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Java ist nicht tot – netter Versuch! Aber Java ist relevanter denn je

Wayne Citrin

© Shutterstock / Konstantin Tronin

Trotz der Gerüchte, die das Gegenteil behaupten, hat Java noch immer eine enorme Bedeutung für die Technologie-Branche. Wayne Citrin erklärt, warum Java quicklebendig ist und auch in nächster Zukunft nicht verschwinden wird.

Java in der Sackgasse?

Der ein oder andere erinnert sich vielleicht noch daran: Der Analyst Mike Gualtieri hat 2010 in einem Blog-Eintrag behauptet, Java sei eine Sackgasse für die Entwicklung von Enterprise-Apps. Daraufhin entbrannte eine Debatte, in der mehr oder weniger stichhaltige Argumente dafür und dagegen ausgetauscht wurden. Heute, mehr als sieben Jahre später, steht Java immer noch sehr gut da, wie beispielsweise auch der letzte Tiobe Index zur Popularität von Programmiersprachen gezeigt hat.

Auch Stack Overflow unterstreicht diese Position. Deren diesjährige Umfrage unter 64.000 Entwickler kam zu dem Ergebnis, dass Java, im fünften Jahr in Folge, die drittbeliebteste Sprache hinter SQL und JavaScript ist. Der Survey hat auch zu Tage befördert, dass Java die viertpopulärste Sprache innerhalb verschiedener Berufsgruppen (Web-Entwickler, Desktop-Entwickler, SysAdmins/DevOps und Dateningenieure) ist, hinter JavaScript, SQL und C#.

Das Fazit lautet, dass Java entweder die führende Enterprise-Programmiersprache überhaupt ist, oder diese Spitzenposition allenfalls mit dem Langzeit-Konkurrenten C# teilt. Die einzigen anderen wichtigeren Programmiersprachen sind spezielle Web- und Datenbanken-Sprachen. Im Bereich der Enterprise-Systeme ist Java also immer noch eine Größe, mit der man rechnen muss.

Wenn man sich diese Beispiele für Javas Popularität anschaut, fragt man sich, warum immer wieder Artikel erscheinen, die das unmittelbar bevorstehende Ableben von Java vorhersagen. Wie Mark Twain sagen würde: Die Berichte über den Tod von Java sind ziemlich übertrieben.

Enterprise Java ist mehr als Java EE

Zunächst muss klar gestellt werden, dass es im Bereich Enterprise Java nicht nur um Java EE geht. Java EE war immer kompliziert in der Anwendung, und dessen Beliebtheit hat merklich abgenommen. Also ja, wenn man auf ein Enterprise Java im Kontext von Java EE schaut, ist die Nutzung von Java rückläufig.

Aber viele neue Open-Source-Projekte und -Frameworks haben den Platz von Java EE eingenommen. Spring ist eindeutig das wichtigste unter den allgemeinen Enterprise-Frameworks, und fast vier fünftel der Web-Entwicklung mit Java wird mit anderen Frameworks als Java EE gemacht. Außerdem erhalten wichtige Java-Projekte Support unter dem Dach der Apache-Software-Foundation, viele davon als Ersatz für Java-EE-Komponenten. Dazu kommen noch weitere, die Lösungen anbieten für Anwendungsgebiete, die nicht von Java EE abgedeckt werden.

Unterm Strich bedeutet dies, dass Entwickler, sofern sie die Wahl haben, nicht unbedingt auf Java EE, sondern auf das boomende Framework-Ökosystem setzen werden. Und genau dadurch erhöhen sie die Relevanz und Popularität von Enterprise Java, ungeachtet der sinkenden Popularität von Java EE.

Java Tooling – konkurrenzlos

Java gibt es bereits seit vielen Jahren und hatte dementsprechend viel Zeit, erstklassige Tools zum Schreiben, zur Pflege und zum Debuggen von Code hervorzubringen. Verschiedene IDEs wie Eclipse oder NetBeans haben es enorm vereinfacht, Java-Programme zu entwickeln. Dieselben Werkzeuge können auch dafür benutzt werden, Code in neuen Sprachen, die auf der Java-Plattform basieren, zu schreiben.

Wenn man das mit der Situation neuer Sprachen anderer Plattformen vergleicht: Sofern niemand eine IDE-Erweiterung für diese Sprachen geschrieben hat, die mit den etablierten IDEs funktioniert, ist der Entwickler gezwungen, eine beschränkte Auswahl von Code-Editoren, Kommandozeilen-Compilern und Build Tools zu nutzen. Obwohl diese Tools ziemlich stark sein können, spricht vieles doch dafür, dass IDEs Entwickler wesentlich produktiver machen, wenn man einmal von trivialen Projekten absieht.

Außerdem sollte klar sein, dass selbst die wichtigsten Build Tools wie Maven, Gradle und sbt Java-zentrisch sind, auch wenn sie dafür genutzt werden können, Projekte in anderen Sprachen zu bauen. Die Tatsache, dass diese Tools ursprünglich auf Java ausgerichtet wurden, deutet darauf hin, dass Java immer noch auf einer vorherrschenden Position auf dem Markt der Enterprise-Programmiersprachen ist.

Java ist die Brücke in die Zukunft

Sie möchten eine neue, angesagte Sprache lernen? Dann legen Sie los! Entwickler können dafür bestens ihr Wissen über Java gebrauchen. Warum? Weil neue Sprachen unweigerlich mit Java im Hinterkopf geschrieben wurden. Wichtige Java-basierte Sprachen wie Groovy, Clojure, Jython und Scala kompilieren alle zu dem selben Ding, zu dem auch Java kompiliert: Bytecode.

Entwickler können beispielsweise Teilstücke eines Programmes in einer neuen Sprache schreiben und diese anschließend in existierenden Java Code einbinden. Sie können die spannenden Features neuer Sprachen nutzen, in denen sie sich wohl fühlen, ohne alles über sie wissen zu müssen. Sie können mühelos ihren Code in den Quellcode ihrer Kollegen integrieren, auch wenn dieser in einer anderen Sprache geschrieben ist. Unter der Motorhaube ist es alles dasselbe.

Entwickler können also getrost experimentieren und Code in einer brandneuen Sprache schreiben, denn sie haben die Sicherheit, dass, sobald sie an Grenzen stoßen (oder die Sprache ihr Limit erreicht), sie immer noch unbeschadet auf Java zurückgreifen können.

Sehr zum Ärger aller Schwarzmaler wird Java in der nächsten Zukunft keinen Schwanengesang singen. Man darf die falschen Todesmeldungen getrost ignorieren und Java ruhig dafür schätzen, was es alles kann. Erfreuen wir uns an der Tatsache, dass Java noch am Leben und gesund ist, und auch weiterhin an Beliebtheit und Verbreitung zulegen wird.

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Wayne Citrin
Wayne Citrin
Dr. Wayne Citrin ist CTO und Mitgründer von JNBridge, LLC, dem führenden Provider für Interoperabilitäts-Tools, zum Verbinden von Java und .NET Frameworks.
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