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JavaOne Keynote Roundup

JavaOne 2016 eröffnet: Oracle verspricht Java EE 8 für Ende 2017

Dominik Mohilo
javaone

Die JavaOne 2016 ist eröffnet. Neben vielem bereits Bekannten – und der üblichen Java-Lobhudelei – brachte die Eröffnungskeynote vor allem eines: Das Bekenntnis Oracles zu Java EE mit dem Plan, Java EE 8 noch Ende 2017 fertig zu stellen. Doch alles schön der Reihe nach…

Zum 20. Mal trifft sich in diesem Jahr die Java-Prominenz aus der ganzen Welt auf der JavaOne. Die von Sun Microsystems eingeführte und von Oracle 2010 weitergeführte Konferenz findet auch diesmal wieder in San Francisco statt. Etwa 450 Sessions und Keynotes erwarten die Besucher.

Eröffnet wurde die JavaOne mit einer dreifachen Keynote, bestehend aus der Java Keynote, der Intel Keynote und der sogenannten Visionary Keynote. Das Publikum wurde von Sharat Chander, dem Leiter des Java Produktmanagements von Oracle begrüßt. Neben allgemeinen Informationen zur Konferenz stellte er auch die beiden neuen Portale für Java-Entwickler vor: Go.Java und das Oracle Developer Gateway.

Sharat Chander

Sharat Chander

Das Portal Go.Java soll zukünftig als Anlaufstelle für junge Java-Entwickler und solche, die es werden wollen, dienen. Go.Java ist in seiner derzeitigen Form vor allem ein Weiterleitungsportal. Neben Links zu aktuellen Download-Seiten für Java gibt es dort auch eine Übersicht von Online-Angeboten zum Lernen des Programmierhandwerks und wichtigen Tools. Zudem bietet Oracle auf der neuen und im modernen Design gehaltenen Seite in Form von Projektvorstellungen Beispiele, was alles mit Java möglich ist.

Für weiter fortgeschrittene Entwickler wurde das Portal Developer.oracle.com ins Leben gerufen. Hier finden erfahrenere Java-Coder Tools, Technologien und Ressourcen für ihre Arbeit. Die Bandbreite reicht von Datenbanken über die verschiedenen Java-Editionen bis hin zu DevOps- und Mobile-Technologien.

Nach der Schließung der Portale Java.net und Kenai.com (JAXenter berichtete) erscheint dieser Schritt nur logisch: Die neuen Portale kommen moderner daher. Schade nur, dass Oracle es bisher nicht geschafft hat, auch die Community-Seite zu modernisieren.

Java Keynote

Georges Saab

Georges Saab

Georges Saab, Vizepräsident im Bereich Entwicklung bei Oracle, verkündete anschließend eine der wichtigsten Neuigkeiten des Abends: Oracle arbeitet hart daran, dass Java-Entwickler sogenannte First Class Citizens für Docker werden. Wer sich also schon immer gerne im Container aufhielt, für den sieht die Zukunft mit Java + Docker recht rosig aus. Saab versprach, dass das JDK für die Arbeit mit Docker optimiert wird.

Bevor Mark Reinhold die Bühne betrat, um über Java 9 zu sprechen, gab es zwei Gast-Speaker zu begrüßen: Masahiro Yoshioka von Mazda und Clement Pang von Wavefront. Die beiden berichteten von ihren Erfahrungen mit Java, und Pang machte klar: Der beste Weg, um Software, Maschinen und sogar Menschen zu verstehen, sind Metriken.

Java 9: Projekt Jigsaw und die JShell

Zum Thema Java 9 sprach schließlich Mark Reinhold, Chief Architect der Java Platform Group. Er zeigte zunächst eine Übersicht der Änderungen in Java 9 und ging im Anschluss etwas detaillierter auf das Projekt Jigsaw und die neue Java Shell ein. Natürlich ließ er nicht unerwähnt, dass die Nutzer noch etwas länger auf die rund 85 Neuerungen warten müssen, die die lang ersehnte Version 9 im Gepäck hat.

85 neue Features für Java 9.

85 neue Features für Java 9.

Mark Reinhold

Mark Reinhold

Die neue JShell stellte Reinhold im Rahmen eines kleinen Live-Codings vor, bei dem er zeigte, wie Entwickler sie am besten nutzen können. Die JShell bietet eine REPL (Read-Eval-Print Loop), um Deklarationen, Anweisungen und Ausdrücke der Programmiersprache Java zu evaluieren. Auch APIs können mit der JShell eingehend untersucht werden.

Nach der Demonstration beschäftigte er sich umfangreich mit dem bereits vielbesprochenen Projekt Jigsaw. Der Clou: Das Java Runtime Environment kann zukünftig selbst aus den Modulen zusammengestellt werden, die man braucht. Überflüssige Module können somit eingespart und der Speicherbedarf massiv verringert werden – ein nützliches Feature gerade für die Anwendung in der Cloud, wo Speicherplatz oft ein Flaschenhals ist. Anhand von übersichtlichen Slides zeigte er, wie das geplante Standardmodulsystem einen Ausweg aus der Class Path Hell bietet. Die Module, etwa java.basic oder java.logging enthalten sämtliche Klassen.

Module in Java 9: Projekt Jigsaw

Module in Java 9: Projekt Jigsaw

Brian Goetz, der kurz die Projekte Panama und Valhalla vorstellte, gab im Anschluss an Reinholds Einblicke in die Planung für Java 10. Projekt Valhalla soll Java 10 unter anderem für Value Types kompatibel machen. Projekt Panama hingegen soll dafür sorgen, dass in Java 10 Verbindungen zwischen der Java Virtual Machine und Nicht-Java-APIs hergestellt werden können.

Java EE: Quo vadis?

Anil Gaur

Anil Gaur

Dann folgte der mit höchster Spannung erwartete Auftritt von Anil Gaur, Vizepräsident der Cloud Application Foundation von Oracle. Er sprach über Java EE und was die Zukunft bringen wird. Dabei räumte Gaur zunächst sämtliche Zweifel vom Tisch: Oracle habe entgegen aller Gerüchte einen sehr gut definierten Plan, was Java EE 8 ihrer Meinung nach benötigt und sogar, wann es veröffentlicht werden soll.

Was den Release-Trmin angeht, legte er sich auf Ende 2017 fest. Überraschend: Auch der Erscheinungstermin von Java EE 9 ist anscheinend bereits geplant: Ende 2018.

Die Roadmap für Java EE.

Die Roadmap für Java EE.

Um die Community rund um die Enterprise Edition nicht erneut vor den Kopf zu stoßen, hat Oracle vor, keine Entscheidungen mehr ohne Absprache mit dieser zu treffen. Die Community soll eine starke Rolle in den Expertengruppen spielen, innerhalb derer entschieden werden soll, was wirklich Einzug in die Java EE erhält.

Die möglichen Bestandteile von Java EE 8.

Die möglichen Bestandteile von Java EE 8.

Zu den wichtigsten Neuerungen für Java EE gehört unter anderem ein neuer AppDev-Stil für die Cloud und Microservices. Auch das Programmiermodell soll überarbeitet und für reaktives Programmieren erweitert werden. Ein einheitliches Event-Modell und ein Event-Messaging-API sowie die Unterstützung von JAX-RS, HTTP/2, Lambdas und JSON-B runden das neue Modell ab. Im Bereich Sicherheit sollen zukünftige Java-EE-Versionen OAuth und OpenID unterstützen.

Lesen Sie auch: Oracle sieht „reaktives Programmiermodell“ für Java EE 8 vor – und verschiebt den Release-Termin

Auch die Elastizität der Enterprise Edition soll weitergebracht werden. Ein wichtiger Punkt ist laut Gaur die Implementierung von Client-seitigen Circuit-Breakern. Java EE soll für die Zukunft in der Cloud auch mit der Möglichkeit ausgestattet werden, Anwendungen und Laufzeiten als Services zu packen.

Oracles Proposal für die Architektur der Java-EE-Plattform.

Oracles Proposal für die Architektur der Java-EE-Plattform.

Intel Keynote

Michael Greene

Michael Greene

Die Intel Keynote stand unter dem Motto Enabling a Smart and Connected World with Java und wurde von Michael Green gehalten. Greene ist Vizepräsident von Intel und General Manager of System Technologies and Optimizations der Software and Services Group des Prozessorriesen. In seiner Keynote rekapitulierte Greene die letzten 20 Jahre und betonte, dass der Open-Source-Gedanke bei Intel eine sehr große Rolle spiele.

Für das OpenJDK wird Intel auch zukünftig neue und verbesserte APIs quelloffen zur Verfügung stellen, und IoT-Entwickler können sich über mehr Unterstützung für eine Vielzahl an neuen Sensoren freuen. Ein weiterer Punkt, der gerade für IoT-Edge-Entwickler interessant sein wird: Java wird auf Intel Joule laufen, und Ende des Jahres soll ein neues IoT Development Kit vom Chiphersteller veröffentlicht werden.

Auf der Bühne begrüßte Greene unter anderem Benjamin Wolff vom CERN, Nandini Ramani von Twitter und Reynold Xin vom Projekt Apache Spark. Die drei Gäste der Intel Keynote erzählten wie Java die Arbeit der jeweiligen Unternehmen und Projekte beeinflusst, oder überhaupt erst möglich gemacht hat.

Visionary Keynote

Dr. Anita Sengupta

Dr. Anita Sengupta

Die diesjährige Visionary Keynote mit dem Motto Engineering the Red Planet wurde von Dr. Anita Sengupta gehalten. Die Professorin der University of Southern California war maßgeblich am Projekt rund um den Mars-Rover Curiosity beteiligt.

Anhand von Filmmaterial und technischen Slides zeigte Dr. Sengupta, wie es den Ingenieuren und Software-Entwicklern gelang, diese Mission erfolgreich an den Start zu bringen. Das Projekt allein umfasste laut ihren Angaben mehr als 500.000 Zeilen Code, der vorrangig in Java geschrieben wurde und dafür sorgte, dass die Sonde nicht auf der Marsoberfläche zersplitterte und der Computer fähig war, die komplizierte Landesequenz und das Abbremsen von 13.000 Meilen pro Stunde auf 0 ohne das Nachjustieren durch Menschen zu bewältigen.

Die Keynotes zusammengefasst

Was bleibt unterm Strich von den Keynotes? Java 9 wurde erneut verschoben, es gibt zwei neue Web-Portale und die Enterprise Edition wird nicht aufgegeben. Neben sehr viel Lobhuldigung für Java und Oracle von diversen Gastsprechern namhafter Projekte und Unternehmen haben die Speaker der etwa dreistündigen Veranstaltung nicht besonders viel Neues mit der Java-Welt zu teilen gehabt.

Die Keynote von Intel war in erster Linie eine Marketing-Veranstaltung und als solche betrachtet recht wirksam: Die Vorfreude auf Intel Joule und die neuen IoT-Entwicklungskits wird sicher bei einigen Leuten neu angefacht worden sein. Aus Unterhaltungsperspektive war die Visionary Keynote ebenfalls hochinteressant, hatte aber mit Java an sich wenig bis gar nichts zu tun und wäre eventuell als externer Fachvortrag besser aufgehoben gewesen.

Lesen Sie auch: Java 9 erneut verschoben: „Jigsaw needs more time“

Wie dem auch sei: Die JavaOne 2016 ist gestartet, und wir hoffen auf detailliertere Infos zu Java EE 8, Java 9, JavaFX, NetBeans,… in den laufenden Sessions. Für alle, die keine Möglichkeit haben, sich die Konferenz vor Ort anzusehen, wird es auf JAXenter Berichte unserer Java-Experten vor Ort und unseres Teams geben.

Geschrieben von
Dominik Mohilo
Dominik Mohilo
Dominik Mohilo studierte Germanistik und Soziologie an der Goethe-Universität in Frankfurt. Seit 2015 ist er Redakteur bei S&S-Media.
Kommentare
  1. rajesh2017-01-16 13:28:08

    Nice Blog...!

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