürfte aber sein, dass für das JDK von Seiten Oracles kein Support mehr gegeben werden muss. Das kann meine schlechte Vorahnung sein. Es könnte sich aber auch herausstellen, dass das in der Praxis keinerlei Relevanz haben wird – Oracle macht ja nicht immer nur böse Dinge.

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JAXenter: Was bedeuten diese Neuerungen für Euch bei Hazelcast?

Christoph Engelbert: Abgesehen von mehr Testaufwand durch die schnelleren Releases vermute ich erstmal keine weiteren Veränderungen. Wir haben intern leider auch eine sehr konservative Haltung zu neuen Java-Versionen, da unsere Kunden, oftmals Banken, Versicherungen oder öffentliche Stellen, genau die oben genannten Zertifizierungen für Software brauchen und so gerade erst auf dem Updatepfad nach Java 7 oder vielleicht Java 8 sind. Hazelcast 3 wird wohl auf ewig Java 6 kompatibel bleiben, Hazelcast 4 allerdings direkt den Sprung auf Java 8 machen.

Es sind viele tolle, neue Dinge am Horizont.

JAXenter: Wie schätzt du die Folgen allgemein für Java und die Community ein?

Christoph Engelbert: Derzeit sehe ich erstmal keine direkten Folgen. Zwischen dem JCP EC und dem OpenJDK-Projekt wurde auch im Vorfeld schon viel über die Veränderung diskutiert und darüber, wie das JCP bei der Umstellung mithelfen kann. Es wurden Ideen gesammelt, wie der neue Feature-Merge-When-Complete mit im JCP-Prozess berücksichtigt werden könnte. Oracle und das OpenJDK Team waren hier sehr hilfreich und offen in der Kommunikation.

Ich persönlich hoffe, die Leute freuen sich, neue Features jetzt schneller zur Hand zu haben und damit zu spielen. Immerhin sind viele tolle, neue Dinge am Horizont 🙂

JAXenter: Vielen Dank für dieses Gespräch!

Christoph Engelbert ist technischer Evangelist und Senior Solutions Architect bei Hazelcast. Er ist ein Apache Committer und Open Source Enthusiast und vertritt Hazelcast im Experten-Komitee des JCP. Vor allem interessiert er sich für Performance-Optimierungen und die Interna der JVM und des Garbage Collector.


HINTERGRUND ZUM THEMA:

Java SE: Neue Versionen zukünftig zweimal im Jahr & viele Features auch Open Source

Geschrieben von
Hartmut Schlosser
Hartmut Schlosser
Content-Stratege, IT-Redakteur, Storyteller – als Online-Teamlead bei S&S Media ist Hartmut Schlosser immer auf der Suche nach der Geschichte hinter der News. SEO und KPIs isst er zum Frühstück. Satt machen ihn kreative Aktionen, die den Leser bewegen. @hschlosser
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